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Neumünster Mängel beim Katastrophenschutz
Lokales Neumünster Mängel beim Katastrophenschutz
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19:22 14.12.2014
Von Karsten Leng
Schnelle Hilfe für Beatmungspatienten in Seniorenheimen, die von Mitgliedern der Jugendwehren bei der Übung gespielt wurden, wäre im Ernstfall zu spät gekommen. Quelle: Karsten Leng
Neumünster

Punkt 9 Uhr gingen in der neuen Feuer- und Rettungswache die Lichter aus. Sofort sprang die Notstromversorgung an. Vom Lagezentrum der Wache gab Oberbürgermeister Olaf Tauras Katastrophenalarm. Das Innenministerium in Kiel, die Polizeidirektion Neumünster und auch das Friedrich-Ebert-Krankenhaus richteten sofort Krisenstäbe ein. Alle Wachen der acht Freiwilligen Feuerwehren Neumünsters wurden per Funk alarmiert und umgehend besetzt. Auch dort wurde ein Stromausfall simuliert. Die Energieversorgung übernahmen Notstromaggregate.

 „Im Falle eines länger andauernden Stromausfalls müssen die Wachen der Wehren in den Stadtteilen der Anlaufpunkt für Bürger sein, um sich Hilfe zu besorgen und Informationen zu erhalten“, erklärte der Chef der Berufsfeuerwehr, Sven Kasulke, die getroffenen Maßnahmen. Eines der größten Probleme sei die Information der Bevölkerung, da bei einem derartigen Stromausfall das Telefonfestnetz aber auch das Handynetz schnell zusammenbricht und nicht mehr zur Verfügung steht.

„Wer kein batteriebetriebenes Radio besitzt und damit entsprechende Warnmeldungen empfangen kann, ist von sämtlichen Informationen abgeschnitten“, berichtete Sven Kasulke. Zusammen mit allen beteiligten Rettungseinheiten hatte er über drei Jahre lang ein Konzept für diesen Katastrophenfall ausgearbeitet, das jetzt mit der Großübung auf seine Stimmigkeit überprüft wurde. Besonderes Augenmerk galt – neben der Organisation und dem zügigen Aufbau von zentralen Betreuungspunkten – den Beatmungspatienten, die in Seniorenheimen betreut werden.

Derzeit sind es 20, die bei einem Stromausfall schnellstmöglich in das Friedrich-Ebert-Krankenhaus, das über eine komplette Notstromversorgung versorgt, transportiert werden müssen. Dort zeigte sich ein erheblicher Mangel in dem Notfallkonzept. Diese Patienten, gespielt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehren, erreichten erst nach rund zwei Stunden mit Rettungswagen das Krankenhaus. „Da müssen wir nachbessern und die Kommandostrukturen erheblich strafen“, bekannte Sven Kasulke. Es war die erste Katastrophenübung dieser Art in Schleswig-Holstein. Viele Beobachter waren gekommen, darunter auch Vertreter der Berufsfeuerwehr von Gelsenkirchen.