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Neumünster Warum das Dach 1947 wirklich einstürzte
Lokales Neumünster Warum das Dach 1947 wirklich einstürzte
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19:44 16.08.2019
Von Thorsten Geil
Herbert Möller (96) war dabei, als die Dachkonstruktion der Halle im März 1947 in sich zusammenstürzte. Heute kommt er immer noch gern hierher. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Am 15. August 1939 wurde die Holstenhalle fertiggestellt und mit Ausbruch des Weltkriegs an den Rüstungsbetrieb „Land und See“ übergeben; der montierte hier Flugzeuge der Wehrmacht. Nach dem Krieg übernahmen die Engländer den Komplex und brachten hier eine Pionier-Einheit unter.

"Tagsüber mussten wir in der Halle arbeiten"

Herbert Möller, der bekannte und vielfach geehrte CDU-Mann, war 1946 als Kriegsgefangener nach Neumünster gekommen. „Tagsüber wurden wir aus dem Lager mit etwa 20 Mann in die Holstenhallen gebracht, um für die Engländer zu arbeiten“, erzählt er.

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"Der Kranführer kam gegen eine Dachstrebe"

Im März 1947, gegen Ende eines extrem schneereichen Winters, arbeiteten die Engländer eines Tages in der Halle mit einem sehr hohen Kran. „Dabei ist der Kranführer versehentlich gegen eine der Dachstreben gekommen. Die knickte weg, und das reichte, um alles zusammenbrechen zu lassen“, sagt Möller. Die Holzwaben-Konstruktion war in sich zwar stabil, aber eine fehlende Strebe und der ganze Schnee auf dem Dach waren dann einfach zu viel.“

Bis die Engländer die Stadt 1949 wieder an die Neumünsteraner zurückgab, stand die Halle ohne Dach und verfiel zusehends. Einer der ersten Beschlüsse der neuen Ratsversammlung war, das Dach wieder aufzubauen. Möller: „Vorher war auch im Gespräch, alles abzureißen und dort Wohnungen zu bauen. Aber dann wurde 1950 die Dachkonstruktion errichtet, die bis heute hält.“

1950 kam Kurt Schumacher in die Halle

Bereits im Juni 1950 fand in der (wieder geschlossenen) Halle die erste Veranstaltung statt – ein SPD-Bundesparteitag mit Kurt Schumacher. Kurz darauf gab es eine Eisrevue mit Maxi und Ernst Baier. Die Neumünsteraner und ihre Gäste waren vergnügungshungrig und pilgerten in die Halle: „An mehreren Tagen kamen 35.000 Zuschauer zu dieser Revue“, sagt der heutige Hallengeschäftsführer Dirk Iwersen.

„Die Verbände waren Dreh- und Angelpunkt"

Relativ schnell siedelten sich mehrere Tierzuchtverbände wie etwa die Trakehner rund um die Hallen an, weil sie ideale Verhältnisse für Zuchtschauen und Auktionen bietet. „Diese Verbände waren Dreh- und Angelpunkt für die Hallen und brachten Geld in die Stadt“, sagt Möller.

"Das müssen wir verhindern"

Später, als Möller schon in der Ratsversammlung saß, wurde noch einmal diskutiert, ob die Hallen zugunsten von Wohnungsbau abgerissen werden sollten. Das scheiterte aber am Veto des Oberbürgermeisters Walther Lehmkuhl. „Der sagte mit Recht: ,Wenn wir die Hallen nicht mehr haben, sind auch die Tierzuchtverbände alle weg. Das müssen wir verhindern’“, wie sich Möller erinnert.

Und so konnten die Holstenhallen sich weiter entwickeln. Heute sind sie längst das größte Messezentrum Schleswig-Holsteins. Hier finden jedes Jahr etwa 900 Veranstaltungen und Konzerte mit mehr als einer Million Besuchern statt.

"Das sollte eine Nazi-Halle werden"

Eigentlich soll der Komplex 1939 als Viehauktionshalle konzipiert und gebaut worden sein, aber Herbert Möller hat auch dazu eine Theorie. „Es waren viele nationalsozialistische Symbole an den Wänden. Ich glaube, dass die Nazis diese Halle auch als Ort für ihre Aufmärsche und Feste nutzen wollten.“

Immer informiert: Nachrichten aus der Region

Am 15. August 1939 wurden die Holstenhallen Neumünster fertig gestellt. Heute ist sie längst das größte Messezentrum des Landes.
Thorsten Geil 16.08.2019
Andrè Haase 16.08.2019
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