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Neumünster Werken beim Werden zuschauen
Lokales Neumünster Werken beim Werden zuschauen
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19:45 04.09.2013
Work in Progress - Kunstflecken NMS - Danijela Pivaševic-Tenner Quelle: Marco Ehrhardt
Neumünster

Work in Progress nennt Danijela Pivaševic-Tenner die Schau mit Arbeiten von Jim Avignon, Louise Sille Krogh-Jacobsen und Giorgio di Palma. „Das Sager-Viertel ist in Bewegung und wird bald eine völlig andere Gestalt annehmen. So ist es auch mit unserem Alltag. Die Dinge verändern sich ständig, es gibt immer etwas Neues“, erklärt die Keramik-Künstlerin, die auch eigene Arbeiten zeigen wird. Den temporären Ausstellungsort hat sie bewusst provisorisch belassen, um die besondere Ästhetik des Vorläufigen, im Übergang Befindlichen nicht zu zerstören. Mit der Auswahl junger europäischer Künstler und dem ganz und gar „unklassischen“ Ausstellungsort hofft die gebürtige Serbin, auch ein junges Publikum anzusprechen.

Die Rechnung könnte aufgehen, denn was sich in den eher schroffen Räumlichkeiten verteilt, ist alles andere als trockene Museumskunst. Bunt, grafisch und ein bisschen verrückt ist diese Schau, die dennoch eine eigenwillige Wohnlichkeit ausstrahlt. Zwei Sessel vor einem Fernseher laden zum Verweilen ein, an den Wänden hängen Bildobjekte, irgendwo läuft ein Video zu unaufdringlicher Pop-Musik. Dazwischen steht ein blütenweißes Klosett nebst plüschig pinkem Teppichvorleger, wie zufällig vergessen lehnt ein Wischmob an der Wand. Der Mob ist aus Keramik, genauso wie der Vorleger und die Fernbedienungen. Geschaffen hat sie die Dänin Louise Sille Krogh-Jacobsen, die sich in ihrer Kunst auf die „kulturellen Codes des Alltags“ konzentriert.

Den zweiten Sessel hat Danijela Pivaševic-Tenner mit flüssigem Porzellan übergossen. Die blauen Flip-Flops daneben sind von dem Italiener Giorgio di Palma gefertigt – natürlich auch aus Keramik. Dass all diese „praktischen“ Dinge wunderbar zueinander passen, ist der Kuratorin wichtig. Wer auf dem Sessel sitzt, kann in Ruhe die Bildobjekte von Nicole Thoss betrachten, die Porzellanplatten im Siebdruckverfahren mit spannenden Bildergeschichten versehen hat. Oder man kann Jim Avignon bei der Arbeit zuschauen, den Pivaševic-Tenner als „Kunstwerk an sich“ bezeichnet. Morgen ist der umtriebige Berliner Pop-Art-Künstler und Musiker mit einer ganztägigen Live-Performance vor Ort. Von der weißen Wandfläche, die heute noch den Raumeindruck beherrscht, wird zur offiziellen Ausstellungseröffnung vermutlich nicht viel übrig sein. Der 45-Jährige, der beim Malen und Zeichnen ein rasantes Tempo vorlegt, wird sie mit unverwechselbarer Handschrift in eine krachbunte Comic-Welt verwandeln. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.