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Neumünster „Vielleicht hat Vater dich gerettet“
Lokales Neumünster „Vielleicht hat Vater dich gerettet“
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15:52 14.06.2019
Von Thorsten Geil
Danke – Bitte: Hajo Götz Neumann (links) hat als Kind die Leukämie nur überlebt, weil er Blutspenden erhielt. Kai Neuhaus hat schon 107 Spenden geleistet. Auf dem Schild fehlen die Buchstaben A und B, die Blutgruppen. Motto: „Erst wenn’s fehlt, fällt’s auf!“ Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Im Haus des Deutschen Roten Kreuzes in Neumünster hat der Blutspendedienst Nord-Ost an diesem Tag wie so häufig seine Liegen aufgebaut, und es herrscht ein reges Kommen und Gehen, während die beiden Männer sich unterhalten. Gegenseitige Sympathie ist sofort zu spüren. Das ist bei der Geschichte der beiden Männer aus dem Kreis Segeberg auch nur verständlich.

Die Leukämie schlug mit 12 zu

Hajo Götz Neumann (42) bekam Leukämie, als er zwölf Jahre alt war. Er war so krank, dass er sich nicht einmal blaue Flecken holen und nicht die Zähne putzen durfte. „Jede noch so kleine Verletzung hätte tödlich sein können, weil in meinem Blut die Leukozyten und Thrombozyten rar waren. Ich musste zur Chemotherapie und brauchte ständig Blutkonserven“, sagt Neumann.

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"Das bewegt mich bis heute“

Irgendwann reagierte der Junge allergisch auf eine Transfusion und wurde immer schwächer. Er brauchte dringend neue Thrombozyten, aber die Blutbanken waren leer. „Da haben die Ärzte in der Klinik einen regelmäßigen Spender angerufen, der ein paar Tage später kommen wollte. Dieser Mann hat augenblicklich seine Arbeit liegen lassen, ist in die Klinik gefahren und hat speziell für mich gespendet. Am späten Abend bekam ich die Transfusion und war gerettet. Das bewegt mich bis heute“, sagte Neumann.

Ein Jahr lang kämpfte er mit der Krankheit, bis er sie besiegt hatte und leben durfte. Heute wohnt er in Bad Segeberg und ist Lehrer an der Walther-Lehmkuhl-Berufsschule in Neumünster.

"Ich erzähle meinen Schülern meine Geschichte"

Gern würde er selber Blut spenden, aber wegen seiner Vorgeschichte darf er nicht. Dafür wirbt er bei seinen Schülern und unterstützt die jährlichen Spendenaktionen an der Schule. „Wenn ich den Schülern meine Geschichte erzähle, sind viele von der Wichtigkeit überzeugt und legen sich sofort auf die Liege“, sagt er dankbar.

107 Spenden hat Kai Neuhaus schon geleistet

Keinerlei Überredung braucht Kai Neuhaus (41) aus Bad Bramstedt. Der Sozialversicherungsfachangestellte wurde 2018 als jüngster Blutspender Schleswig-Holsteins ausgezeichnet, der 100 Mal angetreten ist. „Mittlerweile sind es 107 Stück. Alle 56 Tage darf man ja nur los, und dann suche ich mir aus meiner Excel-Tabelle einen Termin aus. Ich fahre oft nach Neumünster, aber auch in andere Orte. Ich möchte gern helfen“, sagt Neuhaus.

"Bei der ersten Spende wurde ich kurz ohnmächtig"

Als Kai Neuhaus 18 war, nahm ihn sein Vater, ein regelmäßiger Spender, zum ersten Mal mit. „Ich wollte nur mal gucken, aber dann habe ich mich spontan gleich auf die Liege gelegt. Ich hatte leider noch nichts gegessen und wurde kurz ohnmächtig“, sagt er lachend. Abgehalten hat ihn diese schlechte Erfahrung aber nicht. Nach jeder Spende genießt er die Verpflegung, die die DRK-Helfer spendieren, und nach einer knappen Stunde kann er wieder los. „Die Zeit nehme ich mir gerne“, sagt er.

"Jeder sollte es tun"

Kai Neuhaus kennt in seinem Umfeld nur wenige Spender. „Es machen einfach nicht genug Menschen. Jeder sollte es tun“, sagt er. Dann sieht er Hajo Götz Neumann an und wird ganz nachdenklich. „Vielleicht hat mein Vater dich ja damals mit seinen Blutspenden gerettet“, sagt er. Und Neumann antwortet: „Ja, wer weiß? Vielleicht.“

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