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Nord-Ostsee-Kanal Reeder wollen Vorfahrt an Schleusen
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Reeder wollen Vorfahrt an Schleusen
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00:18 06.07.2013
Von Frank Behling
Kreuzfahrer sind mit den Wartezeiten an den NOK-Schleusen unzufrieden. Quelle: FB
Kiel

„Hier muss schnell eine Lösung gefunden werden, sonst sehen wir bald weniger Kreuzfahrtschiffe im Kanal“, sagt Jens-Broder Knudsen. Der Geschäftsführer der Maklerei Sartori & Berger betreut die meisten Kreuzfahrer im Kanal. Sitzen Passagiere in Kiel fest, müssen Hotelzimmer angemietet werden. Verpassen Containerfrachter das Anschlussschiff in Hamburg, werden hohe Konventionalstrafen fällig. „Wir erwarten von den zuständigen Stellen eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung“, sagt Hansjörg Kunze, Sprecher der Reederei Aida.

„Wenn wir keine halbwegs kalkulierbaren Schleusenzeiten zugesichert bekommen, sind wir gezwungen, nach Bremerhaven oder Hamburg zu gehen. Für den Hafen Kiel wäre das schade“, sagt Karin Kilian vom Kreuzfahrtveranstalter Hansa Touristik. Wichtig sei eine verlässliche Planung. „So etwas darf auch zusätzliche Gebühren kosten“, sagt Kilian.

Die Passagekosten im Nord-Ostssee-Kanal bewegen sich pro Schiff zwischen 10000 und 30000 Euro. Ein Zuschlag von rund 10000 Euro ist nach Informationen dieser Zeitung für ein Kreuzfahrtschiff durchaus attraktiv. Bei rund 110 Passagen kämen so allein fast eine Million Euro zusätzlicher Einnahmen für den Bund und die Dienstleister am Kanal zusammen.

Am Panama- und Suezkanal sind derartige Verfahren längst die Regel. Schiffe mit engen Zeitplänen haben am Panamakanal seit Mai die Möglichkeit der Reservierung einer Durchfahrt zu einer vorher fest bestimmten Zeit gegen Aufpreis.

Ein Vorbild auch für den Nord-Ostsee-Kanal? Bei der zuständigen Schifffahrtsverwaltung ist man zurückhaltend. Eine Änderung der entsprechenden Abgabenverordnung sei aufwändig. Deshalb gelte das seit Jahrzehnten bewährte System „First come, first serve“: Wer zuerst vor der Schleuse auftaucht, wird auch zuerst geschleust.

Technische Lösungen schlägt Jann Petersen von der Maklerei UCA vor: „Da lässt sich mit Telematik vieles machen. Diese Form der modernen Verkehrssteuerung durch Nutzung aller Daten ist machbar.“ Damit ließen sich die gesamten Routen der Schiffe betrachten. Ist beispielsweise der Liegeplatz eines Schiffes in Hamburg noch belegt, muss dieses Schiff auch nicht in den Kanal und könnte den Platz für ein eiligeres Schiff freimachen.