Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Nord-Ostsee-Kanal Klage kontra Kanalausbau
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Klage kontra Kanalausbau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 04.03.2014
Von Frank Behling
Der Nord-Ostsee-Kanal ist bereits heute eine Baustelle. In der Weiche Schwartenbek werden derzeit die letzten Holzdalben durch Stahldalben ersetzt. Die Holzdalben waren von den Bohrmuscheln zerfressen worden. Quelle: FB
Kiel

„Es geht uns nur um den Baulärm. Wir wollen auch während der Bauarbeiten unsere Nachtruhe und am Wochenende einmal in Ruhe grillen“, fast Ursula Hammer-Uschtrin zusammen. Die 64-Jährige wohnt mit ihrem Mann in Rajensdorf, weniger als 240 Meter von der Kanalböschung entfernt. Das Ehepaar hat die Planungen verfolgt und lässt kein gutes Haar an der Arbeit der Planungsgruppe. „Die haben uns in einer Tour belogen“, schimpft sie. So wurden Bäume gefällt, deren Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel gar nicht klar waren. „Es sollte ein fünfjähriges Monitoring geben. Dann wurden Daten dazu im Internet hochgeladen, bei denen es sich aber nur um die Daten von 2009 bis 2011 handelte. Wo sind denn die Daten für 2012 und 2013?“, fragt die Anwohnerin. „Die Unterlagen überzeugten uns jedenfalls gar nicht“, sagt Ursula Hammer-Uschtrin.

Zwei Paare aus dem Ortsteil Rajensdorf der Gemeinde Quarnbek haben sich deshalb eine Anwältin genommen, die am Donnerstag rechtzeitig vor Ende der Einspruchsfrist die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss einreichen ließen. „Ja, es gibt eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss“, bestätigte gestern Susanne Rublack, Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts. Für eine Bewertung sei es aber zu früh, da zunächst auch der Eingang der Klageschrift abgewartet werden müsse. „Das wird dann bei uns seinen Gang gehen“, sagte die Gerichtssprecherin. Zu möglichen Verzögerungen oder gar einem Baustopp machte die Sprecherin keine Angaben.

Der im Dezember durch die Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt aufgestellte Planfeststellungsbeschluss war nach umfangreichen Planungen seit 2006 durch eine Planungsgruppe erarbeitet worden. Dabei waren nach der ersten Auslegung der Planungen im Jahre 2010 260 Einwände von Bürgern und Verbänden eingegangen. Nach einer zweiten Auslegung und Bürgerbeteiligung hatte sich die Zahl der Einwände 2012 von Anwohnern und Verbänden auf 32 reduziert.

Den Weg zum Oberverwaltungsgericht wählten jetzt aber nur die beiden Ehepaare aus Quarnbek. „Weitere Klagen gab es nicht“, bestätigte gestern die Gerichtssprecherin. Jetzt ist der Fall beim Rechtsdezernat der Generaldirektion angekommen. „Wir müssen erstmal auf die Klageschrift warten. Die Vorbereitungen für den Beginn der Bauarbeiten gehen weiter, da die ersten Arbeiten nicht im Bereich der jetzt betroffenen Anwohner liegen“, sagte Claudia Thoma, Sprecherin der Generaldirektion, gestern.

 Konkret sollen in diesem Jahr die ersten Arbeiten am Flemhuder See erfolgen, wo Flächen für die Zwischenlagerung des Baggerguts geschaffen werden. „Dort erfolgt die Freimachung des Baufeldes“, sagt Thoma. Parallel wird an der Vorbereitung für die europaweiten Ausschreibungen für die verschiedenen Baustellen gearbeitet. Wie berichtet, soll nach der Auftragsvergabe zunächst mit der Verbreiterung des Kanals zwischen Königsförde und Landwehr begonnen werden. Aus diesem Bereich gibt es keine Klagen gegen das Projekt, sodass dort der Bau wie geplant anlaufen kann.

 Am Freitag hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt klargestellt, dass der Ausbau des Kanals sehr hohe Priorität genieße. Die Finanzierung des mindestens 70 Millionen Euro teuren und bis zu vier Jahre dauernden Ausbaus der Oststrecke soll in den Verkehrsetat für 2015 eingestellt werden, der im Herbst aufgestellt werden soll.

 Die Klage der beiden Ehepaare aus Quarnbek richtet sich nicht gegen den gesamten Ausbau, sondern nur um die Arbeiten zwischen Landwehr und Schwartenbek. Dort soll direkt vor ihren Häusern die Baustelle angelegt werden. „Wir sehen ja ein, dass der Kanal wichtig ist, deshalb wollen wir den Ausbau auch nicht verhindern. Wir wollen nur in Ruhe schlafen“, sagt die Anwohnerin.

 Gebaut wird derzeit auch in der Kanalweiche Schwartenbek bei Kiel-Suchsdorf. Dort ersetzen Spezialfirmen die letzten Holzdalben-Bündel. Die aus jeweils 16 Fichten- oder Lerchenholzstämmen bestehenden Dalbenbündel werden entfernt und durch neue Stahlrohrdalben ersetzt. Die 800 Holzpfähle waren in den vergangenen Jahren durch die von Schiffen mit dem Ballastwasser eingeschleppten Bohrmuscheln zerfressen worden.