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Nord-Ostsee-Kanal Fehlt die Fähre, stockt das Leben
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Fehlt die Fähre, stockt das Leben
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09:48 07.11.2019
Von Frank Behling
So wie hier in Sehestedt trennt der Kanal Gemeinden und Amtsbezirke. Umso wichtiger sind die Fähren. Quelle: joh: Birgit Johann
Kiel

Für die Gemeinde Sehestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist die kleine Autofähre eine Lebensader. Als 1887 die Bauarbeiten für den Kaiser-Wilhelm-Kanal begannen, gruben sich die kaiserlichen Bautrupps mitten durch den Ort mit der romanischen Feldsteinkirche. Damit die Bewohner dem Kanalbau zustimmten, versprach der Kaiser eine kostenlose Querung des Kanals.

Wer Brücken oder Fähren über den Kanal nutzt, muss nichts bezahlen

Diese Zusage hat bis heute Gültigkeit. Wer Brücken oder Fähren über den Kanal nutzt, muss keine Maut bezahlen. Doch am Freitag fuhr in Sehestedt plötzlich keine Fähre mehr. Und weil keine Ersatzfähren mehr zur Verfügung standen, musste nach einem Ringtausch die Fährstelle in Fischerhütte für mehrere Tage ganz schließen. 

Sehestedt und Breiholz sind geteilte Gemeinden

„Ohne Fähre könnten wir nicht einen Tag überleben“, sagt Harald Klotzbücher, Bürgermeister von Breiholz, das ebenfalls am Kanal liegt. „Ein Viertel unseres Gebiets mit den Ortsteilen Claustal und Meckelmoor sind durch den Kanal von der Gemeinde abgetrennt. Deshalb ist die Fähre Breiholz für uns von sehr großer Bedeutung“, so Klotzbücher.

Die Verkehrszahlen schwanken dabei von Fährstelle zu Fährstelle zwischen 100 und bis zu 1000 pro Tag. „Wir merken das hier bei uns sofort, wenn zum Beispiel der Kanaltunnel gesperrt wird“, berichtet Klotzbücher.

In der Regel bedienen 14 Fähren zwölf Fährstellen

Im Einsatz sind im Regelbetrieb 14 Fähren an zwölf Fährstellen – in Brunsbüttel und Schacht-Audorf verkehren jeweils zwei. 14 der 16 Fähren haben eine Tragfähigkeit von 45 Tonnen. In Brunsbüttel sind zwei 100-Tonnen-Fähren im Einsatz. Die ältesten Fähren wurden 1952 gebaut, die jüngsten 1972. 

Erfahrene Wartungs-Mitarbeiter retten viel

Die Wartung der Fähren erfolgt auf dem Betriebshof Saatsee bei Rendsburg. Dort gibt es auch ein großes Ersatzteillager für die Voith-Schneider-Antriebe der Fähren. „Obwohl die Fähren so alt sind, gelingt es den Kollegen dort immer schnell, eine Lösung für das Problem zu finden. Dazu trägt auch die große Erfahrung der Mitarbeiter bei“, sagt Matthias Visser, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau.

Ausfallzeiten von 2018 schon jetzt erreicht

Ergebnis: In 99,7 Prozent der Einsatzzeit sind die Fähren von Breiholz bis Landwehr 2018 in Betrieb gewesen. 96 Ausfallstunden weist die Bilanz für 2018 aus. Durch den jüngsten Ausfall der Fähren wurden die Ausfallzahlen von 2018 aber schon erreicht. Allein auf der Fährstelle Fischerhütte gab es fast 70 Stunden Stillstand. Um die Betriebssicherheit der Fähren möglichst hochzuhalten, hat sich die Schifffahrtsverwaltung auch von dem Ziel weiterer Personalreduzierungen verabschiedet. Das Projekt der „Ein-Mann-Fähre“ wurde wieder zu den Akten gelegt. 

2020 soll die erste Hybrid-Fähre aus Estland kommen

Am Kanal wartet jetzt alles auf die neuen Fähren. Die ersten Planungen gab es schon vor sechs Jahren. 2014 wurden die ersten 14,5 Millionen Euro für drei neue Fähren bereitgestellt, aber erst im November 2018 folgte die Bestellung. Durch Verzögerungen und die Umstellung auf Elektroantriebe kletterte das Investitionsvolumen auf 21 Millionen Euro. 

Die Fähren werden jetzt in Estland gebaut. Den Auftrag für die 30 Meter langen Fähren, die 45 Tonnen tragen können, erhielt die Werft Baltic Workboats. Klappt alles, fährt Ende 2020 die erste Hybrid-Fähre über den Kanal. 

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