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Nord-Ostsee-Kanal Frachter wird aus der Schleuse gezogen
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Frachter wird aus der Schleuse gezogen
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14:51 22.02.2018
Von Frank Behling
Der havarierte Frachter wird abgeschleppt. Quelle: Frank Behling
Kiel

Einen Tag nach der schweren Havarie in der Holtenauer Südschleuse steht jetzt die Bergung des Schleusentors im Fokus. Das rund 1000 Tonnen schwere Schleusentor war in der Nacht zum Dienstag von dem Frachter „Akacia“ gerammt und durchbrochen worden. Der 149 Meter lange und über 10000 Tonnen schwere Containerfrachter war mit dem Bug durch das Tor gefahren und schließlich darauf zum Stehen gekommen.

Bergungsexperten der Reederei Peter Döhle und der Brunsbütteler Firma Schramm war es noch am Dienstag gelungen, den Frachter durch das Abpumpen von Ballastwasser erst zu leichtern und dann mit dem Schlepper „Wolf“ wieder aus dem Tor herauszuziehen. Seitdem liegen der Schlepper und der Havarist aber in der Schleusenkammer gefangen. „Wir können das zweite Tor erst heute aufmachen.

Dann werden zwei Schlepper den Havaristen zum Voithkai im Nordhafen schleppen. Die Wasserstände auf der Förde und im Kanal haben jetzt annähernd ein Niveau“, sagt Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau. Im beschädigten Schleusentor klafft ein Loch von der Größe eines Einfamilienhauses, durch das Wasser von der Förde unkontrolliert in die Schleusenkammer läuft.

Im Laufe des Tages wollen Taucher außerdem das beschädigte Tor untersuchen. Dabei sollen vorrangig auch die 16 Tanks des Tores überprüft werden. Nur wenn diese Tanks weitestgehend intakt sind, können die Mitarbeiter des WSA das Tor noch zum Aufschwimmen bringen. Für den Ausbau wird Druckluft in die Tanks des über 100 Jahre alten Tors geblasen, die dann den Auftrieb erzeugt. Das Verfahren hatten Ingenieure beim Bau der neuen Schleusen 1912 bis 1914 entwickelt.

"Wichtig ist, dass möglichst viele Tanks und Druckluftleitungen unbeschädigt geblieben sind. Danach muss die Statik berechnet werden", sagt Visser.  Sind diese Tanks und Druckluftleitungen beschädigt, müssen sie erst abgedichtet werden. Das könnte Wochen oder sogar Monate dauern. Sind die Tanks jedoch unversehrt, könnte bereits zum Wochenende eines der beiden im Binnenhafen in Holtenau in Bereitschaft liegenden Reservetore innerhalb weniger Tage eingebaut werden.

Bei der Suche nach der Ursache für die Havarie fokussieren sich die Ermittlungen von Polizei und Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung auf die Steuerung der MaK-Hauptmaschine und des Verstellpropellers. Erste Ermittlungen der Wasserschutzpolizei hatten ergeben, dass der Frachter beim Einlaufen in die Schleuse plötzlich statt zu stoppen sehr stark beschleunigte und dabei auch die für den Kanal erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritt. Die Befragungen der Besatzung und des Losten erhärteten den  Verdacht, dass der Verstellpropeller einen Schaden hatte.

So sollen die veränderbaren Flügel des Propellers möglicherweise durch einen Schaden in der Steuerung auf die Stellung „Voll voraus“ gegangen sein, während die Einstellung der Bedienelemente auf der Kommandobrücke auf Stopp stand. Als der Kapitän und der Lotse  den Fehler bemerkten, stoppten sie sofort die Maschine und ließen die beiden Anker fallen. So konnte noch etwas Fahrt aus dem Schiff genommen werden. „Das ist etwa damit zu vergleichen, wenn man mit einem Auto auf abschüssiger Straße unterwegs ist und die Bremsen versagen“, sagt Jann Petersen von der Maklerei UCA United Canal Agency. 

Für die „Akacia“ ist die Reise in Kiel  vorerst vorbei. Das 2004 in  Hamburg gebaute Schiff hat aufgrund der Schäden am Bug von der Berufsgenossenschaft Verkehr ein Auslaufverbot erhalten. Die Hamburger Reederei des 149 Meter langen Schiffes prüft jetzt verschiedene Möglichkeiten.  Dazu gehört auch die Umladung der Container in ein anderes Schiff. Die „Akacia“ wird jedoch zunächst zum Voithkai ind en Nordhafen geschleppt. Dort wird entschieden, was mit der Ladung passiert. Das Schiff war zum Unglückszeitpunkt im Auftrag der dänischen Maersk Line mit Containern aus Bremerhaven auf der Reise nach St. Petersburg. 

Nach der Havarie ist der Schiffsverkehr am Nord-Ostsee-Kanal weiterhin behindert. Die Verzögerung für Schiffe, die Schleuse in Kiel-Holtenau zu passieren, betrug am Mittwochvormittag etwa drei Stunden, teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA) mit.

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