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Nord-Ostsee-Kanal Im Kanal kracht es am häufigsten
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Im Kanal kracht es am häufigsten
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07:00 07.08.2014
Von Frank Behling
Der Frachter „Siderfly“ (Foto) war im vergangenen Jahr mit dem Tanker „Coral Ivory“ im Nord-Ostsee-Kanal zusammengestoßen. Quelle: FB
Hamburg

In der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg klingelte es im vergangenen Jahr 316-mal. Immer dann, wenn vor der deutschen Küste ein Schiff havariert, ein Sportboot auf Grund läuft oder sich ein Unfall an Bord ereignet, muss die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung informiert werden. Meist geschieht dies durch die Wasserschutzpolizei. Die elf Mitarbeiter der Dienststelle in der Bernhard-Nocht-Straße in Hamburg rücken aber erst dann aus, wenn es sich um einen schweren Seeunfall handelt. Handelt es sich um eine leichte Kollision ohne Verletzte oder eine Grundberührung ohne Gewässerverunreinigung, wird die Ermittlung den Wasserschutz-Polizeibehörden der Länder überlassen.

 So sank die Zahl der weniger schweren Seeunfälle 2013 auf 221 (332 im Jahr zuvor). Bei den schweren Seeunfällen gab es hingegen einen Anstieg von acht auf 16. Dazu gehörten auch der Brand des Containerfrachters „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen sowie die Kollision der „Siderfly“ mit dem Tanker „Coral Ivory“ im Nord-Ostsee-Kanal. Untersucht wurde aber auch die Kollision des Frachters „Mikhail Lomonosov“, der mit nuklearer Ladung am 18. Oktober vor Rügen mit einer Segeljacht zusammengestoßen war. Da es hier aber keine gravierenden Verstöße gab, wurde das Verfahren bereits am 15. November wieder eingestellt. 14 Verfahren hingegen wurden 2013 nicht abgeschlossen und werden derzeit intensiv untersucht. Dazu gehören allein neun Kollisionen. Zusammenstöße waren 2013 auch die häufigste Unfallart. Allein 155 Kollisionen wurden der Behörde gemeldet – gefolgt von technischen Defekten an Bord, die in 40 Fällen zur Havarie führten, und 21 Grundberührungen. Ganz am Ende stehen in der Statistik sieben Fälle, in denen es an Bord eines Schiffes oder Sportbootes gebrannt hat.

 Ganz vorn dabei ist der Nord-Ostsee-Kanal. 79 Seeunfälle wurden durch die Wasserschutzpolizeireviere Kiel und Brunsbüttel vom Kanal sowie aus den Schleusen gemeldet. Die meisten Havarien waren jedoch Berührungen beim Manövrieren in den Schleusen. Drei Kollisionen auf dem Kanal wurden jedoch als schwere Seeunfälle eingestuft. Darunter die Kollision der „Siderfly“ mit der „Coral Ivory“, die auch zu einer tagelangen Sperrung des Kanals führte.

 Damit rangiert der Kanal deutlich vor der Elbe mit dem Hamburger Hafen, wo es 48-mal krachte. Weser (19 Unfälle) und Ems mit Jade (sieben Unfälle) folgen. Bei den Unfällen auf See liegt die Ostsee mit 41 Fällen vor der Nordsee mit 37 Meldungen.

 Die einzigen Todesfälle waren am 11. April 2013 bei der Strandung der Segeljacht „Meri Tuuli“ an der portugiesischen Küsten zu beklagen. Ein Segler und ein Retter starben damals. In der Berufsschifffahrt gab es keine Todesfälle.

 Der Rückgang der Havarien in deutschen Gewässern wird auch beim Havariekommando in Cuxhaven gesehen. „Das zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Lotsen, Schiffsbesatzungen und den Revierzentralen gut funktioniert. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Havarien ist das aber nicht“, sagt Michael Friedrich vom Havariekommando. Die Cuxhavener Einrichtung hatte im vergangenen Jahr sieben Einsätze. In diesem Jahr sind es bis jetzt bereits acht Einsätze. „Das liegt auch an der gestiegenen Zahl von Gewässerverunreinigungen, beispielsweise durch Paraffin“, erklärte Friedrich. Das Kommando ist nicht nur für die Bearbeitung von Unfällen zwischen Schiffen zuständig, sondern auch für die Verschmutzung der Strände durch Schiffe.