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Nord-Ostsee-Kanal Forderung nach Backup-Lösung
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Forderung nach Backup-Lösung
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20:57 28.02.2020
Von Frank Behling
Eine Softwarestörung hat den Schiffsverkehr am Freitag lahmgelegt. Erst mittags konnten wieder Schiffe ohne Verzögerungen einschleusen. Quelle: Frank Behling
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Brunsbüttel

Die Digitalisierung soll das Leben erleichtern und Abläufe schneller machen. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal sorgt die Digitalisierung der Verkehrslenkung aber immer wieder für Staus – am Freitag war es ein Software-Problem.

Mehr als 20 Schiffe lagen am Freitag stundenlang in Kiel und Brunsbüttel vor und in den Schleusen fest. Erst gegen 14 Uhr war wieder ein normaler Betrieb auf der meistbefahrenen künstlichen Seewasserstraße möglich. „Unsere Techniker mussten den Rechner ausbauen und neu aufsetzen. Erst dann lief das System wieder“, sagte Thomas Fischer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel.

Es kommt immer wieder zu Ausfällen 

Aufgetreten war der Computerfehler am frühen Morgen gegen fünf Uhr. „Das Weg-Zeit-Diagramm für die Schifffahrt wurde nicht mehr auf den Bildschirmen angezeigt“, so Fischer. Anhand dieses Diagramms werden die Passagezeiten und Positionen aller Schiffe auf dem Kanal erfasst und dargestellt.

Bis 2006 geschah das auf dem Papier mit Lineal und Bleistift. Durch die Einführung eines auf AIS-Daten von den Schiffen gestützten Systems wurde die Erstellung des Diagramms dann digitalisiert.

Seit 2014 kommt es immer wieder zu Ausfällen der Software oder des Rechners in der Zentrale. Inzwischen stoppten die Störungen nun zum dritten Mal das Einschleusen von Schiffen in den Kanal komplett, so dass die Wasserstraße über Stunden gesperrt werden musste.

Notfallplan gibt es seit vergangenem Jahr 

Nach heftiger Kritik der Lotsen wurde 2019 ein Notfallplan ins Leben gerufen. „Dieser Plan sieht vor, dass von uns Kollegen in die Verkehrszentrale gehen und die Nautiker dort unterstützen. Das ist hier dieses Mal geschehen. Mit Funkverkehr und der nötigen Erfahrung lässt sich auch sicher auf dem Kanal fahren“, sagte Martin Finnberg, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II aus Kiel.

Nach dem gescheiterten Neustart der Software ging ein Lotse der Brüderschaft NOK I in die Zentrale. „Nach drei Stunden durften dann Schiffe bis zur Verkehrsgruppe 3 in den Kanal einschleusen. Das sind Schiffe, die überall auf dem Kanal ohne Probleme passieren können“, erläutert Matthias Probst, Ältermann der Brüderschaft NOK I aus Brunsbüttel.

Bis 10 Uhr hatten sich schon auf der Kieler Förde und der Elbe rund 20 Schiffe angesammelt. Sechs dieser Schiffe gehörten zu den Verkehrsgruppen 4 bis 6. Sie durften erst ab 14 Uhr in den Kanal. „Einige Schiffe hatten fast zehn Stunden Wartezeit“, sagte Jan Klein, Geschäftsführer der Agentur UCA, die Reedereien betreut.

Forderung nach einem Ersatz-System

Und wie geht es weiter? „Wir gehen davon aus, dass die Anlage stabil läuft“, so Thomas Fischer vom WSA. Sollte es Probleme geben, ist für die Software ein Techniker vom WSA in Rufbereitschaft. „Die Kollegen stehen auch am Wochenende zur Verfügung“, so Fischer.

Angesichts des Alters der Software hoffen die Schiffsmakler inzwischen auf eine baldige  Modernisierung. „Vielleicht wäre ein neuer Computer mal ganz schön, diese Technik hat schon viele Jahre hinter sich“, sagt Jens-Broder Knudsen von der Agentur Sartori & Berger.

„Vielleicht wäre ein zweites System mal angebracht. Wenn jedes Mal für den Ausfall eines Rechners der Kanal über Stunden dicht ist, ist das auch keine Werbung“, sagte Klein. Bei kritischer IT sei der Einsatz von redundanten Systemen heute doch in großen Unternehmen Alltag. "Es würde sich für den Kanal durchaus lohnen, darüber einmal nachzudenken", so Klein.

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