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Nord-Ostsee-Kanal Kritik am Krisenmanagement
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Kritik am Krisenmanagement
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11:51 22.09.2019
Von Frank Behling
Taucherprahm mit Schwimmkran beim Einsatz an einer Torbahn in der Schleuse in Brunsbüttel. (Archivbild) Quelle: Frank Behling
Brunsbüttel

Die Besatzung des Taucherprahms "T1107" ist seit dem Sonntagmorgen an dem Problem-Tor der großen Südschleuse im Einsatz. Zuvor hatte die Leitung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel händeringend versucht, Taucher für die Untersuchung der Schienen des Schleusentores zu erreichen. 

"Wir haben keine Rufbereitschaft, dafür fehlt das Personal", bestätigte Amtsleiter Detlef Wittmüß. Taucher von privaten Firmen dürfen in den Schleusen in Brunsbüttel nicht arbeiten. "Ohne eine Sicherheitsunterweisung durch bauwerkskundiges Personal ist das nicht erlaubt", so Wittmüß.

Die Folge war am Sonnabend kurz nach 16 Uhr die Vollsperrung des Nord-Ostsee-Kanals für Schiffe mit mehr als 125 Metern Länge. Mehrere Containerschiffe, Tanker und auch zwei Kreuzfahrer drehten ab. "Unsere Kunden haben alle abgedreht. Diese Situation ist nicht hinnehmbar", so Jens-Broder Knudsen, Geschäftsführer der Firma Sartori & Berger, die Reeder am Kanal vertritt.

Versprochene Rufbereitschaft gibt es nicht

Bei den Maklern, Lotsen und Kanalsteurern sowie den Reederein ist die Stimmung schlecht. "Für uns ist das nicht verständlich. Das können wir auch keinem Reeder erklären", sagt Jan Klein, Geschäftsführer der Maklerei UCA United Canal Agency.

"Das ist auch nicht das, was uns von der Politik versprochen wurde", ergänzt Knudsen. Immer wieder waren von Bundesverkehrsministerium in Berlin zusätzliche Stellen angekündigt worden.

Doch diese Stellen wurden bislang durch die normalen Abgänge von älteren Mitarbeitern auf den Schleusen aufgefressen, wie Wittmüß bestätigt. Der Aufbau einer Rufbereitschaft sei so einfach nicht möglich. Genau das war aber von den Bundesverkehrsministern bei Besuchen am Kanal immer wieder zugesagt worden.

Kein Verständnis gibt es für dieses Krisenmanagement bei Reedern, Lotsen und Kanalsteurern. "Das ist nicht akzeptabel", sagt auch Martin Finnberg, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II aus Kiel.

"Wo ist denn die Eingreiftruppe, die uns immer zugesagt wurde? Es ist für die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt nicht hinnehmbar, dass es am Wochenende keine Rufbereitschaft für eine Eingreiftruppe gibt", so Knudsen.

Mangel an Tauchern ist das Problem

Zunächst war geplant, den Kanal bis zum offiziellen Dienstbeginn bei der Behörde am Montag für große Schiffe zu sperren. Am Sonntagmorgen gelang es aber, Taucher und Techniker zur Inbetriebnahme des Taucherprahms zu gewinnen.

Sie wollen jetzt den Fehler am elbseitigen Schleusentor finden. Das Tor der Südschleuse hatte sich am Sonnabend nicht mehr richtig öffnen lassen. Die ersten Vermutungen deuteten auf einen Gegenstand hin, der auf den Schienen des Schleusentores liegen könnte.

Angesichts der vielen Reparaturen an den über 100 Jahre alten Schleusenkammern sind die Taucher der Behörde aber bereits am Limit ihrer Arbeitszeiten. Seit Anfang September sind die Taucher in den Schleusen in Kiel und Brunsbüttel im Dauereinsatz.

Am Dienstag will sich in Kiel vor dem Nautischen Verein der Präsident der verantwortlichen Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte, bei einer Veranstaltung den Fragen stellen. Ab 19 Uhr hält er einen Vortrag zur "Aktuellen Situation auf dem Nord-Ostsee-Kanal".

Der Nord-Ostsee-Kanal ist für große Schiffe gesperrt. Grund ist der Ausfall der beiden großen Schleusenkammern in Brunsbüttel. Erstmals seit 2013 geht für große Schiffe in der meistbefahrenen künstlichen Seewasserstraße nichts mehr. Für die Fehlersuche fehlen Taucher.

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