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Nord-Ostsee-Kanal Schleusen: Massive Kritik am Ministerium
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Schleusen: Massive Kritik am Ministerium
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11:25 22.04.2018
Von Frank Behling
Die Südschleuse in Brunsbüttel ist durch einen kleinen Schaden seit Sonnabend außer Betrieb. Quelle: Frank Behling
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Brunsbüttel

„Das ist ein unhaltbarer Zustand. Es muss sichergestellt sein, dass am Wochenende auf jeden Fall für kleine Reparaturen Personal verfügbar ist“, sagt Jens-Broder Knudsen von der Initiative Kiel Canal, einem Interessenverband von Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Kommunen am Kanal.

Er sieht das Ansehen der Wasserstraße durch diese Situation in der Schifffahrt in Gefahr. „Die Kunden des Kanals hätten ja Verständnis, wenn schweres Bergungsgerät fehlen würde. Das Schlimme ist aber, Gerät und die Schiffe liegen rum. Da es keine Rufbereitschaft gibt, kommen die Besatzungen erst am Montag. Hier ist jetzt das Bundesverkehrsministerium in der Pflicht“, schimpft Knudsen.

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Der Schaden ist nur leicht

Der Schaden in der Südschleuse ist nur leicht. Da aber die gelösten Steine auf die Schienen des Schleusentores fallen könnten, müssen sie wieder zurückgeschoben und gesichert werden. „Möglicherweise kann die Schleusenkammer bereits nach ein oder zwei Stunden wieder freigegeben werden“, sagt Knudsen. Extra für solche Einsätze wurde im vergangenen Jahr der Schwimmgreifer ‚SG1353‘ mit großem Aufwand modernisiert. In Kiel wurde mit ‚Griep To II' sogar der stärkste Schwimmkran der Schifffahrtsverwaltung in Dienst gestellt. „Diese Geräte liegen jetzt rum, weil es am Wochenende keine Rufbereitschaft bei der Behörde gibt“, sagt Knudsen.

Rufbereitsschaft für Notfälle gefordert

Dem in Brunsbüttel zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt machte er jedoch keine Vorwürfe. Dieses Amt müsse endlich in die Lage versetzt werden, die Leute so zu bezahlen, dass auch am Wochenende und an Feiertagen eine Rufbereitschaft für Notfälle eingerichtet werde könne. „2013 ist uns das auch vom damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zugesagt worden“, sagt Knudsen. „Wir sehen deshalb die übergeordnete Behörde und das Bundesverkehrsministerium in der Pflicht, hier endlich zu handeln“, so Knudsen.

Sperrung hat immense Auswirkungen

Die Auswirkungen der relativ leichten Havarie vom Sonnabend auf die Kanalschifffahrt sind inzwischen immens. Auf der Elbe hatten sich am Sonntag die Wartezeiten für Schiffe bereits auf sechs Stunden summiert. „Tendenz steigend“, so Knudsen. In Kiel müssen Schiffe vier Stunden warten.

Zwei Kreuzfahrer betroffen

Neben zahlreichen Containerschiffen und Tankern sind auch zwei Kreuzfahrtschiffe betroffen. „Wir haben die ‚Viking Sea‘ auf der Elbe. Der Kapitän muss angesichts der Wartezeiten seinen Passagieren jetzt erklären, dass der Besuch in Warnemünde am Montag gestrichen werden muss“, sagt Knudsen. Die „Viking Sea“ sollte am Sonntag um 12 Uhr in Brunsbüttel einschleusen.

In Kiel ist es inzwischen fraglich, ob am Sonntagabend das Kreuzfahrtschiff „Aidacara“ in den Kanal einschleusen wird. Der Kapitän wird sich je nach Wartezeit vor der Schleuse entscheiden. Sollten die Wartezeiten sich weiter steigern, fährt das Schiff am Abend über Skagen nach Norwegen.

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