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Nord-Ostsee-Kanal Kanal: Reeder schlagen Alarm
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Kanal: Reeder schlagen Alarm
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00:17 20.12.2012
Von Frank Behling
Die dänische Reederei UNIFEEDER ist über die Zustände am Kanal entzürnt. Quelle: Frank Behling
Kiel/Hamburg

„So schlimm wie im November war es noch in keinem Monat“, sagt Timm Ulrich Niebergall, der Deutschland-Manager von Unifeeder. Auf fast 300 Stunden summierten sich die Wartezeiten allein für die Unifeeder-Schiffe im November vor den Schleusen. Die Wartezeiten verteuern den Transport, sorgen im Hamburger Hafen für Staus und belasten die Umwelt. Die Situation sei der Tiefpunkt einer fast 20 Jahre währenden Abwärtsentwicklung sagt Jann Petersen von der Maklerei UCA United Canal Agency. Die Bauwerke sind verschlissen, das Personal auf den Schleusen durch einen jahrelangen Raubbau ausgedünnt und Neubauten kommen trotz der Mittel nicht in Gang. Für den routinemäßigen Wechsel eines Schleusentores muss heute eine Schleusenkammer drei Tage außer Betrieb genommen werden. Für einen Rund-um-die-Uhr-Notdienst fehlen den beiden Kanalämtern inzwischen Elektriker, Schlosser und Ingenieure.

Unverständnis auch über den Zustand in Brunsbüttel. Zwar reiste im April Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) extra für die Spatenstichfeier an. „Geschehen ist seitdem aber nichts. Die Schifffahrt wartet dringend darauf, dass mit dem Bau begonnen wird“, sagt Petersen. Wie es schnell geht, zeigen die großen Bauprojekte in den Niederlanden und Belgien. „Für Hamburg ist der Kanal existenziell wichtig“, sagt auch Axel Mattern, Vorstand der Hafen Hamburg Marketing. Etwa zwei Millionen Container werden von Hamburg pro Jahr per Schiff via Kanal in den Ostseeraum verschifft - der gößte Teil von Unifeeder. „Wir sind mit 35 Schiffen der größten Containerfeeder-Operator in Europa“, sagt Niebergall. Rund 1750 Mal haben die Schiffe der dänischen Firma in diesem Jahr den Kanal passiert. Damit ist Unifeeder der wichtigste Kanalkunde. 5900 Euro koste immerhin die Passage für ein 800-TEU-Schiff im Schnitt. Damit wünsche man sich schon, auch Gehör bei den zuständigen Stellen von Politik und Verwaltung zu finden, so Niebergall. „Bislang jedoch ohne Erfolg“, so Niebergall.

Gewinner der Situation könnte der niederländische Hafen Rotterdam sein. Wenn Unifeeder stärker auf die Skagenroute ausweicht, ist der Wegevorteil Hamburgs als westlichster Ostseehafen dahin. „Die Kiel-Canal-Probelamtik bedroht die Wettbewerbssituation des Hamburger Hafens“, sagt Niebergall. Da der Kanal zum Kostenfaktor wird, denkt die Reederei über einen Zuschlag für Container mit Ziel Hamburg nach. Gewinner wäre dann Rotterdam, wo Unifeeder auch stark vertreten ist.

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