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Nord-Ostsee-Kanal Das Image des Nord-Ostsee-Kanals leidet
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Das Image des Nord-Ostsee-Kanals leidet
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11:44 26.09.2019
Von Frank Behling
Die Schleuse in Brunsbüttel war am Wochenende außer Betrieb. Wegen Pannen wie dieser leidet das Image des Nord-Ostsee-Kanals. Quelle: Frank Behling
Kiel

Wenn Hans-Heinrich Witte etwas gar nicht mag, dann ist es schlechte Presse zum Nord-Ostsee-Kanal. „Der Kanal braucht positive Nachrichten, negative Meldungen gab es in der Vergangenheit genug. Negative Meldungen schaden nur dem Image dieser Wasserstraße“, sagte der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt bei einer Diskussion vor dem Nautischen Verein zu Kiel.

Keine Meldungen zu Problemen am Nord-Ostsee-Kanal

Witte ist Chef der Bonner Behörde, die zwischen dem Bundesverkehrsministerium in Berlin und den Ämtern am Kanal die Fäden zieht. Seit Wochen gab die Behörde keine Meldungen mehr zu Störungen, Wartezeiten oder Reparaturen im Kanal heraus. Witte selbst hatte die Funkstille verordnet.

Auch am Wochenende gab es deshalb zum Ausfall der Schleusenkammern keinerlei offizielle Informationen an die Presse, Reeder, Lotsen und Schiffsmakler. Die Kanalverwaltung musste auf Geheiß des Präsidenten bei der Kommunikation auf Tauchstation gehen.

Lotsen kritisieren Nachrichtensperre

Dieses Vorgehen stößt in der Branche auf heftige Kritik. „Das kann doch nicht sein. Das müssen wir Lotsen dann auf der Brücke ausbaden. Der Kapitän eines Schiffes will doch wissen, was ihn erwartet, wenn er zum Kanal kommt“, kritisierte Seelotse Gerald Immens.

Auch andere Lotsen und Schiffsmakler wollten wissen, warum so wenige Informationen fließen. Nach einigen emotionalen Runden signalisierte Witte schließlich Verständnis für den Wunsch nach mehr Transparenz und sicherte zu, das Problem mit der fehlenden Information aufzunehmen.

Bauvorhaben am Nord-Ostsee-Kanal wurden vorgestellt

Zuvor hatte der Präsident in dem vollbesetzten Saal des Kieler Seglerheims fast 60 Minuten lang alle Bauvorhaben am Kanal vorgestellt: fünfte Schleusenkammer Brunsbüttel, Neubau der kleinen Schleusen in Kiel, Ausbau der Oststrecke und Ersatz der alten Levensauer Hochbrücke.

In den kommenden zehn Jahren wird entlang der 98 Kilometer langen Wasserstraße kräftig gebaut. „Alles zusammen sind wir inzwischen bei Investitionen in einer Höhe von über zwei Milliarden Euro, damit steht der Kanal gut da“, betonte Witte.

Den Wunsch nach mehr Personal für den reibungslosen Betrieb der Wasserstraße konnte Witte nachvollziehen. Die Chancen auf eine Realisierung erachtet er allerdings als eher gering. Der Kanal habe es im Vergleich zu anderen deutschen Wasserstraßen aber noch sehr gut, gab der Behördenchef zu bedenken. Aus Sicht von Hans-Hermann Lückert vom nautischen Verein hat der Nord-Ostsee-Kanal allerdings eine bessere Unterstützung dringend nötig. „Er wurde viele Jahre vernachlässigt“, kritisierte er.

Sanierung der Südschleuse in der Endphase

Für die anwesenden Fachleute hatte Witte aber auch positive Nachrichten im Gepäck. So gehen die Anfang August begonnenen Sanierungsarbeiten an der großen Südschleuse schneller als gedacht in die Endphase. Bereits gestern setzten Techniker und Taucher das fördeseitige Schleusentor ein und begannen mit dem Einbau der Reibhölzer.

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Die Kammer soll damit auf jeden Fall am Freitag wieder in Betrieb genommen werden. Seit April hatten Techniker in den beiden großen Schleusenkammern in Kiel unter Wasser 910 Muttern an den Torschienen ausgetauscht. Außerdem wurden rund 16.000 Kubikmeter Schlick aus den Schleusen gebaggert.

Schleusenkammern in Brunsbüttel wieder in Betrieb

Und auch in Brunsbüttel sind jetzt wieder die beiden großen Kammern in Betrieb,nachdem der Nord-Ostsee-Kanal am Wochenende für große Schiffe gesperrt war. Ursache für den Ausfall des Schleusentors war auch dort zu viel Schlick. „Warum sich dort so schnell so viel Schlick angesammelt hat, müssen wir noch untersuchen“, sagte Witte. Um das Sediment aus den Torkammern herauszubaggern, soll jetzt ein spezieller Bagger beschafft werden.

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