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Nord-Ostsee-Kanal „Anne Sibum“: Notstopp auf dem Kanal
Lokales Nord-Ostsee-Kanal „Anne Sibum“: Notstopp auf dem Kanal
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19:13 28.07.2014
Von Frank Behling
Der Frachter "Anne Sibum" musste am Nachmittag abgeschleppt werden. Quelle: F. Behling
Steinwehr

Die „Anne Sibum“ war kurz nach 12 Uhr unweit der Fährstelle Sehestedt unterwegs, als es ein Problem mit dem Antrieb gab. „Es gab einen Defekt, mehr wissen wir auch noch noch nicht“, sagte ein Beamter der Wasserschutzpolizei Rendsburg. Nach ersten Informationen hatte sich der Verstellpropeller nicht mehr steuern lassen. Er überträgt den Schub des Kieler MaK-Motors. Lotse, Kanalsteurer und Kapitän reagierten sofort. Die Maschine wurde gestoppt und das Schiff in der Mitte des Kanals gehalten. Mit einem Notankermanöver konnte die Schiffsführung das 150 Meter lange und rund 13000 Tonnen tragende Schiff stoppen. Genau auf der Höhe des Himbeerhofs Steinwehr kam die „Anne Sibum“ zum Stillstand. Die Besatzung des im Kielwasser folgenden Chemikalientankers „Crystal Diamond“ reagierte sofort und stoppte ebenfalls. In Königsförde, Rade und Groß Nordsee stoppte die Revierzentrale sofort die übrigen Schiffe.

„Was im Kanal passiert ist, sind Abläufe, wie wir sie im Simulator trainieren. Dort lassen sich alle möglichen Notfälle einspielen“, sagte Kapitän Stefan Borowski, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II. Zur Notfallvorsorge gehört auch die Technik an Bord. „Der Anker eines Schiffes muss im Kanal ständig bereit sein zum Fallen; das ist enorm wichtig“, sagte Borowski. In diesem Fall war es von Vorteil, dass der „Anne Sibum“ auf diesem Streckenabschnitt zwischen Königsförde und Rade kein Schiff entgegenkommen durfte.

Die Revierzentrale Brunsbüttel hatte sofort nach der ersten Meldung den Kanal in dem Bereich sperren lassen. Nur Sportboote durften an der mitten im Kanal ankernden „Anne Sibum“ vorbeifahren.

Doch dann war Warten angesagt. Drei Stunden dauerte es, bis aus Kiel die Schlepper „Holtenau“ und „Kitzeberg“ beim Havaristen eintrafen. „Das lag daran, dass die Schlepper erst durch die Schleuse in den Kanal einlaufen mussten. Im Kanal selbst gibt es keine Schlepper“, sagte Jann Petersen von der Maklerei United Canal Agency. „Es wäre natürlich eine große Hilfe, wenn es in Rendsburg für solche Fälle einen Notschlepper gäbe“, sagte Borowski. Bislang sei das aus Kostengründen aber nicht vorgesehen.

Da die Unglücksstelle östlich von Rendsburg lag, wurde die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel alarmiert. Sie schickte die Schlepper „Holtenau“ und „Kitzeberg“ los. Sie hatten die „Anne Sibum“ um 16 Uhr in die Ausweichstelle Rade gezogen und damit dem wartenden Schiffen den Weg freigemacht. Gegen 18 Uhr erreichte der Schleppzug den Kreishafen in Rendsburg, wo die „Anne Sibum“ repariert werden soll. Danach kann sie ihre Reise von Karlshamn nach Hamburg fortsetzen.

Auf dem Kanal gab es gestern aber noch weitere Havarien. Morgens musste die Fährstelle Burg gesperrt werden. Um 15.10 Uhr fiel dann auch die Kanalfähre Breiholz wegen eines technischen Defektes aus. Bis in die Nachtstunden waren dort Techniker im Einsatz. Die Fähre Burg bleibt bis auf weiteres außer Betrieb, da dort beide Anleger defekt sind.