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Nord-Ostsee-Kanal Droht eine längere Sperrung?
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Droht eine längere Sperrung?
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20:00 22.09.2019
Von Frank Behling
In Brunsbüttel ist es in den großen Schleusenkammern seit Sonnabend wieder ganz still.  Die Nord- und Südschleuse (rechst) sind außer Betrieb. (Archivbild)   Quelle: Frank Behling
Kiel

Es liegen mehrere Optionen auf dem Tisch. Nach KN-Informationen müssen am Montag nach Schichtbeginn in Brunsbüttel einige Gespräche geführt werden.  Am Sonntag war es der Leitung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel kurzfristig gelungen, Taucher und die Crew für ein Taucherschiff im freien Wochenende zu erreichen.

Die Arbeiten der Taucher haben auch zu ersten Erkenntnissen geführt. Danach liegt kein Gegenstand auf den Schienen und blockiert das elbseitige Schleusentor der großen Südschleuse. Die Taucher haben aber große Mengen Schlick im Bereich der Torbahn entdeckt. Deshalb wurde ein niederländischer Bagger kurzfristig herbeigerufen. Die "V.D.Saar SR" hat mehrere Fahrten gemacht und große Mengen Schlick aus dem Bereich abgeholt und in der Elbe verklappt.

Neue Beratungen am Montag

Jedoch gab es keine Entlastung für das Schleusentor. Deshalb wurden am Nachmittag die Arbeiten wieder eingestellt. Personal für einen 24-stündigen Reparaturbetrieb gibt es auf der meist befahrenen künstlichen Seewasserstraße der Welt nicht. "Am Montag wird beraten, wie es weitergeht", war aus dem Umfeld der Techniker zu hören.

Auch der Ausbau des elbseitigen Schleusentores und eine gründliche Reinigung der gesamten Torbahn und des Torbunkers liegen als Option auf dem Tisch. Dabei könnten auch die Torantriebe und Torunterwagen überprüft werden, die die Tore führen. Dadurch würde die Südschleuse aber vermutlich die ganze Woche ausfallen. 

 Die Schiffsmakler UCA und Sartori & Berger haben deshalb am Sonntagnachmittag bereits alle Reedereien und Kapitäne darüber informiert, dass der Kanal auf unabsehbare Zeit für große Schiffe nicht mehr passierbar ist. Betroffen sind davon in erster Linie die Häfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Mehrere Containerschiffe  mit Ladung für diese Häfen müssen kurzfristig den Fahrplan ändern und über Skagen fahren.  

Mehr als 40 Schiffe haben bereits abgedreht

Nach Auskunft der Makler haben inzwischen über 40 Schiffe abgedreht, die Mehrzahl davon große Containerfrachter und Fähren mit Termin-Ladung. "Die Reeder haben dafür überhaupt kein Verständnis", sagt Jan Klein von der Maklerei UCA aus Kiel.

"Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig eine Eingreiftruppe ist. Vor so einer Situation haben wir immer wieder gewarnt", sagt Jens-Broder Knudsen, Geschäftsführer der Maklerei Sartori & Berger.

Und auch bei den Kanalsteurern und Lotsen gibt es wenig Verständnis für das Krisenmanagement bei der Schifffahrtsverwaltung. "Wir wissen doch inzwischen, dass es meistens am Sonnabend zu technischen Störungen kommt, deshalb ist ein Notdienst am Wochenende für diese Wasserstraße extrem wichtig", sagt Matthias Probst, der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I. Auch Martin Finnberg, der Ältermann der Kieler Lotsenbrüderschaft NOK II, hat wenig Verständnis für die Situation. "Die Kollegen sind sehr beunruhigt", sagt Finnberg. 

Der Ausfall der Südschleuse in Brunsbüttel ist der jüngste Höhepunkt. Inzwischen sind von den 1895 und 1914 gebauten acht Schleusenkammern  nur noch drei einsatzbereit. Der 2012 begonnene Neubau einer Schleusenkammer in Brunsbüttel hängt inzwischen weit hinter dem Zeitplan und ist außerdem auch aus dem Kostenrahmen geraten.  

Große Hoffnungen setzen alle Betroffenen auf den Präsidenten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Am Dienst will sich Hans-Heinrich Witte den Fragen der Schiffsmakler,  Lotsen und Kanalsteurer in Kiel stellen. Abends ist dann ein Vortrag von Witte beim Nautischen Verein zu Kiel geplant. 

In der Südschleuse in Brunsbüttel sind Taucher mit der Fehlersuche im Einsatz. Wie berichtet, sind seit Sonnabend von den acht Schleusenkammern nur noch drei einsatzbereit. Fast 30 Schiffe mussten bis zum Sonntagmorgen abdrehen und den Weg um Skagen nehmen.

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