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Nord-Ostsee-Kanal Pannen im Nord-Ostsee-Kanal: Kein Personal für Notdienst
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Pannen im Nord-Ostsee-Kanal: Kein Personal für Notdienst
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09:37 26.09.2019
Von Frank Behling
Die Schleuse in Brunsbüttel. Bei technischen Störungen am Nord-Ostsee-Kanal wird es keinen Bereitschaftsdienst oder eine schnelle Eingreiftruppe geben. Quelle: Frank Behling
Kiel

Bei Pannen am Nord-Ostsee-Kanal wird es auch in Zukunft keinen Notdienst geben. „Das können wir mit dem Personalkörper nicht leisten“, sagte Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, auf einem Treffen des Nautischen Vereins in Kiel.

Sperrungen und Ausfälle schlagen auch auf die Verkehrszahlen im Kanal durch: „Ja, es gibt einen spürbaren Rückgang bei den Passagen im Vergleich zum Vorjahr“, räumt Witte ein. Allein im ersten Halbjahr registrierte die Generaldirektion ein Minus von 2,3 Prozent auf 14934 Schiffe. Ob bis zum Jahresende die Marke von 30.000 Passagen erreicht werden kann, ist fraglich. Auch bei der Ladung und der Schiffsgröße gab es bis Ende Juni ein Minus von etwa einem Prozent.

Proteste bei der Schifffahrt nach Schleusen-Störung

Am Sonnabend hatte eine Störung an einem Schleusentor in Brunsbüttel den Kanal für größere Schiffe erstmals seit 2013 unpassierbar gemacht. Da es keinen Bereitschaftsdienst in den Betriebshöfen der Schifffahrtsverwaltung gab, war es zunächst nicht möglich, Taucher und Techniker für die Reparatur der Schleusenkammern zu finden. „Am Sonntag ist es uns gelungen, Mitarbeiter zu überreden, aus ihrem verdienten Wochenende zur Schleuse zu kommen. Sie haben dabei ihre Freizeit geopfert“, so Witte.

Das hatte Kritik und Proteste bei der Schifffahrt ausgelöst. Aber Witte bleibt hart: Eine verlässliche Einrichtung einer Rufbereitschaft für Taucher, Elektriker und Schlosser wird es auch in Zukunft nicht geben. „Dafür reicht das Personal nicht“, so der Präsident.

Hoffnung auf freiwillige Einsätze der Mitarbeiter

Angesprochen auf Zusagen des Bundesverkehrsministeriums sagt Witte: „Ich weiß, 2013 wurde von dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eine Eingreiftruppe mit elf Mann zugesagt. Diese elf Mann sind aber bereits im Personalkörper aufgegangen. Das reicht nicht für einen Bereitschaftsdienst.“ Der Präsident setzt für die Zukunft auf das Engagement seiner Mitarbeiter, die im Notfall überredet werden müssten.

Der Kanal sei ein „absolutes Aushängeschild des maritimen Standortes Deutschland“, sagt Jann Petersen, Geschäftsführer der Schiffsmaklerei UCA United Canal Agency. Er fordert, dringend mehr Personal einzusetzen. Klaus-Peter Molter, Vorsitzender des Vereins der Kanalsteurer, berichtet, Probleme wie am Wochenende würden sofort spürbar. „Wir hatten etwa 60 Schiffe weniger, das lässt sich nicht ausgleichen.“ Auch Matthias Probst von der Lotsenbrüderschaft in Brunsbüttel berichtet, der Ausfall am Wochenende mache sich „sofort im Geldbeutel bemerkbar“. Dies mache die Kollegen unruhig.

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