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Nord-Ostsee-Kanal Widerstand gegen Verdi-Streik
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Widerstand gegen Verdi-Streik
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00:18 17.08.2013
Von Frank Behling
Der Frachter SCHIPPERSGRACHT musste in Suchsdorf in einer Weiche festmachen. Der Kapitän beklagte die Sicherheitsrisiken, da er keinen Schlepper bekam. Quelle: FB
Kiel

„Der Streik trifft nicht nur die Reedereien. Dieser Streik trifft auch die Kollegen bei den Unternehmen, die hier am Kanal arbeiten“, sagt Stender. Der Schifffahrtskaufmann ist zugleich Betriebsratsvorsitzender der Agentur UCA in Kiel, Verdi-Mitglied und seit gestern stinksauer auf seine Gewerkschaft. Bei den rund 70 Mitarbeitern der Agentur ist das Verständnis für die „sicher nicht unberechtigten“ Anliegen von Verdi „jedenfalls dahin“, sagt auch Nils Reinhard, Betriebsratsvorsitzender von UCA aus Brunsbüttel. Die Stimmung bei den Verdi-Mitgliedern sei gereizt. „Viele Mitglieder denken über einen Austritt nach, ich auch“, sagt Bender. Wenn keine Schiffe kommen, müssen Kollegen Zwangsurlaub nehmen oder Überstunden abbummeln.

 Stender und seine Kollegen sind entschlossen, auf der von Verdi angekündigten Demonstration zu erscheinen und gegen den Streik zu protestieren. „Ein Plakat habe ich schon. Dieser Streik muss aufhören“, fordert Stender.

 Auch bei den Kanalsteurern schwindet die Solidarität. „Ein, zwei Tage wären wir mitgegangen, viele von uns sind ja auch bei Verdi. Was da aber jetzt passiert, geht zu weit“, sagt Klaus Peter Molter aus dem Vorstand des Vereins der Kanalsteurer. Die Einnahmeausfälle der gut 100 Kanalsteurer sind inzwischen so gravierend, dass man auch schon an den Gang zum Arbeitsamt denke, sagt Molter.

 Der gestern begonnene Streik des Schleusenpersonals in Kiel hätte fast zu Havarien geführt: Der mit fast 10000 Tonnen Gefahrgut beladene Gastanker „Antarcticgas“ war zu Streikbeginn im Kanal. Beim Eintreffen in Kiel bat der Tanker-Kapitän um Schlepperhilfe, um das 160-Meter-Schiff bei dem starken Wind sicher an einen Liegeplatz zu bekommen. Doch die streikenden Schleusenmitarbeiter weigerten sich, das Schiff in den Kanal zu lassen. Nur mit knapper Not konnte der Tanker zwischen einem ebenfalls mit Gefahrgut beladenen Containerschiff und zwei Pontons an einer Bunkerstation festmachen. „Wir haben versucht, bei Verdi jemanden zu erreichen, damit zumindest aus Gründen der Sicherheit für die im Kanal befindlichen Gefahrgutschiffe eine Ausnahme gemacht werden kann. Es gab aber keine Antwort“, sagte Michael Stender von der United Canal Agency.

 Auch der stellvertretende Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, Martin Finnberg, kritisiert die aktuelle Situation. „Dass der Schleusenleitstand nicht einmal auf den Funkverkehr antwortet, ist schon ein Ding. So etwas darf nicht passieren“, sagt der erfahrene Kapitän.

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