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Nord-Ostsee-Kanal Wirtschaft appelliert an Bundesregierung
Lokales Nord-Ostsee-Kanal Wirtschaft appelliert an Bundesregierung
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19:21 11.03.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Die Schleusen in Brunsbüttel müssen dringend repariert werden - doch die Mittel dazu fehlen. Quelle: dpa (Archiv)
Kiel

 „Wir möchten Ihrem Haus anbieten, einen gemeinsamen Termin mit allen relevanten Akteuren am NOK zu organisieren“, schreibt Meyer am Montag in einem Brief. Die Angelegenheit sei dringlich, weil die internationale Seeschifffahrt die Befahrbarkeit des Kanals zunehmend in Frage stelle. Er hoffe, kurzfristig von Ramsauer zu hören, schreibt Meyer weiter.

Die beiden Minister hatten am Freitag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin miteinander über den Kanal gesprochen. Meyer hatte Ramsauer gebeten, den Zustand des NOK noch vor der Maritimen Konferenz Anfang April in Kiel zu begutachten. Ramsauer habe versprochen, diese Möglichkeit zu prüfen, hieß es.

Die Industrie- und Handelskammer zu Flensburg (IHK) hat die Bundesregierung inzwischen aufgefordert, den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) schnellstmöglich wieder befahrbar zu machen. An oberster Stelle stehe ein Paket von Sofortmaßnahmen zur Intensivierung der vorbeugenden Instandhaltung an den Schleusen sowie zum Aufbau einer geeigneten „Notfallvorsorge“, um Störungen rasch beheben und bei Schleusenausfällen die Ausfallzeiten minimieren zu können, heißt es in einer am Montag verabschiedeten Resolution.

IHK-Präsident Uwe Möser betonte, dass die Erhaltung des NOK nicht nur im Interesse der deutschen Wirtschaft liege, sondern auch eine völkerrechtliche Verpflichtung der Bundesrepublik sei. „Nicht nur wir, sondern alle Ostseeanrainer werden durch den derzeitigen Stillstand am Kanal geschwächt. Dieser Zustand muss schnellstens beendet werden“, forderte er.

Der desolate Zustand der Schleusenanlagen vor allem in Brunsbüttel sei kurzfristig nicht zu verändern, hieß es in der Resolution. Es würden etwa sechs bis sieben Jahre vergehen, bis die neue Großschleuse in Brunsbüttel betriebsbereit ist und damit die Sanierung der bestehenden großen Schleusen beginnen kann. In diesem Zeitraum seien weitere Störungen an den bestehenden Schleusenkammern zu erwarten, auf die kurzfristig reagiert werden müsse.

Seit dem Totalausfall der zwei großen Schleusenkammern in Brunsbüttel am 6. März kann der Kanal nur noch von Schiffen bis zu 125 Metern Länge genutzt werden. Damit sei die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt für die Standard-Feedercontainerschiffe derzeit nicht passierbar.

Der Kanal ist zurzeit für große Schiffe wegen defekter Schleusen gesperrt. Die Schleusensanierung und der Bau einer dringend erforderlichen fünften Schleusenkammer sind längst überfällig, aber nicht in Gang gekommen. Ramsauer hatte im April 2012 den ersten Spatenstich für die fünfte Schleusenkammer gemacht. Seitdem laufen jedoch lediglich Vorarbeiten. Jetzt will der Bund im Rahmen des Infrastrukturbeschleunigungsprogrammes in Kanal 300 Millionen Euro investieren.

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