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Ostholstein Kampf gegen die Zerstörung
Lokales Ostholstein Kampf gegen die Zerstörung
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11:13 27.05.2015
Von Dirk Schneider
Erst Flure, dann Klassenzimmer: Gebäudereiniger Philipp Gerdellebracht und sein Team sind im Großeinsatz gegen das weiße Löschpulver. Quelle: Dirk Schneider
Preetz

Auch einen Tag nach dem Vandalismus- und Brandanschlag auf die Schule am Kührener Berg stehen die Mitarbeiter noch innerlich erschüttert vor den Schäden. Zugleich laufen die Bemühungen auf Hochtouren, den Schulbetrieb möglichst schnell wieder aufnehmen zu können.

 Während die Brandermittler und Einbruchspezialisten der Polizei in bestimmten abgesperrten Bereichen noch Spuren sichern, sind zehn Gebäudereiniger mit Atemschutzmasken seit 6.15 Uhr damit beschäftigt, die von der Kripo freigegeben Bereiche zu putzen. Weil das feine und zugleich aggressive Pulver jeden Staubsauger schnell zusetze, würden alle Räume feucht gereinigt. „Feudeln, feudeln, feudeln. Jede Oberfläche wird mit einem nassen Tuch abgewischt“, betont Reinigungskräft Lucie Lucas.

 „Wir arbeiten systematisch zunächst die Flure, die Küche und dann die Unterrichtsräume von vorne nach hinten ab“, erklärt Schulleiter Holger Kaack-Grothmann. Auf diese Weise hoffe er den Schulbetrieb zumindest partiell ab Donnerstag wieder aufnehmen zu können. Dies sei auch wichtig für die 120 Schüler und deren Eltern, die derzeit besonders unter der Situation litten.

 Die Familien seien im Laufe des Sonntags mittels einer Telefonkette sowie durch direkte Ansprache des Fahrdienstes der Johanniter-Unfall-Hilfe über den Schulausfall informiert worden und hätten buchstäblich über Nacht eine Betreuung der Schüler organisieren müssen.

 „Das ist schon extreme Herausforderung für alle Beteiligten, denn unsere teilweise schwerstbehinderten Kinder haben dabei oft ganz eigene und besondere Bedürfnisse“, betont Vorsitzende der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung im Kreis Plön Kay Sedemund. (Der Verein ist zusammen mit dem Kreis Plön der Schulträger.)

 Aus diesem Grund habe man auch auf Hilfsangebote benachbarter Schulen verzichtet.

 „Wir arbeiten in kleinen Gruppen und benötigen nicht nur barrierefreie Zugänge, sondern oft auch sehr spezielle Hilfsmittel, so Kaack-Grothmann. So müssten manche Schüler mit speziellen Liftern auf die Toilette gehoben werden und andere nutzten Schreibtische mit Halterungen.

 Aus diesem Grund sei die Zerstörung des Wunderraums mit Klangbrett, Lichtsäule und einem speziellen Wasserbett durch Brandstiftung aus pädagogischer und therapeutischer Sicht eine Katastrophe. „Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben, schulen hier die Wahrnehmung ihrer Sinne“, so ein sichtlich bestürzter Kaack-Grothmann. „Dieser Raum ist das Herzstück unserer Schule. Das ist jetzt ist alles kaputt.“

 Denn während wohl auch die Sporthalle in der nächsten Woche wieder geöffnet werden könne, werde der durch giftige Rauchgase kontaminierte Wunderraum längere Zeit nicht nutzbar sein.

 Diese Zerstörungen ohne Sinn und Verstand machen uns betroffen und fassungslos“, erklärte Landrätin Stephanie Ladwig. „Gerade Schüler mit einer geistigen Behinderung benötigen Geborgenheit und Kontinuität in ihrer täglichen Routine. Dass jetzt Zerstörungen an ihrer Schule stattgefunden haben, erschüttert ihre Tagesabläufe und wird sie leider umso mehr treffen.“

 Die wahrscheinlich einfacher reparablen Schäden am Gebäude sind über die Versicherung des Kreises abgedeckt, für die Schäden am Inventar wird die Versicherung des Lebenshilfewerkes aufkommen. dsn