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Ostholstein Mit Zaun: Schloss Weissenhaus sperrt Besucher aus
Lokales Ostholstein Mit Zaun: Schloss Weissenhaus sperrt Besucher aus
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18:29 13.05.2019
Zum Gelände des Luxus-Hotels im Schloss Weissenhaus sollen Unbefugte künftig keinen Zutritt mehr haben. Quelle: HFR
Weissenhaus

Kein Zutritt mehr für Unbefugte zum Schloss Weissenhaus: Das Luxus-Resort will den bis dato öffentlichen Weg über das Hotelgelände von der Gemeinde pachten und mit einem Tor verschließen. Der Zugang soll dann nur noch mit speziellen Pässen möglich sein, die Einwohner der Gemeinde beantragen können. Die Debatte um das Thema gipfelte jetzt in einer öffentlichen Schlammschlacht: Die CDU erhebt in einem Infoblatt zur Europawahl Vorwürfe gegen Bürgermeister und Investor – Letzterer feuert mit einem elf Seiten langen Schreiben an alle Haushalte der Gemeinde zurück.

Einwohner aus Wangels können Zugangskarte beantragen

Noch führt die Parkallee als öffentlicher Weg über das Gelände des „Weissenhaus Grand Village Resort“. Jan Henric Buettner, Inhaber des Luxushotels, will den Durchgangsverkehr künftig jedoch begrenzen. Bürgermeister Eckhard Klodt (BGW) bestätigt, dass die Gemeindevertretung grünes Licht für den Bau eines Tores gegeben hat. Die Einzelheiten für einen weiterführenden Beschluss – darunter die geplante Verpachtung des Weges an die Hotelgesellschaft – würden zurzeit vorbereitet. Laut Jan Henric Buettner soll durch die Maßnahme eine größere Privatsphäre für Hotelgäste erreicht werden. Auf Dauer könne es nicht funktionieren, wenn „Touristen aus günstigeren Unterkünften ständig bei Superstars und Milliardären ins Fenster schauen“. Denn längst nicht alle Passanten würden auf dem öffentlichen Weg bleiben. Für Einwohner der Gemeinde solle es künftig gegen 30 Euro Pfand eine „Weissenhaus-Card“ geben, mit der sie das Tor passieren können. Jedem Karten-Besitzer stehe es frei, auch Besucher von außerhalb mitzunehmen. Wer allerdings vom Durchgangsweg abweiche, dem könne der „Passierschein“ auch wieder entzogen werden.

Diese Lösung sei gemeinsam mit der Gemeindevertretung erarbeitet worden, so Buettner, die Rückmeldungen aus der Gemeinde seien zu 99 Prozent positiv. Es ärgere ihn, dass „ein kleiner Kreis von Leuten nun eine persönliche Fehde auf meinem Rücken austrägt und versucht, einen demokratischen Beschluss in ein schlechtes Licht zu rücken“.

CDU kritisiert neues Tor am Eingang des Hotelgeländes

Die Rede ist von einer Kolumne in einem CDU-Flyer mit dem Titel „Wangels um ein geschlossenes Tor reicher“. Mehrfach hätten sich Bürger beschwert, dass ihnen die Nutzung der (noch öffentlichen) Parkallee untersagt worden sei, heißt es darin. Bürgermeister Eckhard Klodt (BGW) sei mehrfach aufgefordert worden, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert – ohne Ergebnis. „Vielleicht ist es für die Durchsetzung solch legitimer Forderungen nicht förderlich, wenn Familienmitglieder beim Schloss angestellt sind“, spielt der Text auf den Arbeitsplatz von Klodts Frau an, die für die Pflege des Außengeländes des Hotels zuständig ist. Auch wird die Frage aufgeworfen, warum die Pläne für das Tor nicht öffentlich diskutiert worden seien: Die BGW – die in der Gemeindevertretung die absolute Mehrheit hat – erwecke den Eindruck, als ob sie „Politik hinter verschlossenen Türen bevorzugt“.

Der politische Beschluss sei einvernehmlich gefasst worden, hält Bürgermeister Klodt dagegen, er entscheide solche Dinge nicht allein. Als Vertragsangelegenheit habe das Thema nichtöffentlich beraten werden müssen. Dass er und seine Frau nun auf persönlicher Ebene angegriffen würden, habe ihn getroffen – er wolle sich dazu aber zunächst nicht weiter äußern und habe noch nicht entschieden, wie er damit umgehen wolle.

Hotel-Inhaber wirft CDU „Lügen und Mittel unter der Gürtellinie“ vor

Während Eckhard Klodt noch mit sich ringt, hat Hotel-Inhaber Buettner seinem Ärger in einem offenen Brief an CDU-Fraktionschef Sebastian Graf von Platen-Hallermund Luft gemacht, der an alle Haushalte in der Gemeinde verteilt wurde. Darin informiert er über die geplante neue Wege-Regelung und wehrt sich gegen die Kritik der Partei. Dass das Tor am Zugangsweg verschlossen sei, sei eine glatte Lüge: Noch sei das Gelände öffentlich zugänglich. Umgekehrt wirft er Graf Platen sowie dem Prinzenpaar zu Waldeck (ebenfalls CDU) „niedere Beweggründe“ für ihr Handeln vor. Sie sprächen mit „gespaltener Zunge“ und seien mit Blick auf das Ergebnis der Kommunalwahl „schlechte Verlierer“, würden „mit Lügen und Mitteln unter der Gürtellinie“ eine private Fehde mit dem Bürgermeister „auf dem Rücken von Weissenhaus und auch gegen die Interessen der Gemeinde“ austragen.

Unterschiedliche Auffassungen innerhalb der Partei

Camilla Prinzessin zu Waldeck zeigt sich über den Tonfall „sehr verwundert“. Sie finde es traurig, dass Jan Henric Buettner die CDU-Mitglieder auf persönlicher Ebene angreife. Die Kolumne im Faltblatt sei pointiert gewesen, gibt sie zu, sei aber auch dazu gedacht gewesen, aufzurütteln. Dass Vertragsangelegenheiten nicht öffentlich beraten werden dürften, sei richtig – der Entscheidungsprozess im Vorfeld „hätte aber transparenter sein sollen“.

Der Inhalt der Kolumne wird derweil auch parteiintern kontrovers beurteilt. CDU-Gemeindevertreter Karsten Alwast spricht sich ebenfalls für eine Öffentlichkeitsbeteiligung aus, zeigt aber auch Verständnis für das Luxus-Hotel: Jan Henric Buettner habe „ein berechtigtes Interesse daran, die Anlage ein Stück weit für den allgemeinen Publikumsverkehr zu schließen“. Fraktionskollege Adriaan Collum hat sich in einem öffentlichen Post bei Facebook sogar klar von dem Schreiben des Ortsverbands distanziert und seinen Rücktritt als Beisitzer im Vorstand erklärt. Seine Arbeit in der Gemeindevertretung werde er unverändert fortsetzen.

Sebastian Graf von Platen-Hallermund will sich zu dem Thema nicht äußern. Er wolle die Debatte nicht noch weiter anheizen, sagt er. Immerhin darin ist er sich mit Jan Henric Buettner einig: Auch er habe kein Interesse daran, wie er erklärt. Er habe das Schreiben verteilt, um die Wangelser über das Thema zu informieren – „damit ist die Sache für mich erledigt“.

Jennifer Binder

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