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Plön So ist die Pflege in Zukunft zu stemmen
Lokales Plön So ist die Pflege in Zukunft zu stemmen
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06:20 06.11.2019
Von Jonas Bickel
Irmgard Stremlau leitet den AWO-Bildungscampus in Preetz. Quelle: Jonas Bickel
Preetz

Frau Stremlau, die Gesellschaft wird immer älter, doch die Pflegekräfte kommen bei der großen Zahl der pflegebedürftigen Menschen kaum hinterher. Die Folgen: schwierige Arbeitsbedingungen, Stress und Überstunden. Dem Job des Altenpflegers eilt aktuell ein schlechter Ruf voraus. Warum sollte man heute noch Altenpfleger werden?
Die Arbeit mit Menschen und das Wissen, dass es eine sinnstiftende Tätigkeit ist, sind zwei wichtige Gründe. Deswegen kommen die Auszubildenden zu uns. Die haben Lust, Gefühle wie Dankbarkeit und Emotionen zu erleben, und die haben Spaß an dem Beruf. Entgegen aller Gesetze und jeden schlechten Ruf haben wir steigende Ausbildungszahlen. Wir wissen kaum, wo wir die Schüler hinsetzen sollen. Deswegen überlegen wir, aktuell sogar aufzustocken.

Wie begründet sich dieser Ansturm? Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sind ja nicht gerade gut.Jein. Gut oder schlecht sind der Pflegeschlüssel und die Anzahl der Mitarbeiter. Wenn Sie mit den Auszubildenden hier sprechen, werden Ihnen alle sagen, dass die Arbeit an sich total klasse ist. Stress, Belastung und Schichtdienst bedeuten aber für viele eine Herausforderung. Das Problem ist der Fachkräftemangel. Durch den demografischen Wandel ist der Bedarf nach Pflegekräften riesig.

Wie kann man diesen Bedarf befriedigen?Ich favorisiere die Idee, keine ausgebildeten Pflegefachkräfte, sondern Jugendliche aus dem Ausland hierher zu holen und sie die Ausbildung machen zu lassen. Dann haben sie genug Zeit, Deutsch zu lernen und in den Pflegeberuf hineinzuwachsen. Wir haben ja ganz viele Länder mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Ich glaube, das könnte sehr attraktiv sein – für beide Seiten.

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Seit einem Jahr bietet der AWO-Bildungscampus in Preetz auch eine Teilzeitausbildung an, zum Beispiel für Mütter. Wird das Angebot angenommen?In der Altenpflege ist es tatsächlich schwierig. Wir müssen werben, werben, werben. Fast alle Einrichtungen beschäftigen schon Mütter – da wird es knapp, passende Dienstzeiten anbieten zu können. Außerdem sind wir in der Fläche verteilt. Das bedeutet, dass viele einen längeren Anfahrtsweg zur Schule haben, als es in einer großen Stadt der Fall ist. Das macht die Kinderversorgung schwieriger, die Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtungen spielen hier auch eine große Rolle.

Sie feiern dieses Jahr Jubiläum: 30 Jahre Bildungscampus in Preetz. Wie hat sich die Ausbildung zum Altenpfleger in dieser Zeit verändert?Früher beinhaltete die Ausbildung soziale Arbeit und Pflege. Damals hat man zum Beispiel gelernt, Widersprüche zu schreiben, um alten Menschen zu helfen, Geldansprüche gegenüber Sozialämtern durchzusetzen. 1995 kam die Pflegeversicherung, das war ein richtiger Schnitt. Die Pflegekassen bezahlten dann vor allem fest definierte, pflegerische Tätigkeiten, es ging weg von der sozialen Arbeit hin zum Gesundheitsberuf. 2003 wurden die Einsatzorte der Auszubildenden gesetzlich stark eingeschränkt, davor waren wir in den Ausbildungsstationen deutlich freier. Da waren die Auszubildenden im Wahleinsatz auch mal bei Bestattern oder Firmen, die Beatmungsgeräte bauen. Der Fokus der Ausbildung hat sich insgesamt verändert.

Ab 2020 gibt es eine weitere Veränderung. Dann werden die Pfleger zwei Jahre generalistisch ausgebildet und können im dritten Jahr entscheiden, ob sie sich spezialisieren – zum Beispiel im Bereich Altenpflege. Gefällt Ihnen das neue Modell?Ich finde eine generalistische Grundausbildung erst mal gut. Die jungen Leute können nach der Ausbildung in allen Bereichen der Pflege arbeiten. Außerdem freut mich, dass die neue Ausbildung im europäischen Ausland anerkannt ist. Mir persönlich gefällt nicht, dass die Kompetenzen für die Altenpflege im Nachklapp der Gesetzesbildung geändert wurden. Wenn man sich für die Altenpflege entscheidet, erlangt man laut Gesetzestext im Vergleich zu den anderen Spezialisierungen etwas weniger Kompetenzen. Tatsächlich braucht man die Kompetenzen für den Beruf des Altenpflegers aber auf jeden Fall. Da ist ein Unterschied zwischen den einzelnen Spezialisierungen gemacht worden, der sich mir nicht erschließt.

So könnten die Spezialisierung auf Altenpflege unattraktiv werden und sich mehr Auszubildende für eine andere Pflegeform entscheiden?Die Gefahr besteht, gerade weil diese Abstufung im Gesetzestext vorhanden ist. Warum wurde das gemacht? Eine Vermutung ist, dass man den Altenpflegern dann etwas weniger Gehalt zahlen kann. Aber vielleicht gibt es ja bald einen Tariflohn in der Pflege. Das würde diese Gefahr ein bisschen aushebeln.

Sie sprechen von einem Gesetz, das der Bundestag dieses Jahr verabschiedet hat. Es ebnet den Weg für einen flächendeckenden Tarifvertrag in der Branche.Das ist eine gute Maßnahme. Wenn das tatsächlich umgesetzt wird, ist es ein erster richtig guter Schritt. Die AWO setzt sich stark dafür ein.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass die Altenpflege in Deutschland zukünftig zu stemmen ist?Es geht darum, Wohn- und Arbeitsformen zu finden, die die Pflege erleichtern. Es wäre hilfreich, wenn die Kommunen die Steuerung der ambulanten Versorgung übernehmen würden. Dazu gehörte dann auch, den Pflegebedarf und die Altersstruktur in der jeweiligen Kommune zu erfassen. Man stelle sich gar vor, dass ambulante Pflege, stationäre Pflege und Krankenhaus in einer Kommune die gleiche Dokumentation verwenden und Daten gemeinsam nutzten. Hausärzte könnten die aktuelle Medikation eintragen. Was das an Anrufen, Zetteln und Briefen sparen könnte.

Digitalisierung und technische Hilfsmittel werden uns außerdem helfen, die Arbeit zu erleichtern und Zeit für die direkte Pflege zu gewinnen: Exoskelette können Rücken oder Gelenke schützen. Und warum sollte ein Großteil der Dokumentation nicht über eine mündliche Eingabe während oder nach der Pflege erfolgen? Pflegerische Beratung über Videoanrufe, die automatisierte Erfassung der Vitalzeichen bis hin zur Begleitung beim Essen wären denkbar. Wir sind noch gar nicht so weit, uns vorstellen zu können, was alles entwickelt werden wird.

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