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Plön Pastorin Gelder verlässt die Stadtkirche
Lokales Plön Pastorin Gelder verlässt die Stadtkirche
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20:00 15.05.2019
Von Silke Rönnau
Pastorin Katrin Gelder freut sich, dass so viele Menschen eine Kerze am Weltleuchter in der Stadtkirche Preetz anzünden. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Frau Gelder, was bedeutete der musikalische Ausklang für Sie?

Das war ein sehr schöner Abschluss. Die Musik in der Stadt war mir immer schon ein großes Anliegen. Deshalb passte es so toll. Ich selbst spiele ja Querflöte und Klavier und musiziere gern mit anderen zusammen, außerdem singe ich im Stadtkirchenchor. Das war ideal für die Zusammenarbeit mit dem Kantor. Gerade bei Kantatengottesdiensten kann man so die Predigt abstimmen auf die Musik.

Der musikalische Aspekt war auch ein Grund für Ihren Wechsel nach Preetz?

Ja, ich fand es toll, dass die Kirchenmusik in der Gemeinde so eine große Rolle spielt und ich sie mit den Kantoren Joachim Walter, der damals auch gerade angefangen hatte, und dann mit Julian Mallek zusammen gestalten konnte. Es war eine geistliche Gemeinschaft, in der wir gemeinsam Ideen entwickelt haben.

"In Preetz gibt es eine sehr offene Haltung gegenüber der Kirche."

Was hat Ihnen besonders gefallen?

In Preetz gibt es eine sehr offene Haltung gegenüber der Kirche. So ausgeprägt habe ich das noch nie vorher erlebt. Es war mir immer wichtig, zu den Menschen hinzugehen, nicht nur mit privaten Hausbesuchen, sondern auch beim Schusterfest oder im Sportverein.

Wo haben Sie Ihre persönlichen Schwerpunkte gesehen?

Das waren die Musik und die Seelsorge. Und die Kirche zu öffnen. So manche Idee entstand am Schreibtisch, von dem ich direkt auf den Kirchplatz blicken konnte. Da habe ich zum Beispiel gesehen, dass viele Leute in die Stadtkirche wollten, und deshalb initiiert, dass wir eine verlässlich offene Kirche haben. Inzwischen zünden im Schnitt 30 bis 40 Menschen am Tag eine Kerze am Weltleuchter in der Kleinen Kirche an. Auch die Marktmusik sonnabends ab 11.30 Uhr mit der anschließenden Kirchenführung war eine Idee von Joachim Walter und mir. Mir war es außerdem wichtig, dass es neue Formen im gottesdienstlichen Bereich gibt. Wie die geführte Stille mit dem Ton der Klangschale und genügend Raum für eigene Gedanken oder die Anleitung zum Herzensgebet, eine christliche Meditationsform aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert. Und am Konfirmandenunterricht hatte ich immer viel Freude.

Sie wollten auch auf die Menschen zugehen, um die Zahl der Kirchenaustritte zu verringern. Wie gut hat das geklappt?

Wir haben in Preetz wie überall mit Kirchenaustritten zu kämpfen. Was ich sehr schön finde, ist, dass trotzdem immer wieder auch Erwachsene neu zur Kirche finden und sich taufen lassen. Ich habe deshalb früher im Sommer extra Taufgottesdienste angeboten.

Ihr Beruf hat nicht nur schöne Seiten – Sie erfahren auch viel Schmerz und Trauer. Wie gehen Sie damit um?

Als Studentin habe ich in den Semesterferien in einem Seniorenheim gejobbt und natürlich mitbekommen, wenn jemand gerade verstorben war. So wurde mir der Schrecken vor dem Umgang mit dem Tod genommen. Und ich kenne es aus meiner Familie, dass Belastendes nie verdrängt wurde, sondern dass es zum Leben dazu gehört, sich mit negativen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Aber je älter ich werde, desto längere Pausen brauche ich, um das zu verarbeiten. Es ist schon sehr schwer, wenn man zum Beispiel einer Mutter die Nachricht überbringen muss, dass ihre 18-jährige Tochter gerade gestorben ist.

Wie haben Sie abgeschaltet?

An jedem Urlaubstag bin ich weggefahren, um Abstand zu gewinnen. Im Pastorat kann man keinen Urlaub machen, es klingelt doch immer mal jemand. Nun freue ich mich darauf, zu Hause privat sein zu können und mehr unverplante Zeit für mich zu haben.

Was werden Sie jetzt mit Ihrer Zeit anfangen?

Ich habe vor, mich ehrenamtlich zu engagieren, einmal im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der eine ganz tolle Versöhnungsarbeit für Jugendliche leistet, und im Zonta-Club, der Projekte für Frauen in anderen Ländern unterstützt. Aber erst einmal möchte ich durchatmen, zur Ruhe kommen und mein Elternhaus in Hamburg renovieren, das ich als Treffpunkt für die Familie und den Freundeskreis in die Zukunft führen möchte.

Sie kochen gerne – zum Beispiel deftigen Eintopf...

(Sie lacht) Ja, ich stehe sehr gerne für Gäste in der Küche. Und ich koche auch leidenschaftlich gerne Grünkohl. Der ist übrigens sehr bekömmlich, weil ich Senf statt Schmalz nehme.

Theologin mit Wurzeln in Hamburg

Katrin Gelder wurde 1956 in Berlin geboren und zog im Alter von viereinhalb Jahren mit der Familie nach Hamburg. Nach ihrem Abitur 1975 studierte sie in Neuendettelsau, Hamburg und Tübingen Theologie und Germanistik. Von 1980 bis 1982 arbeitete sie als Vikarin in Hamburg und danach sechs Jahre in Neuendettelsau. Ab 1988 übernahm sie für vier Jahre eine Pastorenstelle in Hamburg-Barmbek, bevor sie für zehn Jahre als Pröpstin im Kirchenkreis Alt-Hamburg tätig war. Danach wollte sie sich neu orientieren und wurde 2003 Leiterin des Ausbildungs- und Prüfungsamtes der Nordelbischen Kirche in Kiel. Für sie war aber schnell klar, dass sie wieder in eine Gemeinde gehen wollte. Als sie im Januar 2005 die Ausschreibung für die Stelle in Preetz las, bewarb sie sich. Nun verabschiedet sich die 63-Jährige aus Preetz.

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