Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Plön Mann sägt Apfelbaum um: 600 Euro Strafe
Lokales Plön Mann sägt Apfelbaum um: 600 Euro Strafe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 29.07.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Weil er einen Apfelbaum seines Vermieters fällte, muss ein Mann nun eine Geldstrafe zahlen (Symbolfoto).
Anzeige

Der Mann mietete mit seiner Familie ein Haus auf dem Lande bei Lütjenburg. Den Garten nutzten vor allem seine Kinder als Spielplatz. Bäume mochte der Mann offenbar nicht. 2016 nahm er sich den großen Baum der Sorte Boskop vor und legte ihn um, ohne das mit dem Vermieter abgesprochen zu haben. „Die Äpfel waren braun. Es waren Äste abgebrochen. Er stellte eine Gefahr für meine Kinder dar“, sagte der Mann vor Gericht. Der Vermieter habe ihnen schließlich die Gartenpflege übertragen. An dieser Stelle intervenierte der Richter zum ersten Mal: „Bäume fällen ist keine Gartenpflege. Das kann ich ihnen schon jetzt sagen.“

Der Angeklagte berief sich auch darauf, schon 2015 gemeinsam mit dem Vermieter das Fällen der Bäume besprochen zu haben. Auch des Apfelbaums. „Er hat dem zugestimmt.“

Anzeige

"Er war das Zentrum des Gartens"

Der 74-jährige Hauseigentümer klagte dem Richter nicht nur sein Leid über den gefallenen Apfelbaum. „Er war das Zentrum des Garten.“ Auch an anderen Fronten hatte der Pensionär mit seinem Mieter zu kämpfen. Der habe ihm bei Einzug verschwiegen, dass er und seine Frau zu dem Zeitpunkt arbeitslos gewesen seien. Immer wieder habe er die Miete nicht gezahlt. „Das hat mich sehr, sehr erbost.“ Insgesamt fünf Apfelbäume seien in dem Garten gefällt worden. Dazu Johannisbeersträucher, ein Schneeballstrauch.

Nachbar: Der Baum war gesund

Der 100 Jahre alten Boskop sei vollkommen gesund gewesen, so der Eigentümer. Unter der Krone habe man manches Mal mit den Nachbarn getafelt. „Ich hatte den Eindruck, dass die Äpfel dem Mieter lästig waren.“ Eine Absprache, dass in dem Garten Apfelbäume gefällt werden dürfen, habe es nicht gegeben. „Das ist absurd.“ Zur Gesundheit des Baumes sagte auch ein Nachbar aus: „Der war gesund und hat viele Äpfel getragen.“

Richter beklagt Sitzhaltung des Angeklagten

Der Angeklagte, der in kurzer Hose vor Gericht erschienen war, fühlte sich angesichts dieser Aussagen nicht wohl. Als er sich in seinem Stuhl zurücklehnte und es sich allzu sehr bequem machte, so dass seine nackten Beine über die Tischkante ragten, rügte der Richter ihn. Er solle sich vernünftig hinsetzen, ermahnte er den Familienvater. Was dieser dann auch tat.

Höhere Strafe als im Strafbefehl

Am Ende kam das Gericht zu einem klaren Urteil und stufte das Fällen des alten Apfelbaumes als Sachbeschädigung ein. Und weil der Angeklagte seine Tat nicht einsah, verhängte der Richter 60 Tagessätze zu zehn Euro. Im Strafbefehl, gegen den der Mann Einspruch eingelegt hatte, war die Strafe nur auf 50 Tagessätze festgesetzt.

Mehr Nachrichten aus dem Kreis Plön lesen Sie hier.

Hans-Jürgen Schekahn 29.07.2019
Silke Rönnau 29.07.2019
Silke Rönnau 29.07.2019