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Plön Mehr Wohnraum für weniger Einwohner
Lokales Plön Mehr Wohnraum für weniger Einwohner
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17:19 29.07.2019
Von Silke Rönnau
Die Zahl der Einwohner sinkt, das Alter steigt: Fachbereichsleiterin Yvonne-Maria Wiegner und Kreisplaner Eckart Schäfer stellen die neue Bevölkerungs- und Haushaltsprognose für den Kreis Plön vor. Quelle: Silke Rönnau
Plön

Die Einwohnerzahl im Kreis Plön wird laut Bevölkerungs- und Haushaltsprognose bis 2030 leicht zurückgehen. Trotzdem wächst der Bedarf an Wohnraum – vor allem kleine Wohnungen werden gefragt sein. Das liegt daran, dass die Zahl der über 65-Jährigen und damit der Single-Haushalte stark ansteigt.

Die Prognose, die von der Stadtentwicklungs-Gesellschaft Gertz, Gutsche, Rümenapp in Berlin im Auftrag der Kreisverwaltung Plön erstellt wurde, baut auf den Zahlen des Landes von 2016 auf. Im Gutachten wurden vier verschiedene Modelle entwickelt: Die Basisvariante von 2014 bis 2030 sei auf Wunsch der Kommunen mit den Realdaten – die Jahre 2015 und 2016 waren vom starken Flüchtlingszuzug geprägt – zu einer Basisvariante 2017 erweitert worden, erläutert Kreisplaner Eckart Schäfer.

Überschwapp-Effekte aus Kiel eingerechnet

Das dritte Szenario sieht laut Gutachten vor, dass bestimmte Städte und Gemeinden aufgrund ihrer Lagegunst (Zentrale Orte, Stadt-Umland-Bereiche, Ostseegemeinden) künftig weiter als Zuzugsziele an Bedeutung gewinnen. Und die vierte Variante berücksichtigt zusätzlich Überschwapp-Effekte aus der Landeshauptstadt Kiel in den Kreis Plön.

Vom Überschwapp-Effekt bis zu Siedlungsachsen

Überschwapp-Effekt: Die Landesprognose sieht für Kiel ein Wachstum von 16 000 Einwohnern bis 2030 voraus. Die derzeitigen Wohnungsbauvorhaben der Landeshauptstadt reichen dafür allerdings nicht aus. Deshalb geht die Bevölkerungs- und Haushaltsprognose davon aus, dass ein gewisser Prozentsatz in den Kreis Plön ziehen könnte. Vom sogenannten Überschwapp-Effekt profitiert vor allem das direkte Umland. Es wird angenommen, dass aufgrund der Wohnungsknappheit in Kiel bis zum Jahr 2030 rund 6000 Personen in den Kiel-nahen Raum ziehen. 

Wanderungsüberschüsse: Deutliche Wanderungsüberschüsse beträfen die Stadt Schwentinental, die zum Amt Schrevenborn zählenden Gemeinden Heikendorf, Mönkeberg und Schönkirchen, die Stadt Preetz sowie einige Gemeinden aus dem Amt Preetz-Land, so die Gutachter. „Das wird dazu führen, dass die zusätzlichen Wanderungsgewinne die negative Bevölkerungsentwicklung im Amt Schrevenborn vollständig kompensieren und in den Städten Schwentinental und Preetz sowie im Amt Preetz-Land reduzieren kann.“

Siedlungsachsen: Bei den Zuzugszielen bildeten sich bestimmte Siedlungsachsen heraus: die Achse von Kiel über Schönkirchen, Probsteierhagen, Prasdorf, Passade, Fiefbergen nach Schönberg, die Achse von Kiel über Mönkeberg und Heikendorf nach Laboe sowie von Kiel über Schwentinental nach Preetz und Schellhorn. Wachsende Bedeutung hätten auch die künftigen A 21-Anlieger wie Warnau, Nettelsee, Klein Barkau, Kirchbarkau, Honigsee, Großbarkau, Bothkamp, Boksee und Barmissen.

Ostsee-Gemeinden: Profitieren könnten auch Gemeinden, die direkt an die Ostsee angrenzen. Bei der Haushaltsprognose und der Bedarfsplanung sei zu beachten, dass frei werdende Häuser oder Wohnungen gerade in den touristisch reizvollen Gebieten als Zweitwohnsitz aufgekauft würden.

Die kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose soll den Kreis sowie Ämter, Städte und Gemeinden bei den Überlegungen zu einer bedarfsgerechten Wohnraumversorgung sowie Gestaltung von Leistungen und Angeboten der Daseinsvorsorge unterstützen, indem sie Erkenntnisse darüber liefert, in welchen Gebieten aufgrund der verschiedenen demografischen Entwicklungen wie Alterung, Wanderung, Geburten- oder Sterbeüberschüssen wann, wie viel und welche Art von Wohnraum benötigt wird.

Kommunen sollen mit den Varianten spielen und planen

„Sie soll dazu anregen, dass in den Kommunen diskutiert wird, sie sollen mit den Varianten spielen und planen“, erklärt Yvonne-Maria Wiegner, Fachbereichsleiterin Sicherheit, Ordnung, Bauen und Umwelt in der Kreisverwaltung Plön

Alle Varianten verließen nie den Bereich des Denkbaren oder Wahrscheinlichen, außerdem bleibe man immer im vorgegebenen Rahmen der Landesplanung. „Wenn das Land sagt, es gibt einen Rückgang, dann können wir keinen Zuwachs prognostizieren“, so Wiegner.

Aber man habe sich schon Gedanken gemacht, was entlang der neuen A 21-Achse von Wankendorf bis Kiel passiere, wie sich der Wohnungsmangel in Kiel auf den Kreis Plön auswirke und dass in den Ostseegemeinden durch vermehrte Zweitwohnungsnutzung und Zuzug von Rentnern ein erhöhter Bedarf für Neubauten bestehe. Und man habe die Vorstellungen und das Wissen in den einzelnen Kommunen abgefragt und einbezogen. „Das vierte Szenario ist das zuversichtlichste“, lautet die Beurteilung von Schäfer. 

Zahl der über 65-Jährigen steigt

„Die Kommunen haben sich gewünscht, dass diese Prognose jetzt alle zwei Jahre fortgeschrieben wird“, berichtet Wiegner. Sie bekämen ja selbst mit, dass die Bevölkerung immer älter werde. Denn die eigentliche Aussage des Gutachtens sei nicht der Ausschlag nach oben oder unten bei der Bevölkerungsentwicklung, sondern die Zusammensetzung, fügt Schäfer hinzu.

Wichtig sei dabei die Zahl der über 65-Jährigen. Es gebe Orte, die den gesamten Alterszuzug aus den umliegenden Gemeinden aufnehmen müssten. Das merkten Plön und Preetz als Städte, aber auch Zentralorte wie Wankendorf oder Selent.

Rentnerwohnheime als Lösung?

„Es ist soziologisch problematisch, weil es die älteren Menschen entwurzelt, und städtebaulich problematisch, weil wir sie mit Wohnraum versorgen müssen“, so Schäfer. Besser wäre es, wenn kleine Gemeinden in der Lage seien, Wohnraum für ihre Bevölkerung vorzuhalten. „Als ich angefangen habe, gab es in fast jeder Gemeinde noch Rentnerwohnheime, die jedoch wurden im Laufe der Zeit verkauft“, erinnert er sich. Es habe der Dorfstruktur sehr geholfen, dass die älteren Menschen vor Ort bleiben konnten. 

Um zu sehen, welche Art von Bebauung benötigt werde, sei diesmal die Haushaltsprognose neu hinzugekommen. Insgesamt bestehe ein Bedarf von 3300 Wohneinheiten. Da die Zahl kleinerer und älterer Haushalte zu- und größerer Haushalte abnehme, seien vor allem Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen gefragt, wobei man auch den bezahlbaren Wohnraum im Blick haben müsse, betont Schäfer. „Inzwischen sprechen sogar Bürgermeister über Geschosswohnungsbau, für die das vor wenigen Jahren noch gar nicht infrage gekommen wäre“, hat er festgestellt.

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