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Plön Künstler kritisieren Verhüllung
Lokales Plön Künstler kritisieren Verhüllung
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16:43 11.03.2018
Von Merle Schaack
Maler Kai Piepgras aus Heikendorf muss seine Bilder verhüllen, wenn Gemeindevertreter im Ratssaal tagen. Quelle: Ulf Dahl
Heikendorf

Anders Petersen, Vorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstler in Schleswig-Holstein, sagt: „Das hätte so nicht geschehen dürfen.“ Im öffentlichen Raum müsse die Freiheit der Kunst gewährleistet sein. Er sieht den Vorfall im Rathaus Heikendorf in einer Reihe mit Reaktionen auf Sexismus-Vorwürfe, die international für eine Zensur-Debatte sorgten.

Unter anderem wurde Anfang des Jahres das Gemälde „Hylas und die Nymphen“ von John William Waterhouse in der Manchester Gallery abgehängt. Darauf ist eine Szene aus der antiken Mythologie zu sehen, in der ein junger Mann von nackten Nymphen in einen Teich in den Tod gelockt wird.

„Eine verhängnisvolle Entwicklung“, sagt Petersen und fordert: „In einer Zeit, in der Europa-Skeptiker und Rechtspopulisten sich in unserer Gesellschaft breitmachen und Grenzen setzen wollen, brauchen wir die bildende Kunst notwendiger denn je.“ Kunst könne Regeln überschreiten und so Grenzen „null und nichtig machen“.

Kritik an Ausstellungsort

Nicht alle halten den Ratssaal für den richtigen Ort dafür. Mareike Menzel, Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Schrevenborn, sagt: „Die Frage, ob solche Bilder unbedingt im Ratssaal gezeigt werden müssen, wo sich Politiker und Zuschauer stundenlang aufhalten, kann man schon stellen.“

Sie empfinde die Bilder nicht als sexistisch, begrüße aber die Debatte. „Ich finde es gut, dass darüber gesprochen wird, wie solche Bilder auf Frauen wirken können.“ Es sei richtig, zu reagieren, auch wenn sich nur eine einzige Frau beschwere. Die Verhüll-Lösung nennt sie jedoch „ein bisschen peinlich“.

Bürgermeister bleibt bei seiner Meinung

Bürgermeister Alexander Orth (SPD) nennt die Verhüllung der Gemälde „auch eine Provokation“. An diesem Beispiel möge man darüber nachdenken, „ob wir nicht gelegentlich über das Ziel hinausschießen, wenn wir Betroffenheit reklamieren“.

Der Ratssaal sei während der Sitzungen ein Arbeitsplatz. Dort dürfe sich kein Mensch in seiner Würde beeinträchtigt fühlen. Der Idee, dass über die Verhüllung hätte abgestimmt werden können, erteilte er eine Absage. „Eine Mehrheit kann nicht darüber entscheiden, ob ein Mensch sich herabgesetzt fühlt“, sagt er und bekräftigt: „Ich würde meine Abwägung zwischen Würde des Einzelnen und Freiheit der Kunst wieder so treffen.“

Künstler über Nacht berühmt

Der Künstler Kai Piepgras erhält mittlerweile Anrufe aus ganz Schleswig-Holstein, Bilder aus Oslo und Mails aus Papua-Neuguinea, nachdem er sich öffentlich darüber beschwert hatte, dass er seine Bilder verhüllen muss. „Es rufen auch vollkommen fremde Menschen an, die mich unterstützen“, sagt er.

Seine Galeristin Anja Es nennt die Vorgänge in Heikendorf einen „absurden Angriff auf die Freiheit der Kunst“. Sie sei selbst Feministin und froh über die #MeToo-Debatte, bei der Frauen sexuellen Missbrauch und Sexismus im Alltag öffentlich machen. Sie auf die Kunst anzuwenden, sei aber falsch.

Forderung nach Ausstellungskonzept

Die SPD-Gemeindevertreterin Karla Schmerfeld hatte sich zu Wort gemeldet, weil sie sich von den Bildern, die sie als sexistisch empfindet, gestört fühlte. Sie sagt: „Es wäre hilfreich, wenn sich jemand konzeptionell um Ausstellungen im öffentlichen Raum kümmern würde.“

Dem stimmt auch Piepgras zu. „Wenn man mir vorher gesagt hätte, was ich aufhängen darf und was nicht, wäre das kein Problem, sondern gängige Praxis gewesen. Aber erst eröffnen und dann verhüllen – das geht nicht.“

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