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Plön Wehrchef Willrodt: "Wir müssen was tun"
Lokales Plön Wehrchef Willrodt: "Wir müssen was tun"
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19:16 02.10.2019
Heikendorfs Gemeindewehrführer Jens Willrodt (56) will Nachwuchssorgen in den Ortswehren mit Aktionen und einer Kinderfeuerwehr begegnen. Quelle: Nadine Schättler
Heikendorf

Die Freiwilligen Feuerwehren in Heikendorf brauchen Nachwuchs. Mit einer Aktionswoche wollten die Aktiven der Ortswehren in Alt- und Neuheikendorf vergangene Woche mehr Bürger für das ehrenamtliche Engagement begeistern. Im Interview mit Nadine Schättler spricht Gemeindewehrführer Jens Willrodt (56) über Nachwuchssorgen, gestiegene Anforderungen und die kommenden Herausforderungen.

Umgestürzte Bäume oder vollgelaufene Keller gehören zu den häufigsten Einsätzen. Wie ist das mit dem vorhandenen Personal zu schaffen?

Jens Willrodt: Wir bewegen uns insgesamt zwischen 70 und 100 Einsätzen im Jahr. Die technische Hilfeleistung nicht nur bei Starkregen und Sturm, sondern auch bei Hochwasser, Verkehrsunfällen oder Tragehilfen von Personen hat stark zugenommen. In ganz Heikendorf sind wir zurzeit 90 Aktive bei einer Sollstärke von 100. Da müssen wir etwas tun. Unser Problem ist die Tagesverfügbarkeit. Von knapp 100 Kameraden arbeiten vielleicht acht in Heikendorf. Alle anderen sind für uns nicht greifbar.

Wie wollen Sie das Problem lösen?

Wir haben einen runden Tisch ins Leben gerufen mit Mitgliedern aus der Verwaltung, Handels- und Gewerbeverein und der Ortshandwerkerschaft, um etwas zu entwickeln. Wir müssen mit den Betrieben vor Ort enger zusammenarbeiten. Außerdem überlegen wir uns, wie wir die Bürger durch verschiedene Aktionen besser ansprechen können.

Ist der Brandschutz gesichert?

Ja, klar. Ein Beispiel: Wenn die Brandmeldeanlage der Schule angeht, wird die Freiwillige Feuerwehr Schönkirchen mit alarmiert. Als weitere Rückfallebene haben wir das Munitionsdepot der Bundeswehr in Laboe. Es gibt feste Bereichsfolgen in der Alarmierung, die im Einsatzleitrechner hinterlegt sind. Wenn der Super-Gau da wäre, würde man alles nacheinander abarbeiten.

Die Feuerwehren präsentierten sich während der Aktionswoche auf dem Dorfplatz, vor dem Supermarkt, an der Schule...

Sicher, die Mitgliederwerbung war dabei der Grundgedanke. Wir müssen die Menschen direkt ansprechen, für uns werben, neugierig machen auf Feuerwehr, auf Kameradschaft, auf Gruppenleistung und auch ein bisschen daran appellieren, dem Ort etwas zurückzugeben.

Was hat die Aktionswoche gebracht?

Wir haben noch nichts Zählbares. Grundsätzlich haben wir die ganz jungen Leute ab 18 Jahren aufwärts nur schwer erreicht. Einfacher war es bei den 40-Jährigen, besonders wenn sie schon einmal in der Feuerwehr waren, und jetzt nach Heikendorf ziehen wollen. Einmal Feuerwehr ist immer Feuerwehr. Ich betrachte uns auch als eine Familie.

Warum ist die Bereitschaft weniger geworden?

Das Freizeitverhalten der Menschen ist heute ein anderes. In Gesprächen hören wir oft: Wir haben keine Zeit, Familie, einen Beruf. Und es ist ja nicht nur alle 14 Tage einmal Feuerwehr. Die Ausbildung ist zeitintensiv. Außerdem haben wir nicht immer günstige Arbeitszeiten im Einsatzfall.

Sie wollen im März 2020 eine Kinderfeuerwehr gründen. Was versprechen Sie sich davon?

Unsere Jugendarbeit steht oft in Konkurrenz zu Sportvereinen oder anderen Angeboten, weil die Kinder dort ganz früh aktiv werden können. Mit unserer Kinderabteilung für Sechs- bis Zehnjährige wollen wir die Mädchen und Jungen ansprechen, bevor sie sich anders orientieren. Das neue Konzept stellt Spiel, Spaß und Sport in den Vordergrund. Sicherlich gibt es auch Brandschutzerziehung: Wie setze ich einen Notruf ab? Wie zünde ich eine Kerze richtig an? Gerade im frühkindlichen Alter ist die Begeisterung für die Feuerwehr groß. Die Herausforderung für die Betreuer wird es sein, diese Flamme am Brennen zu halten.

Im Video: Die Feuerwehr Heikendorf

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Die Bürger durften Namensvorschläge einreichen. Wie wird die Gruppe heißen?

Feuerfische. Das war ein anonymer Vorschlag, der uns am besten gefallen hat, weil wir den Fisch im Heikendorfer Wappen und somit einen Bezug zur Gemeinde haben. Das FF im Namen steht natürlich auch für Freiwillige Feuerwehr.

Wenn die Lütten die Wehr nicht retten können: Wird es eine Verpflichtung geben?

Das wäre für alle die schlechteste Lösung. Deswegen müssen wir als Feuerwehr zusammen mit der Gemeinde ganz intensiv daran arbeiten, dass das alles auf freiwilliger Basis geschieht. Wir sind in Heikendorf technisch sehr gut ausgestattet, damit kann man Lust auf die Feuerwehr machen. Professionalität ist auch wichtig, damit wir Einsätze vernünftig abarbeiten und Menschenleben retten können. Wenn wir uns am Ende eines Einsatzes gegenseitig auf die Schultern klopfen können, dann hat sich der ganze Aufwand für alle gelohnt. Da zehrt eine Feuerwehr lange von.

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Von Nadine Schättler

Bilder: Sehen Sie historische Fotos der Feuerwehr Heikendorf

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