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Plön Das Land lässt Senioren nicht mitfahren
Lokales Plön Das Land lässt Senioren nicht mitfahren
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07:02 09.05.2018
Von Hans-Jürgen Schekahn
Bürgermeister Klaus-Peter Klasen und seine Helmstorfer Amtskollegin Birgitta Ford (Mitte) schütteln über die Bürokratie nur den Kopf. Leidtragende ist Karla Fischer, die derzeit nicht mit dem Bürgermobil fahren darf. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Högsdorf/Kletkamp

Seit Herbst 2015 läuft das mobile Projekt im östlichen Teil des Amtes Lütjenburg. Die ehrenamtlichen Fahrer holten anfangs die älteren Mitbürger auch in Högsdorf und Kletkamp ab und brachten sie zum Einkaufen nach Lütjenburg. Das durften sie solange, bis im Sommer 2017 ein neues Bürgermobil mit Stromantrieb angeschafft wurde. Die Aktivregion zahlte dafür einen Zuschuss in Höhe von 18000 Euro. Dumm nur: Högsdorf und Kletkamp waren nicht Mitglied der Aktivregion, die Gelder aus der EU verteilt. Die Folge: Die Senioren der Orte dürfen nicht mehr mitfahren. Die Fahrer müssen seitdem sogar Fahrtenbücher führen, um zu dokumentieren, dass sie auf keinen Fall Högsdorf und Kletkamp ansteuern. Ansonsten würde die Aktivregion (im Auftrag der EU) die Zuschüsse zurückfordern.

Auch kleine Dörfer müssen eine Entwicklungsanalyse vorlegen

Dann holen wir das mit der Mitgliedschaft einfach nach, dachten sich die Bürgermeister Klaus-Peter Klasen und Bertram Graf von Brockdorff (Kletkamp). In diesem Moment traf der gesunde Menschenverstand auf die Bürokratie der EU und Landesverwaltung. Högsdorf (400 Einwohner) und Kletkamp (80) mussten eine Entwicklungsanalyse für ihre Ortschaften in Auftrag geben inklusive Bürgerversammlung. Darin sollte nachgewiesen werden, dass sie von der Bevölkerung her zur Aktivregion Ostseeküste und zu den Orten wie Tröndel, Behrensdorf oder Klamp (sind Mitglieder) passen. Wer hätte daran überhaupt gezweifelt?

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Als alle Unterlagen nun fertig waren, reichten die beiden Gemeinden ihre Anträge ein. Das geschah am 12. Oktober 2017. Die Anträge liegen seitdem bei Landesbehörden. Wann die Prüfung zu Ende ist, steht nicht fest.

Rentner in Högsdorf und Kletkamp betroffen

Das trifft Rentnerinnen wie Karla Fischer (81) aus Högsdorf. Fast jede Woche sei sie früher vom Bürgermobil abgeholt und nach Lütjenburg zu Arzt, Fußpflege oder Friseur gefahren worden. Zum Schluss gab es eine Tasse Kaffee zusammen mit den anderen Fahrgästen. Es ist schwer für die Seniorin, jetzt ihre Besorgungen zu erledigen. Die Kinder sind berufstätig und können sie erst abends fahren. Seit neun Monaten darf sie nicht mehr mit dem Bürgermobil mitfahren. „Es tut uns so leid“, sagt Gesa Ford, Bürgermeisterin von Helmstorf, die das Projekt initiierte und die gute Seele des Fahrbetriebes ist. Sie bedauert Betroffene wie Karla Fischer. Das strombetriebene Bürgermobil habe sogar einen Preis bei der Energieolympiade bekommen. „Und jetzt dürfen die aus Högsdorf und Kletkamp nicht mehr mitfahren.“ Die lange Dauer des Beitrittsverfahrens zur Aktivregion findet sie „unglaublich“. Sie könne auch nur den Kopf schütteln, dass ein Fahrtenbuch geführt werden muss.

Innenministerium spricht von "Qualitätsmängeln"

Das Innenministerium erklärt die Verfahrensdauer mit „erheblichen Qualitätsmängeln“ der eingereichten Unterlagen, die weitere Abstimmungen notwendig werden ließen. Dem Fachreferat im Innenministerium liegen die Anträge seit dem 12. April vor.

Der Vorsitzende der Aktivregion, Sönke Körber, wehrt sich gegen den Vorwurf, die Anträge ungenügend formuliert zu haben. Bei den Nachfragen des Landes ging es unter anderem um die Zahl der Arbeitsplätze im Kreis und wann die Namen der Gemeinden in die Satzung aufzunehmen sind.

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