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Plön Catherin Seib, die Pferdeflüsterin
Lokales Plön Catherin Seib, die Pferdeflüsterin
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13:19 02.06.2019
Von Thorsten Geil
Catherin Seib ist Tierkommunikatorin. Sie spricht mit Pferden und bildet Menschen darin aus. Hier ist sie mit ihrem Pferd Milan zu sehen. Quelle: Thorsten Geil
Tasdorf

Wenn Catherin Seib arbeitet, schließt sie gern die Augen und liest wie in einem guten Buch. Dann legt sie eine Hand auf den Hals ihrer Stute Mouna (14), senkt den Kopf und hört genau hin. Mouna erzählt ihr dann, ob sie heute ausreiten möchte oder nicht, ob es ihr gut geht, dass sie ein Fohlen möchte. "Wir verstehen uns blind", sagt Catherin Seib (38) und lächelt. Die Unterhaltung geschieht meistens wortlos.

Weil sie Tiere schon immer liebte und gut mit ihnen umgehen konnte, machte sie eine Ausbildung als Zootierpflegerin im Wildpark Schwarze Berge. "Ich war in keiner Weise spirituell angehaucht oder gar esoterisch. Eine Nachbarin erzählte mir von Tierkommunikation. Das fand ich totalen Quatsch, aber ich habe aus Neugier einfach mal einen Kursus gebucht. Ich wollte mir beweisen, dass das nicht geht", erzählt sie.

"Ich habe mich mit Pferden, Eseln, Hunden unterhalten"

Dummerweise klappte es auf Anhieb. Die Anleitung war gut, und sie verstand sofort, was die Übungstiere in dem Seminar ihr sagen wollten - und umgekehrt. Also buchte sie den Aufbaukurs, immer noch mit dem Ziel zu scheitern. "Ich wollte es immer noch nicht glauben. Aber es ging immer besser. Ich habe mich mit Pferden, Eseln, Hunden unterhalten", sagt sie.

Es funktioniert auf Basis der Telepathie

Tierkommunikatoren erklären ihre Fähigkeit so: Das Gespräch funktioniert auf Basis der Telepathie, also Gedankenübertragung. Klingt verrückt für Menschen mit klassischer Denkstruktur, funktioniert nach Darstellung vieler Pferdeflüsterer aber wirklich. "Viele Menschen kennen den Effekt, dass man nach langer Zeit einen alten Freund anruft und der sagt: ,Ich habe auch gerade an Dich gedacht’.

Andere Menschen fühlen einfach, wenn es einem weit entfernt lebenden Angehörigen schlecht geht. Das ist ebenfalls Telepathie", sagt Catherin Seib.

"Ich habe heimlich Insekten für die Eule gefangen"

Als sie nach dem zweiten Seminar wieder zur Arbeit in den Wildpark kam und sich um die Hirsche in ihrem Revier kümmerte, übte sie heimlich weiter. Die Hirsche erzählten ihr ohne Worte, dass sie sich nicht wohl fühlten, weil zu viele Tiere im Gehege waren. Eine Eule klagte ihr, dass sie lieber Insekten fressen würde als die toten Mäuse, die die Pflegerin ihr täglich vorsetzte. "Ich bin dann heimlich auf die Wiesen gegangen und habe Insekten für die Eule gefangen", sagt sie.

Trotzdem wurde sie unglücklicher, je mehr die Tiere ihr erzählten. "Mit Zootieren zu sprechen, bedeutet auch, zu wissen, was sie brauchen. Mir wurde klar, dass ich nicht ewig so arbeiten konnte."

Catherin Seib aus Tasdorf ist Pferdeflüsterin und bildet Menschen in Tierkommunikation aus. Sie spricht mit den Tieren.

Nach der Ausbildung und einer Zeit als Revierleiterin ging sie als Betriebsleiterin auf ein Gestüt. Die Arbeit mit Pferden machte ihr Spaß, aber die Erfahrung war dieselbe: Die Pferde mussten dort funktionieren, waren aber nicht glücklich. Catherin Seib wurde ebenfalls unglücklich und ging.

Sie fing bei einem Tiertrainer an, der Hunden oder Eseln für Film-Szenen einen bestimmten Trick beibrachte. "Da passierte mir das Gleiche. Ausgerechnet einem Hund mit Höhenangst sollte ich beibringen, auf einer Leiter zu balancieren."

"Mit Tieren zu reden – das klang nicht wie die beste Geschäftsidee"

2008 warf sie den festen Job hin und ging aus Verzweiflung in die Arbeitslosigkeit, schloss die Ausbildung zur Tierkommunikatorin ab. Der Plan, sich selbstständig zu machen, musste aber noch eine Weile in ihr reifen: "Mit Tieren zu reden - das klang für Bekannte und das Arbeitsamt nicht wie die beste Geschäftsidee, aber 2009 habe ich es dann einfach gemacht."

In sozialen Netzwerken wird sie oft beschimpft

Diesen Schritt hat Catherin Seib nie bereut. Sie arbeitet so mit Tieren und Menschen, wie es ihrer Denkweise entspricht – und das ist auch gut für ihr eigenes Seelenheil. Ihre Firma „Tierisch Verstehen“ ist rasant gewachsen. Sie bietet Menschen an, mit deren Tieren Kontakt aufzunehmen, Fragen zu stellen und die Antworten zu dolmetschen. Das funktioniert nach ihrer Erfahrung sogar, wenn sie nur ein Foto vorliegen hat. "Das klingt für viele Menschen merkwürdig. Ich werde in sozialen Netzwerken auch oft beschimpft und als Scharlatanin beleidigt", sagt sie.

Seit Jahren gibt Catherin Seib auch Kurse und hat sich mittlerweile ganz auf die von ihr konzipierte Pferdeflüsterer-Ausbildung spezialisiert. Weit mehr als 200 Kurse hat sie in den zehn Jahren gegeben, Tausende von Tiergesprächen geführt. Jeder könne lernen, mit Tieren zu sprechen; man müsse sich nur darauf einlassen und lernen, sich selbst zu trauen.

Bis 2020 sind ihre Kurse ausgebucht

Vor zwei Jahren hat die Unternehmerin auch endlich den richtigen Ort gefunden. In Tasdorf (Kreis Plön) bei Neumünster lebt sie mit ihrer Stute Mouna und dem Wallach Milan (21) auf einem Hof und bietet ihre Seminare an. Davon kann sie gut leben, ist bis 2020 ausgebucht. Die dreiteilige Ausbildung kostet die Teilnehmer immerhin über 4100 Euro.

Stute Mouna hat das mit dem Fohlen übrigens in vielen Gesprächen mit ihrer Halterin durchgesetzt. Gemeinsam haben sie einen schönen schwarzen Hengst ausgesucht. Da die Stute keinen Körperkontakt mit einem fremden Hengst wollte, ließ Catherin Seib den Tierarzt kommen. Nach zwei Fehlversuchen mit künstlicher Besamung fragte sie ihre Stute, ob der berechnete Termin für die fruchtbaren Tage eigentlich stimmt. Nein, antwortete das Pferd, der Tierarzt soll ein paar Tage früher kommen. Nun kommt Anfang Juni das Fohlen zur Welt. Mouna freut sich schon.

Tierkommunikation / Tierheilkunde

Tierärzte und andere Wissenschaftler schütteln nur den Kopf, wenn sie von Tierkommunikation und sogenannter alternativer Tierheilkunde hören. Natürlich können Menschen und Tiere nicht – im herkömmlichen Sinne – miteinander sprechen. Kritiker verdammen die Tierkommunikation in den Bereich der Esoterik.

Unbestritten ist, dass Menschen und ihre Tiere sich oft extrem gut kennen und einander "verstehen". Hunde beispielsweise sind Meister darin, ihre Menschen zu "lesen", ihre Stimmung zu erspüren und entsprechend zu reagieren - sei es mit Freuden- oder mit Beschwichtigungssignalen, mit freundlicher Annäherung oder dezentem Rückzug.

Dr. Johannes Frahm aus Wasbek, Leiter der größten Tierklink in Mittelholstein, verdammt Tierkommunikation nicht völlig. "Als Schulmediziner glaube ich nicht, dass man mit einem Tier über das Wetter sprechen kann, wie wir Menschen das tun. Aber wenn man sehr einfühlsam ist, kann man beispielsweise Pferde sicherlich mit Verhalten und Worten beeinflussen", sagt Frahm. Er selbst habe auch schon gehört, dass Pferdehalter mit der Hilfe von Tierkommunikatoren erstaunliche Erfahrungen und Erfolge mit ihren Tieren hatten.

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