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Plön Pastor Pfeifer, wurde Luther verramscht?
Lokales Plön Pastor Pfeifer, wurde Luther verramscht?
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14:29 30.10.2018
Von Silke Rönnau
Pastor Christoph Pfeifer (rechts) und Bürgermeister Björn Demmin gestalten am Reformationstag eine Dialog-Predigt. Quelle: Silke Rönnau
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Preetz

Herr Pfeifer, was steckt hinter der Idee dieser besonderen Form der Predigt?

Christoph Pfeifer: Hintergrund war, dass die Kirche im vergangenen Jahr zum Luther-Jubiläum voll war. Da können wir jetzt nicht zur normalen Tagesordnung übergehen. Deshalb habe ich Bürgermeister Björn Demmin gefragt, ob er zu einer Dialog-Predigt bereit ist. Ich habe ihn quasi überrumpelt, weil ich dachte, Kirche und Stadt könnten zum ersten Feiertag ein Zeichen setzen.

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Herr Demmin, haben Sie sich gerne überrumpeln lassen?

Björn Demmin: Es ist das erste Mal ein staatlicher Feiertag. Auch für mich ist es wichtig, dass man das ins Bewusstsein der Bürger bringt. Ich wurde schon beim Schusterfest-Gottesdienst oder bei Lesungen mit einbezogen – nun ist es der nächste Schritt, dass ich die Predigt mal mitgestalte. Da ist auch ein großes Stück Neugier dabei. Mir war es wichtig, dass das Thema nicht nur kirchlich ist, sondern auch einen deutlichen Bezug zu meiner Ebene hat, sonst macht es ja keinen Sinn.

Verraten Sie schon vorher, über welches Thema Sie sprechen?

Pfeifer: Der lutherische Grundgedanke ist die Freiheit eines Christenmenschen. Diese Freiheit hat zur Folge, dass wir auch von unserem Glauben dieser Leistungsdruckgesellschaft etwas entgegensetzen können. Viele denken: Leiste was, dann bist du was. Luther hat sich auch so gequält: Ich muss ganz viel leisten, um von Gott anerkannt zu sein. Irgendwann hat er begriffen, das ist genau umgekehrt: Ich bin von Gott anerkannt und weil ich diese Freiheit habe, kann ich daraus eine Energie entwickeln. Es geht ums Stichwort Entschleunigung. Man braucht auch Ruhepausen und muss die Gelegenheit bekommen, aus diesem Hamsterrad rauszutreten. Dafür ist der Feiertag ein Geschenk.

Was ist vom Jubiläumsjahr 2017 bei Ihnen hängen geblieben?

Demmin: Für mich als stinknormaler Bürger ist es der Feiertag. Das ist schon mal viel. Man sollte nicht zum Tagesgeschehen übergehen, sondern das tatsächlich als Geschenk betrachten. Der Gedanke der Reformation war für uns als Gesellschaft enorm wichtig. Das muss nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern immer wieder bewusst gemacht werden.

Pfeifer: Ein ganz großer Ertrag ist das neue Bewusstsein, dass wir vieles auch ökumenisch gestalten. Der ökumenische Kreis, der sich in Preetz gebildet hat, bleibt zusammen. Ein weiterer Erfolg ist, dass sich Menschen über Bibelübersetzungen ganz neue Gedanken gemacht haben, beim Interesse an der Bibel hat es noch mal einen Schub gegeben. Ein weiterer Erfolg ist, dass die Kirchengemeinden gemerkt haben, wir gewinnen Menschen, wenn wir mit vielen etwas gemeinsam gestalten.

Kommen denn jetzt mehr Menschen zu den Gottesdiensten?

Pfeifer: Nein, und das Lutherjubiläum hat auch die Austrittsbewegung nicht gestoppt. Das ist vielleicht eine ernüchternde Erkenntnis, die uns aber gleichzeitig nicht davon abhält, mit unserem intensiven „Kirche gestalten“ in Preetz weiterzumachen. Durch das Lutherjahr wurde Kirche in ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung in den Mittelpunkt gerückt. Aber wir werden nicht die Menschen in Massen zurückgewinnen. Es ist in den Gottesdiensten wieder Normalität und Alltag eingekehrt. Bei neuen Angeboten besteht aber durchaus mehr Interesse.

Demmin: Neue Wege sind enorm wichtig. Der klassische Gottesdienst aus meiner Jugend hat sich geändert, es wird lockerer und offener. Das ist die richtige Richtung.

Pfeifer: Und es ist die richtige Richtung, andere mit zu beteiligen. Die Zeiten, dass der Pastor da vorne allein steht, sind vorbei. Wenn wir in der Gesellschaft eine Rolle spielen wollen, dann gelingt es nur, wenn wir Menschen zur Mitwirkung einladen.

Über eine Million Mal hat sich die Lutherfigur von Playmobil verkauft, es gab Badeenten, Socken, Ausstechformen, Handyhüllen oder Schneekugeln mit dem Reformator. Wurde Luther verramscht?

Pfeifer: Ja, das fand ich völlig übertrieben. Solche Dinge bleiben irgendwo liegen oder werden weggeschmissen. Eine anständige Luther-Bibel oder die Idee, über einen Text nachzudenken, das geht nicht so schnell verloren. Auch die Gedenkmünze ist etwas anderes, wir haben zum Beispiel eine mit in die neue Kirchturm-Kugel gelegt. Dann wissen die Menschen in 100 Jahren, da war mal was Besonderes. Viele Dinge sind verpufft, aber das Inhaltliche, die gesellschaftliche Bedeutung, das Miteinander – da hat man einen Weg eingeschlagen, den gehen wir auch weiter.

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