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Plön Große Liebe für kleine Briefmarken
Lokales Plön Große Liebe für kleine Briefmarken
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17:19 06.08.2019
Von Silke Rönnau
Beim Blick durch die Lupe zeigen sich kleine Druckfehler oder Farbänderungen. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

„Letzten Endes ist es ja nur ein Stück Papier“, sagt Ernst Schöning. Gleichzeitig leuchten seine Augen, während er auf die kleinen Papierrechtecke hinunter blickt. Schon in seiner Jugend hat ihn die Faszination für Briefmarken gepackt.

„Als Kind habe ich die Marken von den Postkarten abgerissen, nicht abgelöst – da war so manches dabei, wo man heute sagt: schade“, erinnert sich der 82-Jährige schmunzelnd. Aber es konnte ihm auch niemand aus der Familie zeigen, wie es besser geht, denn er war der Einzige mit diesem Hobby.

Schon als Jugendlicher legte er Steckalben an

Ernst Schöning, der heute in Preetz lebt, wuchs in Schönkirchen auf. Er hätte gerne Handball gespielt, aber das wurde damals nicht angeboten. Andere Hobbys reizten ihn nicht, sodass er sich voll auf die Briefmarken konzentrierte und seine Steckalben anlegte. Er sammelte, bis er mit der Berufsschule anfing. Dann wurde die Zeit immer knapper, vor allem, als er eine Familie gründete.

Erst mit 45 Jahren fand er zu seiner Leidenschaft für Briefmarken zurück, sammelte professioneller, wälzte Kataloge und trat in Vereine in Kiel und Eutin ein, bevor er schließlich zu den Preetzer Philatelisten kam. Der Verein gründete sich 1988, sieben Jahre später übernahm er das Amt des Vorsitzenden, das er bis heute ausübt.

Die Männer sind unter sich

In seiner besten Zeit hatte der Verein 56 Mitglieder, darunter auch mal drei Frauen. „Im Großen und Ganzen sind aber die Männer bei diesem Hobby unter sich“, stellt er fest. Auch wenn unter seinen rund 50 Tauschfreunden per Post auch mehrere Frauen sind.

Zehn Sonderstempel wurden herausgegeben, mehrere Großtauschtage veranstaltet. „Das Sammeln von Briefmarken ist bei der heutigen Jugend aus der Mode gekommen“, bedauert er. Zurzeit hat der Verein zehn Mitglieder, die sich jeden zweiten Freitag von 18 bis 20 Uhr im Vereinsheim „Zur Linde“ der Freien Turnerschaft, Kührener Straße 144, treffen. Die nächsten Termine nach der Sommerpause sind am 13. September, 11. Oktober und 8. November.

"Man lernt viel über die Länder dieser Erde"

Anfangs hatte Schöning noch weltweit geschaut. „Man lernt dabei viel über die Länder dieser Erde“, erzählt er. So hat er auch mal einen Vortrag über die Marshallinseln gehalten, deren Marken er ebenfalls sammelte. Unter anderem habe er einen Umschlag vom Luftwaffenstützpunkt besessen, von dem das Flugzeug startete, aus dem die erste Atombombe der US-amerikanischen Kernwaffenversuche auf das Bikini-Atoll geworfen worden sei.

„Heute mache ich nur noch Deutschland“, sagt er. Das sei sonst einfach zu viel. Allein dafür brauche man 40 Alben. „Von den Anfängen um 1870 bis heute habe ich so ziemlich alle.“

Er arbeite jeden Tag damit. Er löse Briefmarken von Umschlägen und Postkarten ab, die er von seinen Tauschfreunden oder anderen Spendern bekomme, sortiere sie, kontrolliere, ob die neue Marke eventuell einen besseren Stempel habe als die, die schon im Album steckt, und packe den Rest in sein Tauschalbum. „Jeder hat eine Fehlliste“, sagt er. Dann werde gezielt nach der Marke gesucht, um die Lücke zu füllen.

Mit der Lupe auf der Suche nach Druckfehlern

„Mit einer guten Lupe kann man erkennen, wenn die Rasterung oder die Farbe etwas anders sind“, erklärt er. Es gebe auch Druckfehler, die sie scherzhaft als „Fliegenschiss-Sammlung“ bezeichnen. Die lägen im Wert mindestens um das Zehnfache höher.

Reichtümer könne man mit der Sammlung allerdings nicht anhäufen: Während man Briefmarken früher schon mal als „Aktie des kleinen Mannes“ bezeichnet habe, hätten die Postwertzeichen seit Jahrzehnten stark an Wert verloren. Deutsche Briefmarken würden in millionenfacher Auflage auf den Markt geworfen. Die Chance, dass sie langfristig im Wert stiegen, sei gleich Null.

Wie eine Reise in eine alte Zeit

Aber das sei auch nicht wichtig, es sei einfach ein schönes Hobby, betont Ernst Schöning und greift wieder zu Lupe und Pinzette, um sich einzelne Motive genauer anzuschauen. „Es ist ein bisschen wie eine Reise in eine alte Zeit“, meint er.

Mehr aus der Serie "Die Letzten ihrer Art"

Lesen Sie in der Serie "Die Letzten ihrer Art" auch mehr über

- die junge Handweberin Marie Kopiske, die sich gerade mit einer Werkstatt in Preetz selbstständig gemacht hat,

- den Sandregenpfeifer im Naturschutzgebiet Kleiner Binnensee in Behrensdorf, der so klein wie ein Spatz und so mutig wie ein Löwe ist,

- den VW-Käfer "Karl" aus Dannau, der mit seiner seltenen Farbe "Ravenna Grün" sofort ins Auge fällt,

- und den Tonbandgeräte-Sammler Alfred Fleischhauer aus Plön, der sich um die alten Schätzchen mit den drehenden Spulen kümmert.

Ernst Schöning und seine Liebe zu den Briefmarken

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