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Plön Holzschuhe aus Preetz erobern die Welt
Lokales Plön Holzschuhe aus Preetz erobern die Welt
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06:52 12.08.2019
Von Silke Rönnau
Lorenz Hamann fertigt nur noch ein Paar pro Tag an. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Im Hinterhof des historischen Hauses führen ein paar Stufen hoch zum Büro. Lorenz Hamann sitzt vor dem Computer und nimmt Bestellungen entgegen. „Mein Vater würde die Welt nicht mehr verstehen“, sagt er schmunzelnd und erzählt, dass die Schuhe in die ganze Welt gehen. Selbst Aborigines aus Australien laufen in Schuhen aus Preetz. „Für uns mit dem exotischen Beruf ist das Internet super“, schwärmt der 78-Jährige.

Als die Werkstatt gegründet wurde, regierte noch der dänische König Christian VIII. „Dass kleine Handwerksbetriebe so alt werden, ist was Besonderes“, meint Hamann.

Zweischnaller entsprachen nicht mehr der Norm

Es sei auch eine besondere Leistung, dass sein Vater durchgehalten habe, als es dem Betrieb nicht so gut ging. Der große Einbruch kam in den 1970er-Jahren mit einem neuen Unfallverhütungsgesetz. Schweißer, Brenner, Hauer, Nieter – vor allem in den Kieler Werften – trugen Holzgaloschen, sogenannte Zweischnaller, aus Preetz, die plötzlich nicht mehr der Norm entsprachen.

Lorenz Hamann hatte zunächst eine Lehre zum Schaufenstergestalter gemacht, lernte das Handwerk des Holzschuhmachers von der Pike auf und hängte noch eine Lehre zum Bankkaufmann an. Als sein Vater 1984 starb, übernahm er das verschuldete Familiengeschäft.

Die große Wende kam mit dem Internet. Aber auch Laden und Museum vor Ort sind gut besucht. „Wir haben wahnsinnig viel zu tun“, freuen sich Lorenz Hamann und seine Frau Roswitha. Im Sommer sei bei bedecktem Himmel am meisten los, wenn die Urlauber von der Ostsee kommen. Unterstützt werden sie oft vom 23-jährigen Enkel Bjarne Voß.

Naturgegerbtes Leder nimmt er am liebsten

Inzwischen hat Hamann die Produktion der Holzschuhe abgegeben und fertigt selbst nur noch ein Paar pro Tag, vor allem Sonderbestellungen. Dabei werde beim Kunden zunächst die Holzsohle probiert. „Voraussetzung für einen bequemen Schuh ist, dass das Fußbett passt.“ Dann werde das Material ausgesucht, wobei er am liebsten naturgegerbtes Leder verarbeite.

Das nach einer Vorlage ausgeschnittene Leder werde warm gemacht, damit es geschmeidig werde, und über den Leisten gezogen. Wenn es getrocknet sei, könne man den Leisten herausziehen.

Es kommt heute noch vor, dass ein Bauer zu mir sagt: Ik bruk een Dörtiger, also einen Dreißiger“, berichtet er. Gemeint ist die Schuhgröße. Nach dem sogenannten Pariser Stich wird die Zentimeterlänge des Fußes durch zwei geteilt und dann mal drei genommen, das ergibt die Schuhgröße. Ein Dreißiger ergibt so also die Schuhgröße 45.

Die Holzschuhe sind nicht seine einzige Leidenschaft. Er reitet gerne, gründete 1977 die Segelabteilung in Schellhorn und stellte 1977 mit dem damaligen Stadtjugendpfleger Karl-Heinz Lesch das erste Schusterfest auf die Beine. Für die „Schustermeile“ holte er Holzschuhmacher aus Dänemark, Holland und Irland nach Preetz und zahlte Verpflegung und Unterkunft aus eigener Tasche.

Beliebt war auch die von ihm initiierte Wahl der Schusterkinder. Das eingetragene Markenzeichen seines Betriebs, der Schusterjunge, ist mit den Jahren zu einem Symbol der Stadt selbst geworden.

Werkstatt wurde zum Museum

Seine Werkstatt ist mittlerweile auch Museum. An den Führungen nehmen Schulklassen aus dem ganzen Norden und zahlreiche andere Besucher teil. Dann zeigt er auch die sechs bis sieben Quadratmeter großen Kuhhäute, aus denen 40 bis 50 Paar Holzpantoffeln entstehen.

Das Leder lasse er sich aus der Lederfabrik Kobel in Kellinghusen liefern: „Die machen noch die alte Grubengerbung mit Eichenrinde und Wasser, bei der die Haare abfaulen“, erzählt er. Dass seine Holzschuhmacherei auch in einem japanischen Reiseführer über die 13 wichtigsten Handwerksberufe Deutschlands auftaucht, macht ihn stolz.

Holzschuhmacher Lorenz Hamann und seine historische Werkstatt

Paradies an der Schwentine

Urlaub machen sie nur wenig. „Das ist mein Paradies hier“, zeigt er auf sein Grundstück. Jeden Morgen stehe er eine Viertelstunde an der Schwentine. „Alles, was kraus ist im Kopf, schwimmt dann Richtung Kiel“, sagt er lachend. Wenn Kunden kommen und er gerade viel zu tun hat, schickt er sie auch schon mal mit einer Flasche Selter und Gläsern zum Fluss hinunter – und holt sie entspannt ab, wenn er wieder genug Zeit hat.

Öffnungszeiten: montags bis sonnabends von 9 bis 13 Uhr. Weitere Informationen: www.preetzer-holzschuhe.de

Mehr aus der Serie "Die Letzten ihrer Art"

Lesen Sie in der Serie "Die Letzten ihrer Art" auch mehr über

- die junge Handweberin Marie Kopiske aus Preetz, die sich gerade mit einer Werkstatt selbstständig gemacht hat,

- den Sandregenpfeifer im Naturschutzgebiet Kleiner Binnensee in Behrensdorf, der so klein wie ein Spatz und so mutig wie ein Löwe ist,

- den VW-Käfer "Karl" aus Dannau, der mit seiner seltenen Farbe "Ravenna Grün" sofort ins Auge fällt,

- den Briefmarkensammler Ernst Schöning aus Preetz, der mit der Lupe nach Druckfehlern schaut

- und den Tonbandgeräte-Sammler Alfred Fleischhauer aus Plön, der sich um die alten Schätzchen mit den drehenden Spulen kümmert.

Preetz: Die Stadt der (Holz-)Schuhmacher

Preetz war nicht nur die Stadt der Schuhmacher, sondern auch der Holzpantoffelmacher. Holzpantoffeln sind Schuhe, deren Sohle und Absatz aus Holz bestehen. Darüber wird zum Schutz des Vorderfußes ein Stück Leder mit Draht oder Nägeln befestigt. Holzschuhe hingegen sind ganz und gar aus Holz. Allerdings nahm man es früher mit diesen Abgrenzungen nicht immer so genau, Holzpantoffelmacher wurden auch oft Holzschuhmacher genannt.

Als eigenständiges Handwerk waren sie in einer eigenen Innung zusammengeschlossen. Ihre Bedeutung für Preetz geht schon daraus hervor, dass es 1950 immer noch vier Betriebe gab, mehr als an jedem anderen Ort des Handwerkskammerbezirks Lübeck, zu dem auch Hamburg gehörte.

Der 1815 in Preetz geborene Pantoffelmacher Johann Lorenz Nothdurft gründete am 1. Oktober 1846 die Firma. Damals gab es 150 selbständige Schuhmachermeister, 350 Gesellen und 150 Lehrlinge in Preetz. Sein Schwiegersohn Gabriel Hamann übernahm 1868 die Werkstatt, die nach seinem Tod 1917 von seinem Sohn Theodor Johann Gabriel Hamann weitergeführt wurde. Der ertrank allerdings schon 1933 im Alter von 58 Jahren beim Segeln auf dem Lanker See.

Sein Sohn Theodor Johannes Asmus Hamann hatte zunächst Elektriker gelernt, doch dann eine zweite Lehre bei seinem Vater angefangen. 1935 legte er die Gesellenprüfung ab, 1938 die Meisterprüfung. Als er 1984 starb, übernahm sein Sohn Lorenz Hamann den Familienbetrieb, der noch heute im gleichen Haus in der Wakendorfer Straße 17 untergebracht ist.

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