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Plön Architektin kämpft um einen Job
Lokales Plön Architektin kämpft um einen Job
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08:00 01.06.2019
Von Anne Gothsch
Farah Badla aus Dersau, die in Syrien Architektur studierte und in ihrer Heimatstadt Schulen, Wohnviertel und Infrastrukturprojekte plante, möchte ihre Kenntnisse und Erfahrungen auch in der hiesigen Baubranche unter Beweis stellen. An Zusatzqualifikationen, Bewerbungen und ausgezeichneten Praktika-Beurteilungen mangelt es nicht. Quelle: Anne Gothsch
Dersau

Laut einer Umfrage des Bundes Deutscher Architekten (BDA) von 2017 unter 322 Architekten- und Ingenieurbüros in Schleswig-Holstein waren von 1834 Stellen aufgrund fehlender Bewerber 324 Stellen unbesetzt. Der BDA-Landesvorsitzende Christian Schmieder geht davon aus, dass aktuell allein aus demografischen Gründen landesweit 200 neue Architekten pro Jahr fehlen.

„Wenn das so ist, dann frage ich mich, warum man mir keine Chance gibt“, sagt die 37-Jährige. In ihrem Heimatland Syrien studierte sie fünf Jahre lang Architektur, der Bachelor-Abschluss wurde in Deutschland anerkannt. Von 2008 bis 2015 arbeitete die zweifache Mutter in ihrer Heimatstadt Idlib unter anderem in der Stadtverwaltung und Stadtteilplanung, erstellte Pläne für Schulen, Hotels, Geschäfte, Wohnviertel und Grünflächen. Bis sie sich mit ihrem Mann, der in Idlib als Elektroingenieur tätig war, zur Flucht vor Terror und Zerstörung entschied.

Dankbarkeit, Zuversicht und Hoffnung

Als die Familie nach einer langen, dramatischen Flucht im November 2015 in Deutschland ankam und wenig später in Dersau ein neues Zuhause fand, waren die Eltern voller Dankbarkeit, Zuversicht und Hoffnung, den Start in ein neues Leben meistern zu können. „Die Dankbarkeit ist geblieben, wir haben so viel Hilfe bekommen und neue Freunde gefunden. Aber die Zuversicht schwindet, weil die Enttäuschung wächst. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf“, erklärt Farah leise, aber bestimmt.

Vom ersten Tag an nutzten sie jede Möglichkeit, um Deutsch zu lernen und vermittelten es auch ihren Töchtern, damals vier und sechs Jahre alt. Sie ergriffen jede Chance, um Kontakte zu knüpfen und in der Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen, halfen auch beim gemeinsamen Frühjahrsputz. Seit zwei Jahren gibt Farah Badla Kochkurse für arabische Spezialitäten im Nachbarort Ascheberg

Inzwischen hat sie die mündliche C1-Prüfung in Deutsch absolviert und damit Hochschulniveau erlangt, sich zudem in den gesetzlichen Grundlagen des Baugewerbes, im Fachvokabular und in der Anwendung spezieller EDV-Programme weitergebildet. Meist war sie dafür zwischen acht und zehn Stunden unterwegs, vielfach am Wochenende. 

Mehrwöchige Praktika in Architekturbüros in Kiel und Preetz

Ihr praktisches Wissen konnte sie in drei mehrwöchigen Praktika in Architekturbüros in Kiel und Preetz vertiefen und bekam jedes Mal eine sehr gute Beurteilung. „In einem Büro hätte es fast mit einer Stelle geklappt, aber letztlich wollte die Inhaberin die Sozialversicherungsbeiträge nicht zahlen“, berichtet die junge Frau. Ihr Betreuer vom Jobcenter, Mike Rosotta, der geflüchtete Menschen bei der Arbeitssuche unterstützt, bestätigt dies. „Frau Badla hat wirklich so gute Beurteilungen bekommen. Auch mir ist ein Rätsel, weshalb es noch nicht mit einem Job geklappt hat“, meint er. 

Für Christian Schmieder vom BDA könnte ein Grund darin liegen, „dass Ausbildung und Arbeitsweise in den Herkunftsländern oft nicht den Anforderungen in Deutschland entsprechen“. Schmieder spricht aus eigener Erfahrung mit Praktikanten aus Syrien und einem mittlerweile angestellten Mitarbeiter aus dem Iran.

Entweder gar keine Reaktion oder eine Absage

Die Unterschiede kennt Farah Badla inzwischen auch. „Das kann man aber alles lernen“, meint sie selbstbewusst. Während des dritten Praktikums Anfang des Jahres habe sie sogar die Ausführungsplanung für ein Einfamilienhaus fast komplett allein erstellt. „Dafür braucht man gute Kenntnisse und Erfahrung“, sagt sie. Mit einer Stelle hat es dennoch nicht geklappt. Auch nicht bei den rund 40 anderen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, bei welchen sie sich beworben hat. „Immerhin wurde ich zu etwa zwölf Vorstellungsgesprächen eingeladen. Oft staunten die Chefs, was ich in nur knapp dreieinhalb Jahren alles gelernt habe. Trotzdem kam dann entweder gar keine Reaktion oder eine Absage“, meint die 37-Jährige resigniert.

Die Hoffnung gibt sie dennoch nicht auf und stürzt sich in die nächste Weiterbildung. Ihrem Betreuer vom Jobcenter ist sie sehr dankbar dafür, dass sie jetzt ihre Kenntnisse mit der Spezial-Software Allplan für Architekten und Bauingenieure vertiefen kann. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es dann auch mit einem Job klappt. Man muss einfach Geduld haben“, meint Mike Rosotta.

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