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Plön Sieben Tage keinen Kaffee
Lokales Plön Sieben Tage keinen Kaffee
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06:00 20.03.2019
Von Sven Tietgen
Das Kaffeefasten ist vorbei: Reporter Sven Tietgen bereitet mit jeder Menge Vorfreude seinen ersten Kaffee nach acht Tagen zu. Quelle: Sven Tietgen
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Plön

Sieben Wochen lang verzichten sieben KN-Mitarbeiter jeweils sieben Tage lang auf eine geliebte Sache. Sven Tietgen hat es mit Kaffee probiert und erlebte eine erstaunliche kleine Achterbahnfahrt.

Erster Tag: Das Frühstück mit dem sonst üblichen Kaffee rückt näher. Schnell noch mal die Nase in die gerösteten Bohnen stecken und diesem unvergleichlichen Duft schnuppern, dann greife ich zum Earl Grey-Tee. Mittags kocht meine Frau für sich Kaffee, ich schleiche um die Kanne herum, aber ich bleibe stark. Um mich abzulenken, verabrede mich mit Freunden zur Skatrunde. Die Kartenbrüder und -schwestern finden mein Vorhaben spannend, sie erzählen von ihren Fastenaktionen. Die Anmerkung, vom Kaffeefasten würde ich bald Kopfschmerzen bekommen, schlage ich als Panikmache in den Wind.

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Zweiter Tag: Mist, tatsächlich spüre ich, wie mein Schädel brummt. Bei meinem Termin an einer Gemeinschaftsschule bleibe ich standhaft und lehne das Kaffee-Angebot der Schulleiterin ab. Die Kopfschmerzen nisten sich ein, bleiern und müde schleppe ich mich durch den Tag.

Dritter Tag: Ingwertee zum Frühstück! Finde ich irgendwie gut, es regt das Verdauungsfeuer an, heißt es ja im indischen Ayurveda. Zwei Stunden später werde ich fast schwach: In den Neumünsteraner Holstenhallen gruppieren sich 500 Leute um Bistrotischen, Kellner schleppen Massen an Kaffeekannen heran. Ich bin fast dankbar, dass mir beim Pressegespräch zur Veranstaltung nur Wasser angeboten wird.

Vierter Tag: Ich wache auf und erstmals seit Beginn der Aktion denke ich nicht sofort an einen Becher heißen, schwarzen Kaffee. Mein Kopf brummt immer noch ein bisschen, aber der Verzicht auf das schwarze Heißgetränk fällt mir leichter.

Fünfter Tag: Schwiegermutter hat Geburtstag! Die 83-Jährige schlägt mit ihrer Entourage inklusive Schwager bei uns auf, Kaffeetafel ist angesagt. Beim Einschenken halte ich die Hand über meinen Becher. Nein danke, bin im Fastenmodus. Ich ernte ungläubige Blicke. Immerhin, einige nicken mitfühlend, als ich von meinem Kopfschmerzen erzähle, und schlürfen ihren Kaffee. Extra doll, wie ich zu erkennen glaube.

Sechster Tag: Der Sonntag ist normalerweise Croissant-Tag. Aber auf das französische Gebäck, schön mit Butter und Honig bestrichen, verzichte ich. Denn für mich sind Croissants untrennbar mit Kaffee verbunden. Heute habe ich das Gefühl, das schwarze Getränk gar nicht so nötig zu haben. Komischerweise stoße ich im Internet immer öfter auf Beiträge, die auf positive Wirkungen des Kaffeekonsums hinweisen.

Siebter Tag: Beim ersten Pressetermin haben meine Gesprächspartner den Kaffee schon eingeschenkt. Ist doch nur ein kleines Tässchen, denke ich, fange mich aber und bitte dann doch um Tee. Jetzt wächst wieder das Bedürfnis nach meinen Lieblingsheißgetränk.

Achter Tag: Mmmh, lecker, ich darf wieder die Aromen des Kaffees genießen, von denen es ja über 800 Stück geben soll. Meine Erkenntnis: Mir ist es vorher noch nie aufgefallen, wie stark die flüssige Koffeindroge in unserer Kultur verankert ist. Und ab sofort bin ich wieder mittendrin. Prost Kaffee!

Wie halten Sie es mit dem Fasten? Schreiben Sie uns.

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