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Plön Die Retter der Lebensmittel
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08:36 25.12.2019
Von Nadine Schättler
Anne Pfister (39) und ihr Sohn Justus (9) aus Heikendorf retten Lebensmittel und verteilen sie an Obdachlose. Quelle: Nadine Schättler
Heikendorf

Es ist Donnerstagabend mitten in der Adventszeit. Anne Pfister und ihr Sohn Justus (9) kurven mit ihrem Kleinbus durch die Kieler Innenstadt auf der Suche nach einem Parkplatz. Weil der Weihnachtsmarkt zahlreiche Besucher anlockt, hat sie heute ein Parkplatz-Problem. Doch die Zeit drängt. Punkt 19 Uhr soll sie belegte Brötchen und andere Backwaren in einem Kieler Betrieb abholen. Pünktlichkeit ist für Foodsharer wie Anne Pfister eines der obersten Gesetze.

Seit einem halben Jahr rettet die Heikendorferin regelmäßig Lebensmittel, die sich nicht mehr verkaufen lassen oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Als Mutter arbeitet sie Vollzeit und hat einen gut gefüllten Terminkalender, aber das ehrenamtliche Engagement liegt ihr am Herzen. „Wir kaufen seitdem deutlich weniger Lebensmittel ein und verarbeiten immer das, was wir bekommen.“ So entsorgt sie mit ihrer Familie kaum noch etwas in der Tonne.

Foodsharing - Die Nachfrage ist groß

Über eine Internetplattform organisieren sich Foodsharer in ganz Deutschland und verteilen überschüssige Lebensmittel. Seit dem 19. Oktober gibt es in Kiel einen Ortsverein unter dem Namen, der die Internetseite foodsharing-kiel.org betreibt. Frank Huhndorf ist der stellvertretende Vorsitzende des Vereins mit bisher 180 Mitgliedern. Tendenz steigend. „Die Nachfrage ist groß. Unsere Foodsharer sind Studenten, Überzeugungstäter, Bedürftige und geben einen guten Durchschnitt unserer Gesellschaft ab“, sagt Huhndorf. Wer Foodsharing nutzen möchte, muss sich über die Homepage anmelden und einen kleinen Online-Fragebogen ausfüllen, um Missbrauch zu verhindern. „Wir wollen Lebensmittel retten und nicht, dass sie etwa weiter verkauft werden.“ Außerdem gibt es wichtige Regeln wie Hygienevorschriften oder Pünktlichkeit einzuhalten, damit der strukturelle Ablauf in Kooperation mit den Betrieben reibungslos läuft. In Kiel beteiligen sich mittlerweile mehr als 40 Betriebe, darunter Supermärkte, Tankstellen, Bäckereien, Restaurants und Marktstände. „Wir haben wöchentlich 126 Abholungen“, so Huhndorf. Er rechnet zukünftig mit noch mehr Terminen, um Lebensmittel zu retten. „Das Thema Ressourcenverschwendung wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger.“

„Wir verarbeiten das, was wir bekommen“

Doch als Foodsharer muss sich Anne Pfister oft auch auf Mengen einstellen, die sie allein mit ihrer Familie nicht bewältigen kann. Deshalb machte sie irgendwann nach dem Abholen von Lebensmitteln einen Stopp am Kieler Hauptbahnhof. Auch für ihren älteren Sohn Justus (9). „Er ist hilfsbereit und engagiert sich gerne, aber für Kinder ist es mit ehrenamtlichen Aufgaben schwierig. Da dachte ich, komm, wir probieren das einfach mal aus.“ Berührungsängste gab es keine. Anne Pfister hat beruflich viel Kontakt mit Menschen.

Mit einer großen Kiste voll belegter Brötchen und süßer Teilchen vom Bäcker, die am nächsten Tag nicht mehr in den Verkauf gehen würden, marschieren Anne und Justus etwas später auf den Bahnhof zu. Beide tragen Gummihandschuhe. Der Hygiene wegen. Justus kennt das Prozedere und freut sich auf die Leute, die er kennt. „Die mit der Punker-Frisur, die freut sich immer besonders, wenn wir kommen.“ Am Anfang, sagt der Drittklässler, sei er noch ein bisschen schüchtern gewesen. Doch jetzt verteilt er ganz selbstverständlich die belegten Brötchen. „Wir können die Menschen glücklich machen. Alle haben das Recht, glücklich zu sein.“

Für Obdachlose oft die erste Mahlzeit am Tag

Am Bahnhof werden die beiden Foodsharer freundlich empfangen. „Das ist ja geil“, ruft einer spontan. Ein anderer, der Anne Pfister und Justus noch nicht kennt, möchte wissen, warum sie das machen. Die Heikendorferin erklärt ihre Beweggründe geduldig und hat den einen oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen. Das kommt an. Nachdem die Brötchen zunächst zögerlich weggehen, greifen die meisten nach einer kurzen Weile herzhaft zu. „Die Leute hier sind immer freundlich und bedanken sich tausendmal“, erzählt Anne Pfister. Ein Mann habe ihren beiden Kindern sogar mal seine letzten zehn Cent geben wollen. „Ich habe oft das Gefühl, je weniger Geld die Menschen haben, desto freimütiger geben sie etwas her.“ Für manche Obdachlose ist der abendliche Besuch der Foodsharer wie eine Rettung. Ein Mann, erinnert sich Anne, habe mal sieben Brötchen genommen und gesagt, dies sei das erste, was er heute gegessen habe.

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