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Plön Große Sorge nach Schlecker-Rückzug
Lokales Plön Große Sorge nach Schlecker-Rückzug
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09:25 16.03.2012
Die Plönerinnen Katrin Jentsch und Anja Steingrube kaufen regelmäßig bei Schlecker. Quelle: dsn
Kreis Plön

Der Raisdorfer Schlecker-Markt ist Teil einer kleinen Ladenzeile in Rathausnähe, nördlich der den Ort zerteilenden Bundesstraße 76. „Infrastrukturell ist das für uns ein schwerer Schlag, da die Einkaufsmöglichkeiten hier immer weniger werden“, sagt Bürgermeisterin Susanne Leyk, die auch die Mitarbeiter bedauert. So sehen es auch die Kunden, die sich noch schnell mit der herabgesetzten Ware eindecken: „Schade, denn es ist der einzige Drogeriemarkt auf dieser Seite“, so Nina Planinc, die dort immer Windeln und weitere Utensilien für ihr Baby gekauft hat. „Für die älteren Leute wird es schlecht“, meinen Magdalene und Helmut Spring. Allerdings habe die Firma auch Fehler gemacht und dadurch schon vorher Kunden an die Konkurrenz verloren, so Helmut Spring. Zukünftig werden sie sich zu Aldi oder Rewe auf der anderen Seite der B.76 oder gleich ins Gewerbegebiet begeben müssen.

Schönberg trifft die Schließung der Schlecker-Filiale ebenfalls schwer. Zwar gibt es aufgrund bestehender Einkaufsmöglichkeiten (Rossmann, neues Einkaufszentrum mit Drogeriefachmarkt) keinen Versorgungsengpass. Aber die Schließung verschärft ein Problem der Gemeinde: Die Verödung der Fußgängerzone. „Die Schließung der Schlecker-Filiale ist bitter für die betroffenen Mitarbeiter und ein Tiefschlag für die Fußgängerzone“, erklärte Bürgermeister Wilfried Zurstraßen. Denn damit geht ein weiterer wichtiger Frequenzbringer für die Einkaufsstraße verloren, die ohnehin zu verwaisen droht. Die Firma Schlecker sei allerdings nicht Eigentümer der Immobilie, so dass die Chance bestehe, schnell eine Nachnutzung zu erreichen. Mit dem Eigentümer, einer privaten Hamburger Grundstücksgesellschaft, werde man zügig Kontakt aufnehmen und Gespräche dazu führen, kündigte der Bürgermeister an. Eines zeige dieser Vorgang außerdem: „Die Notwendigkeit der Kooperation der Betriebe mit der Gemeinde und der Diskussion über ein Leerstandsmarketing“, so Zurstraßen.

Plön scheint für Drogeriemärkte ohnehin ein heißes Pflaster zu sein: So schlossen in den vergangenen Jahren bereits zwei Schlecker- und eine Kloppenburg-Filiale in der Innenstadt ihre Türen, nur der Rossmann-Markt „überlebte“.

Umso verwunderter reagierten die Kunden auf die angekündigte Schließung der Schlecker-Zweigstelle in dem Wohngebiet Plön-Ost. „Der Laden wird doch eigentlich ganz gut besucht“, betonen Katrin Jentsch und Anja Steingrube. Die jungen Mütter kaufen in dem Geschäft regelmäßig für ihre Kleinstkinder ein. „Jetzt muss ich sehen, wie ich mit dem Kinderwagen irgendwie in die Innenstadt komme, abgesehen vom Zeitaufwand ist das mit dem Bus ganz schön beschwerlich“, so Katrin Jentsch. Karl-Heinz Lorenzen sieht ähnliche Probleme auf die älteren Bürger zu kommen. „Ich glaube nicht, dass der kleine Frischemarkt, den wir noch haben, dieses Angebot ausgleichen kann und wird“, sagt Lorenzen: „Für uns Senioren ist das ein herber Verlust.“

Auch in Wankendorf steht die Schlecker-Filiale vor dem Aus. „Die Entscheidung hat mich überrascht, denn in dem Laden war immer etwas los“, erklärt Bürgermeisterin Silke Roßmann. Ihr Mitgefühl gelte vor allem den Mitarbeitern, die anscheinend immer noch nicht wissen, wie es weitergeht und ob sie möglicherweise in einer anderen Filiale weiter beschäftigt werden.

Erhalten bleiben die Märkte in Ascheberg sowie in Schönkirchen – dort ist allerdings erst vor kurzem die zweite Filiale geschlossen worden.