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Plön Zen-Zentrum feiert 30. Geburtstag
Lokales Plön Zen-Zentrum feiert 30. Geburtstag
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09:46 09.08.2019
Von Sven Tietgen
Die Zen-Vereinigung um Ludger Tenryu Tenbreul (rechts) und Wolfgang Rothe residiert seit 30 Jahren im Herrenhaus von Gut Schönböken. Quelle: Sven Tietgen
Ruhwinkel

Ludger Tenryu Tenbreul hatte im Sommer 1988 mit einigen Schülern erstmals das Gut Schönböken in der Gemeinde Ruhwinkel besucht. Das rund 200 Jahre alte Herrenhaus mit dem Torhaus am Ende der imposanten Schönbökener Lindenallee präsentierte sich damals ziemlich heruntergekommen. Das 5,5 Hektar große Areal mit großem Teich und alten Bäumen wurde über Monate wie Sauerbier angeboten – niemand wollte die damals geforderten Gesamtkosten von 800.000 D-Mark, umgerechnet 409.000 Euro, aufbringen. „Ich weiß es noch wie heute, im Juni blühte der ganze Park und unsere Herzen waren sofort tief berührt“, erinnert sich der heute 63-jährige Zen-Meister. Die Zen-Vereinigung Deutschland konnte letztendlich das Anwesen 1989 kaufen, das Projekt wurde zu einem großen Teil aus Spenden und Beiträgen der rund 500 Mitglieder finanziert.

Gut Schönböken wurde saniert und umgebaut

Die neuen Besitzer hatten viel Arbeit vor sich. Über die Jahre wurde das Gutshaus saniert und umgebaut, in einem Flügel des Torhauses bauten die Mitglieder der Gemeinschaft ihr Dojo – den zentralen Übungsraum für Zazen. Eine Buddha-Figur krönt einen hölzernen Schrein im Mittelpunkt des Dojos, japanische Schriftzeichen im Großformat prangen auf Holztafeln an der Wand, Meditationskissen laden zum Sitzen ein.

Jetzt im Sommer treffen sich dort die Mitglieder zu sogenannten Sesshins. Bis zu 90 Teilnehmer beschreiten eine Woche lang den Zen-Weg und achten beim Zazen auf Atmung, Haltung und eine vertiefte Gegenwärtigkeit, wie Zen-Meister Tenbreul formuliert. Zu den Sesshins gehören auch einige Stunden täglich von Hand verrichtete Arbeit. Die Zen-Mönche werkeln in der Küche, pflegen die Parkanlagen oder greifen zu Besen und Feudel.

Klänge gehören zum Alltag

Geredet wird während der Sesshins eher wenig, doch Austausch ist möglich. Auch Klänge gehören zum Alltag, oft dringen Trommelsounds oder Töne von Gusseisen-Gongs und Klanghölzer über das Gelände. „Viel Kommunikation läuft hier über Klänge ab, die Töne berühren tiefere Schichten“, erläutert Wolfgang Rothe. Der 53-Jährige kümmert sich unter anderem um die Kontakte des Zen-Zentrums nach draußen. Abschotten wollen sich die derzeit 15 Mönche nicht, auch wenn in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen nicht, wie ursprünglich geplant, mit einem Tag der offenen Tür gefeiert wird. „Wir haben mit unseren eigenen Aktivitäten sehr viel zu tun, werden die Veranstaltung aber nachholen“, verspricht Rothe. Das Interesse ist da: Vor zehn Jahren wurde die Sanierung des Torhauses mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Vor fünf Jahren luden die Mönche zum 25-jährigen Jubiläum ein, rund 700 Besucher kamen.

Die Bauern von Ruhwinkel helfen bei Problemen

Regelmäßig statten verschiedene Gruppen dem Gut ein Besuch ab, vor allem die Landfrauenvereine sind sehr aktiv. Dazu bieten die organisierten Mitglieder Einführungskurse zum Thema Zen an, auch über die VHS. Zur Gemeinde Ruhwinkel inklusive dem Ortsteil Schönböken hat sich über die Jahre ein Miteinander entwickelt. Bei Bedarf helfen die örtlichen Landwirte mit dem Trecker aus, bei Veranstaltungen wie dem jüngsten Gemeindefest präsentierte sich das Zen-Zentrum mit einem Info-Stand.

Als sehr gut beurteilt Bürgermeister Manfred Markmann das Verhältnis der Gemeinde zum Zen-Zentrum. „Anfangs war man noch ein bisschen misstrauisch, aber sie wollen ja niemanden bekehren. Das Verhältnis ist super, sie sind bei der Dorfreinigung und anderen Veranstaltungen dabei und sie halten die Gebäude in Schuss“, erklärt Markmann.

Ein Gut mit wechselvoller Geschichte

Die Historie des Gutes Schönböken hatten Mitglieder der Zen-Vereinigung in Zusammenarbeit mit Dorfbewohnern in einer Chronik aufgearbeitet. Dabei konnten die Mönche auch Material aus dem Kreisarchiv in Plön einbinden. Erstmals erwähnt wurde das Gut 1800.

Im Jahr 1800 wurde das Gut Schönböken vom Gut Perdoel in Belau abgetrennt und als Meierhof zu einem örtlichen Wirtschaftszentrum. Fünf Jahre später ließ der Eigentümer Georg Ludwig Bokelmann das Herrenhaus im Stil des holländischen Klassizismus bauen. Kurz darauf hob der dänische König Christian VII. das Anwesen in den Stand eines adeligen Guts.

1817 kaufte es der Hamburger Eisenhändler Willem Meyerink. Dessen Enkelin Magdalena Trepka und ihr Ehemann Holten Fürchtegott Trepka ließen um 1889/90 zahlreiche Gebäude errichten – unter anderem das markante Torhaus. 1903 kaufte Eduard Ferdinand Wulff das Anwesen mit damals 413 Hektar Fläche und widmete sich der Pferdezucht. Der Gutsbesitzer zeichnete sich vor allem in den Notjahren des Ersten Weltkriegs als Gönner aus: Hilfsbedürftige versorgte er über Jahre kostenlos mit Lebensmitteln, Holz, Saatgut sowie Geldspenden.

Nach dem Tod Wulffs wurde das Gut 1936 für 1,6 Millionen Reichsmark an die Wehrmacht verkauft. Hitlers Armee nutzte das Areal als sogenanntes Remonteamt – dreijährige Pferde wurden angekauft und auf dem Gut für den Kriegseinsatz ausgebildet. Ab 1941 richteten die Nazis dort ein Forschungs- und Versuchsgestüt ein. Ziel war die wissenschaftlich begleitete Zucht von Pferden als Zug- und Reittiere, die mit wenig Futter auskommen sollten.

Nach Kriegsende 1945 übernahm britisches Militär das Gut Schönböken und blieb dort bis 1948. Zunächst war die Dorfschule im Herrenhaus untergebracht, 104 Kinder wurden dort unterrichtet. Aus den umliegenden Gutsländereien entstanden landwirtschaftliche Siedlungsflächen, in das Gutshaus mit den verbliebenen fünf Hektar zog 1949 die Deutsche Landmaschinenschule (Deula) ein. Von 1962 bis 1988 residierte die Luftschutzhilfsdienst- und Katastrophenschutzschule in Tor- und Herrenhaus. Für beide Einrichtungen wurden neue Domizile in Rendsburg gebaut.

Impressionen vom Zen-Zentrum auf Gut Schönböken
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