Heikendorf soll mit neuem Konzept barrierefreie Ortsmitte bekommen
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Heikendorf soll mit neuem Konzept barrierefreie Ortsmitte bekommen

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19:08 25.01.2021
Von Nadine Schättler
Ingrid Fischer (68) kommt mit ihrem Rollator an den steilen Rampen zur Rathauspassage trotz Begleitung von Jürgen Ploen (69) ins Schlingern.
Ingrid Fischer (68) kommt mit ihrem Rollator an den steilen Rampen zur Rathauspassage trotz Begleitung von Jürgen Ploen (69) ins Schlingern. Quelle: Nadine Schättler
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Heikendorf

Der Zugang zur Rathauspassage in Heikendorf ist für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eine Herausforderung. Gleich mehrere steile Rampen sind zu überwinden, wenn man die Treppen nicht laufen kann. Für Ingrid Fischer (68), die einen Schwerbehindertenausweis hat und auf ihren Rollator sowie einen Begleiter angewiesen ist, werden die Rampen besonders bei nasskaltem Wetter zu unüberwindbaren Hindernissen. „Diesen Weg meide ich immer“, sagt sie und versucht, die kritische Situation für Menschen mit Gehbehinderungen zaghaft zu demonstrieren. Begleiter Jürgen Ploen (69) stützt sie mit einem festen Griff um den Oberarm und hält sich mit der anderen Hand am Geländer fest. Kurz bevor die Rampe endet, schwenken die Räder vom Rollator zur Seite weg und Ingrid Fischer kommt kurz ins Schlingern. Klaus Sydow vom Seniorenbeirat, der bei der Ausarbeitung des Barrierefreiheitskonzepts durch die Firma Tollerort in Hamburg auch angehört wurde, beobachtet die Szene. „Ich sehe oft, dass Menschen mit Rollatoren sich hier mit einer Hand am Geländer festhalten müssen“, erzählt er.

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Sichere Fußwegenetze in Heikendorf geplant

Damit soll bald Schluss sein. Das Konzept des Hamburger Stadtentwicklungsbüros empfiehlt für die Heikendorfer Ortsmitte grundsätzlich „ebene, ausreichend dimensionierte und sichere Fußwegenetze mit adäquater Aufenthaltsqualität“. Rampen wie beispielsweise auf dem Weg zur Rathauspassage sollen laut Maßnahmenkatalog eine Neigung von maximal 6 Prozent betragen, Zwischenpodeste gekürzt, die Breite der Rampen entsprechend angepasst werden. Doch der Bestands- und Mängelplan des Büros listet noch eine Vielzahl weiterer Brennpunkte in der Heikendorfer Ortsmitte auf. Stark eingeschränkte Wegeverbindungen gibt es demnach rund um das Rathaus und die Schmiedeplatzpassage, entlang der Dorfstraße als Haupteinkaufsstraße, im Neuheikendorfer Weg Richtung Polizei, Feuerwehr und Sportverein, in der Straße Langer Rehm Richtung Seniorenzentrum, im Schulredder als Zugang zu Volkshochschule, Schulaula und Mehrzweckhalle sowie im Wiesenkamp und Buurvagt.

Umgestaltung des Schmiedeplatzes vorgeschlagen

Um ein sicheres Fußwegenetz zu erreichen, schlägt das Barrierefreiheitskonzept „mindestens eine durchgängige barrierefreie Gehwegverbindung in und durch die Ortsmitte“ vor. Als weitere konkrete Maßnahmen werden folgende Punkte genannt: eine Querungshilfe über den Neuheikendorfer Weg in Höhe Laboer Weg und über die Straße Teichtor im Bereich Hafenstraße, eine Umgestaltung des Schmiedeplatzes und der Dorfstraße, die mehr Aufenthaltsqualität sowie eine konfliktfreie und barrierefreie Fußgänger- und Fahrradführung schafft, eine barrierefreie Entwicklung von Durchgangswegen und eine Anpassung des Schulredders an die geplante bauliche Entwicklung (Ansiedlung eines Discounters).

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Außerdem sollen laut Entwurf das Rathaus und der Vorplatz für eine barrierefreie Nutzung und mehr Aufenthaltsqualität optimiert werden. Die Mehrzweckhalle auf der gegenüberliegenden Straßenseite und die benachbarte Schulaula, in der die Heikendörper Speeldeel ihre Aufführungen macht, sollen für eine barrierefreie Nutzung umgebaut werden.

Bürgermeister Tade Peetz drückt aufs Tempo

Heikendorfs Bürgermeister Tade Peetz (CDU) ist zuversichtlich, dass das Projekt barrierefreie Ortsmitte schnell angegangen werden kann. Sobald die Gemeinde das Konzept abgesegnet hat, so Peetz, könnten einzelne Maßnahmen mit Fördermitteln aus dem Städtebausanierungsprogramm umgesetzt werden. Als eine der obersten Prioritäten nennt er den barrierefreien Umbau des Zugangs zur Rathauspassage. „Ich bin ziemlich sicher, dass wir dort noch in diesem Jahr in die Umsetzung gehen können“, meint Peetz. Auch wenn das Bauvorhaben die Fußläufe zunächst verhindere, so der Bürgermeister, könne man am Ende mit „einem guten Ergebnis“ rechnen.

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Wer an der öffentlichen Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses am Dienstag, 26. Januar, um 19 Uhr in der offenen Ganztagsschule unter Einhaltung der Hygienevorschriften teilnehmen möchte, muss sich bei der Gemeinde per Mail an alexandra.elm@amt-schrevenborn.de anmelden.

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