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Plön Jetzt wird's bunt im Kreis Plön
Lokales Plön Jetzt wird's bunt im Kreis Plön
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12:33 26.06.2019
Von Anja Rüstmann
Ihren allerersten bemalten Stein hat Sabine Luitjens behalten. Quelle: Anja Rüstmann
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Plön/Schönberg

Vor Monaten schwappte der Trend in Deutschlands Norden, an die Elbe und die Westküste. Und nun  wird auch in der Kreisstadt fleißig bemalt. „Ich finde das toll“, sagt Sabine Luitjens. Sie hat Ende Mai die Aktion in die Stadt Plön geholt. Von ihrem ersten bemalten Stein konnte sie sich jedoch nicht trennen. Er ist lila-rosa und trägt das Wort „breathe“ („atme“). Sie hat ihn behalten. Aber alle weiteren legte sie aus und freut sich, wenn sie gefunden werden. Regelmäßig sorgt sie für Nachschub – in Blumenbeeten, auf Sitzbänken, auf Brunnenrändern. Auf der Rückseite der Steine steht #plönstones. Im Idealfall fotografiert der Finder den Stein und teilt es der Facebook-Gruppe mit.

„Ich kann nicht so gut malen“, sagt die 54-Jährige. Deshalb setzt sie weniger auf Motive, sondern verziert die bunten Steine lieber mit Sprüchen. „Glaube an Wunder“, „Live the moment“ oder „Be happy“ gehören zu ihren Botschaften. Und sie hofft, dass sie ankommen. Oder eben weiterreisen und dem nächsten Finder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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Ideen aus dem Internet

Im Internet holte sie sich von anderen Steine-Bemalern Tipps, was für Farben man benutzen sollte. Und sie sammelte im eigenen Garten das Rohmaterial. „Der ist jetzt Stein-frei“, lacht sie und überlegt bereits, ob sie im Baumarkt Nachschub kauft. „Die Kiesel sind so schön glatt…“

Tatsächlich hat sie bereits einige Plöner animiert, auch zu malen. Ihre Facebook-Gruppe hat knapp 120 Mitglieder. Und es gibt viele Kommentare von glücklichen Findern. Steine mit Marienkäfer, Regenbogen, bunten Mustern sind aufgesammelt worden – in der Innenstadt oder auf der Prinzeninsel. Sabine Luitjens hat selber noch keinen Stein gefunden, obwohl sie mit offenen Augen durch Plön geht. Einer ihrer Steine lag vor ein paar Tagen vor der Tür ihrer Hypnosepraxis in der Kino-Twiete, er ist quasi zurückgebracht worden.

Die Steine gehen auch auf Reisen

Die bunten Steine sollen nicht nur Plöner erfreuen oder kleine Souvenirs für Touristen sein. Auf ihrer nächsten Reise möchte Sabine Luitjens ihre kleinen Werke auch in Schottland, Island und Norwegen verteilen. „Dafür habe ich schon vorgemalt“, erzählt sie. Und sie hofft, dass vielleicht ein Urlauber am Nordkap einen ihrer Steine findet, fotografiert und dann im Internet unter „Plön Stones“ berichtet.

Auch an der Ostsee wird versteckt

Auch in Schönberg hat sich derweil eine Gruppe gegründet, die an der Ostseeküste aktiv ist. Wenn man genau hinsieht am Ostseestrand, könnte es sein, dass man besondere Steine findet. Diese haben nicht nur eine schöne Form oder eine andere Färbung – sie sind einfach bunt! Mit Acrylfarbe bemalt und mit Klarlack versiegelt. Nicole Fischer hat mit ihrer Tochter die Großmutter an der Nordseeküste besucht – und dort selbst bunte Steine gefunden. Von der Idee begeistert hat sie in Schönberg eine eigene Facebook-Gruppe gegründet: Die Ostseesteine. „Ist ist ganz toll zu sehen, wie Leute selbst Steine finden und das dann posten“, erzählt die 45-Jährige. Ihre Tochter Lilja ist auch vom Steinefieber gepackt und sammelt fleißig Rohmaterial.

Kleine Welten auf kleinen Steinen

Freundin Nora Petersen ist Nageldesignerin – was man den Steinen auch ansieht. Ganz filigran malt sie maritime Motive, Figürchen und zaubert so kleine Welten auf den Steinen. „Das macht richtig süchtig“, erzählt sie. Selbst einen gefunden hat sie noch nicht – dafür verschwinden ihre Steine regelmäßig. „Ich habe einen Stein beim Einkaufen vor dem Laden ausgesetzt, nach nicht mal fünf Minuten war er weg!“ Hier gilt: Wer ihn findet, darf ihn behalten. Aber Vorsicht vor falschen Steinen: „Generell gilt, man sollte nur Steine mitnehmen, bei denen auf der Rückseite steht, dass es unsere Steine sind“, erklärt Petersen. Auf keinen Fall solle man Steine von Privatgrundstücken mitnehmen, „das sind vermutlich eigene Deko-Steine“. 

Manche Steine tauchen wieder auf

3340 Mitglieder machen bei den Ostseesteinen mit – und ein kleiner Teil der ausgesetzten Steine taucht tatsächlich wieder auf. Nicht jeder behält die gefundenen Kunstwerke: „Es sind schon Steine wieder in Dänemark, Spanien und Schweden wieder aufgetaucht“, berichtet Fischer stolz. Manche möchte man aber auch gar nicht hergeben: „Einige Steine wachsen einem selbst wirklich ans Herz“, sagt Petersen. Manche Gruppenmitglieder würden sich gar nicht trauen, ihre Steine zu posten – sie seiennicht schön genug für die Öffentlichkeit im Internet. „Aber da muss keiner Angst haben, es geht doch nur um den Spaß“, meint Petersen. Nur eine Regel gebe es dabei: nichts draufkleben. Keine Sticker oder Wackelaugen, nichts, was abfallen kann, denn das könnte dann bei Wind und Wetter von der kleinen Freude zur Umweltverschmutzung werden. „Das ist eigentlich wie Ostern, nur das ganze Jahr über“, sagt Fischer über den Trend. Petersen bestätigt, sie „habe immer Steine auf Tasche zum Aussetzen“.

Von Anja Rüstmann und Frida Kammerer

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