Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Plön Indische Schwestern: Leben für den Orden
Lokales Plön Indische Schwestern: Leben für den Orden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:18 20.08.2018
Von Merle Schaack
Die indischen Ordensschwestern Raima (v. li.), Sayoojya und Chaithanya leben und arbeiten im Pflegeheim St. Anna in Raisdorf. Quelle: Merle Schaack
Anzeige
Schwentinental

Eigentlich wollte sie nur ein paar Jahre bleiben.  Aber das war nicht Gottes Plan“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Die letzte richtungsweisende Entscheidung in ihrem Leben, die die heute 45-Jährige selbst traf, war die, ins Kloster zu gehen. Schon als 17-Jährige liebäugelte sie mit dem Gedanken. Ihren Eltern und dem Bruder zuliebe begann sie aber zunächst eine Ausbildung in einer Bank. Nach zwei Jahren aber brach sie ab und schloss sich dem katholischen Orden Clarist Congregation (FCC) im indischen Bundesstaat Kerala an, dessen 7000 Schwestern in der ganzen Welt tätig sind. 

Ein innerer Ruf

In der Vorbereitungszeit auf das Leben als Ordensschwester durfte sie – so schreiben die Regeln es vor – zwei Jahre lang keinen Kontakt zur Familie haben. „Trotzdem habe ich nie gezweifelt. Es war ein innerer Ruf, den ich bekommen hatte“, sagt sie. 

Anzeige

Vier Ordensschwestern leben derzeit im St. Anna. Sie arbeiten als Pflegerinnen mit, gehören seit Eröffnung der Einrichtung, die vom Deutschen Orden betrieben wird, dazu. Schwester Sayoojya ist als Oberin verantwortlich für das Wohlergehen der anderen. „Als christliches Haus ist es unser Anspruch, das auch in die Pflege hineinzutragen“, sagt Geschäftsführer Moritz Wahl. „Es ist beeindruckend, mit welchem Selbstverständnis die Schwestern ihren Auftrag erledigen.“

Gehorsam, Armut, Keuschheit

Sie alle haben das Gelübde abgelegt, in Gehorsam, Keuschheit und Armut zu leben. Gehorsam bedeutet auch, dass sie ihre Zukunft nicht selbst planen können. Schwester Sayoojya zum Beispiel wollte vor Jahren zurück in die Heimat. Doch die Provinzialoberin entschied, dass sie in Raisdorf bleibt. 

Neben der Arbeit als Pflegerinnen treffen die Ordensschwestern sich jeden Morgen um 5 Uhr zum Gebet mit anschließendem Gottesdienst, den der Hausgeistliche hält. Dazu gibt es eine eigene Kapelle im St. Anna, in der auch die Bewohner – unabhängig von ihrer Konfession – an Gottesdiensten teilnehmen können. Alle zwei Jahre dürfen sie acht Wochen nach Indien fahren und ihr Mutterhaus und die Familie besuchen. In der restlichen Zeit muss das Telefon als Kontaktmedium reichen.

Den Video-Chat-Dienst Skype verbot die Generalobere jüngst. Manche Schwestern verwendeten zu viel Zeit darauf. Deshalb greift Schwester Sayoojya momentan täglich zum Telefon. Ihre Eltern leben in der Region Kerala, die derzeit von der schlimmsten Flut seit 100 Jahren heimgesucht wird. „Dort, wo sie wohnen, ist es nicht ganz so dramatisch“, sagt sie. „Trotzdem will ich wissen, wie es ihnen geht.“

Fragt man Schwester Sayoojya nach ihren Vorstellungen für die Zukunft, zuckt sie mit den Schultern. Im November gibt es eine neue Provinzialoberin. Sucht sie einen neuen Einsatzort für Sayoojya aus, wird sie folgen. Sicher ist nur: In ihrem Leben gibt es keine Rente. „Wir arbeiten, bis wir umfallen“, sagt Schwester Sayoojya. Sie lächelt dabei.

Silke Rönnau 20.08.2018
Silke Rönnau 20.08.2018
Plön Kegelsportklub Preetz - Die Kugel rollte im Disco-Licht
Silke Rönnau 20.08.2018