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Plön Wie sich Fremdsein anfühlt
Lokales Plön Wie sich Fremdsein anfühlt
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10:00 13.06.2019
Von Nadine Schättler
Die arabischen Sätze an der Hör-Station kann Ausstellungsbesucher Jochen Poeschel-Gilbert trotz Übersetzungshilfe nur schwer verstehen. Louay (25, links) und Wasim (23) aus Syrien wissen aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt. Quelle: Nadine Schättler
Heikendorf

Eine Sprache, die fast 100 Wörter für die Liebe kennt, muss leidenschaftlich sein. Ich schaue auf eine Postkarte mit rosafarbenem Herz und arabischen Schriftzeichen, die in jeder Zeile anders aussehen, aber allesamt das gleiche sagen wollen: Liebe. Der erste Eindruck trügt nicht, wie ich kurz darauf an der ersten Station der interaktiven Ausstellung erfahren darf. Die arabische Sprache ist vielfältig, und für das ungeübte Auge sind die geschwungenen Schriftzeichen mit vielen Punkten und kleinen Kringeln eine Herausforderung. Auf dem arabischen U-Bahn-Fahrplan mit zahlreichen Haltepunkten soll ich meinen vorgegebenen Standort und den Zielort finden und innerhalb von fünf Minuten eine Route auf dem Touchscreen-Display eingeben. Ich steige in eine fiktive U-Bahn-Linie und rausche durch die Stationen, deren Namen ich mit denen auf dem Fahrplan vergleiche. Die Schriftzeichen sind für mich so schwer zu lesen, dass ich die Station verpasse, an der ich hätte aussteigen sollen. Im realen Leben hätte mich so eine Irrfahrt viel Nerven gekostet. Und: Ich hätte wahrscheinlich niemanden um Hilfe fragen können.

Zwei syrische Flüchtlinge begleiten die Ausstellung „Land der Kulturen“

In der Heikendorfer Gemeindebücherei helfen mir glücklicherweise Louay und Wasim, die seit dreieinhalb Jahren in München leben und sehr gut Deutsch sprechen. „Ich habe durch dieses Projekt meine Sprache verbessern können“, freut sich Louay. Gemeinsam begleiten die beiden syrischen Flüchtlinge die Wanderausstellung durch ganz Deutschland, vorzugsweise in großen Städten wie Hamburg, Dresden oder München. „Wir machen das unheimlich gerne. Wir zeigen den Menschen alle Schwierigkeiten, die wir hatten. Denn es wird oft darüber gesprochen, aber wenn man das selber erleben kann, ist das anders und man vergisst es nicht so schnell“, sagt Wasim.

An der Hörstation in Heikendorf lerne ich arabische Sätze

Tatsächlich kann ich mit jeder weiteren Station nachempfinden, wie es auch Louay und Wasim bei ihrer Ankunft in Deutschland ergangen ist. An der Hörstation lerne ich verschiedene arabische Sätze, die ich anschließend den Bildern auf dem Display zuordnen soll. Sie zeigen Situationen im Restaurant, am Telefon oder auf der Straße. Zu schwer für mich. Das einzige, was ich mir merken kann, ist der Satz, in dem ich so etwas wie „patatas“ (spanisch für Kartoffel) heraushören kann. Und ordne ihn richtigerweise der Restaurant-Szene zu. Spaß habe ich dabei, meinen Namen auf arabisch (also zunächst rückwärts, dann nur mit den langen Vokalen und anschließend in arabischen Schriftzeichen) zu schreiben. Die jungen Syrer erklären mir nebenbei geduldig ihre Sprache und Kultur. Die Matheaufgabe in arabisch-indischer Zahlschrift löse ich mit Hilfe einer europäischen Übersetzung und würde am liebsten immer weiter schreiben: Für die Null braucht es nur einen Punkt, für die fünf einen Kreis und für die acht so etwas wie ein Dach. Die Einfachheit gefällt mir.

Der gregorianische Kalender bringt mich durcheinander

Zu einer echten Herausforderung wird für mich die Station, an der ich einen Aufnahmeantrag für ein arabisches Fitnessstudio ausfüllen soll. Ebenso der Marktplatz mit arabischen Begriffen wie Milch, Artischocke oder Paprika. Auch der gregorianische Kalender bringt mich durcheinander, denn die Konzentration lässt nach. Abschließend darf ich mir eine Karte auswählen, auf die ein anderer Ausstellungsbesucher eine Frage geschrieben hat: Was gefällt dir an Deutschland? Die Antwort mit einigen Schlagwörtern fällt mir leicht: Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit, Rechts- und Sozialstaat. Schade nur, dass es für das Wort Liebe nicht so viele Wörter gibt, wie bei meinen arabischen Ausstellungsbegleitern. Liebe (statt Krieg und Flucht) kann es meiner Meinung nach auf der ganzen Welt nicht genug geben.

Die interaktive Ausstellung „Land der Kulturen" kann noch bis zum 15. Juni während der Öffnungszeiten der Gemeindebücherei Heikendorf besucht werden. Anmeldungen für Gruppen unter Tel. 0431/240961.

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Hier sehen Sie Bilder vom Selbstversuch in der interaktiven Wanderausstellung "Land der Kulturen" in der Heikendorfer Gemeindebücherei. 
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