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Plön Junger Heikendorfer will Fischer werden
Lokales Plön Junger Heikendorfer will Fischer werden
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10:00 25.07.2019
Von Nadine Schättler
Jonny Fischer (21) hat sich nach dem Abi für eine Fischerlehre auf dem Kutter seines Vaters entschieden. Quelle: Nadine Schättler
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Heikendorf

Er ist blond und trägt ein rotes Käppi verkehrt herum auf dem Kopf, unter dem sich die kinnlangen Haare kringeln. Mit selbstbewussten Schritten verlässt Jonny im Möltenorter Hafen das kleine Fischerboot, an dem er mit seinem Vater gerade herum bastelt. Eigentlich sollte der Kahn irgendwann den knapp 15 Meter langen und deutlich größeren Kutter im Hafen ablösen, mit dem sie regelmäßig auf Fangfahrt gehen. „Wenn ich mal in Rente bin“, sagt Björn Fischer. Doch jetzt machen die Männer das Boot für Jonny fahrbereit. Sobald er seine Lehre im kommenden Jahr abgeschlossen und Fahrtzeiten gesammelt hat, will er das Fischerei-Patent „BK“ für das Führen von Booten in der kleinen Hochseefischerei erwerben. Dann könnte er sich ein eigenes Schiff zulegen.

Der Job ist hart, aber es gibt auch schöne Seiten

„Mal gucken, ob ich dann noch Bock habe“, sagt der junge Fischerei-Anwärter trocken. Denn eines ist dem 21-Jährigen nach einem Jahr verkürzter Ausbildung klar geworden. Die Zukunft der Fischerei ist wegen der Fangquoten und immer neuer Vorschriften ungewiss. Und: Der Job ist hart. Eine gefüllte Fischkiste wiegt 30 Kilogramm, während der Fangfahrten sind stundenlanges Stehen, wenig Schlaf und manchmal auch ewiges Sitzen angesagt. „Das ist wie auf einem langen Flug, wenn die Beine anfangen zu kribbeln und man sich mal bewegen muss.“ Doch der Abiturient hat seine Entscheidung bewusst gefällt und bereut sie trotz aller Widrigkeiten, die das Fischerleben mit sich bringt, nicht. Denn es gibt auch die schönen Seiten. Das Einlaufen in den Hafen, das Meer, die Seeluft. Und Naturschauspiele. „Ich habe schon etliche Sonnenuntergangs-Fotos auf meinem Handy“, erzählt Jonny. Außerdem möchte er die Familientradition fortführen. Die Fischers fischen bereits in siebter Generation. Jonny wäre die achte.

Schon als kleiner Junge half Jonny Fischer bei der Arbeit im Hafen von Möltenort

Direkt nach dem Abitur hatte er noch überlegt, etwas Kreatives oder im Medienbereich zu studieren. Doch nicht nur die große Zahl der Bewerber schreckte ihn ab, auch der hohe theoretische Anteil eines Studiums. Weil er sich nicht wirklich sicher war, ging es erst einmal ins Ausland. Dabei verpasste er ein Bewerbungsgespräch, hatte seine Unterlagen aber digital im Reisegepäck. Bei einer Bergwanderung kam ihm die Idee, das Anschreiben und seinen Lebenslauf für eine Bewerbung bei seinem Vater einfach anzupassen: „Das hat mir an Deck eigentlich immer Spaß gemacht.“ Schon als kleiner Junge half Jonny bei der Arbeit im Hafen, schlachtete Dorsche und verkaufte Fisch. Mehr sporadisch, erzählt er. Doch mit der Ostsee und der Fischerei wurde er groß. Selbst seine Taufe fand mit Heikendorfer Seewasser auf dem Familien-Kutter statt.

Vielleicht studiert Jonny Fischer am Ende doch noch - etwas mit Meer

Als die überraschende Nachricht in Heikendorf eintraf, machte sie schnell die Runde. „Gerechnet hatte ich damit überhaupt nicht“, erzählt Björn Fischer. Neben der Freude schwingt auch etwas Wehmut mit. Fischerei ist eben nicht mehr das, was es mal war. Aber vielleicht wird Jonny auch wieder bessere Zeiten erleben können. Wenn Regionalität an Bedeutung gewinnt. Wenn Fangquoten sich ändern. Oder wenn er am Ende doch noch studiert. „Nautik vielleicht“, sagt Jonny. Auf jeden Fall etwas mit Meer.

Fotos von Jonny Fischer, Fischer-Azubi aus Heikendorf.
Sibylle Haberstumpf 25.07.2019
KN-online (Kieler Nachrichten) 24.07.2019
Hans-Jürgen Schekahn 24.07.2019