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Plön Nachts suchen immer mehr Menschen Hilfe
Lokales Plön Nachts suchen immer mehr Menschen Hilfe
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06:00 23.07.2019
Von Silke Rönnau
Romy Klodt bereitet die Medikamente für den nächsten Tag vor. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Die Glastüren öffnen sich fast lautlos. Ein paar Meter weiter sitzt Lukas Dräger in der leeren Eingangshalle der Klinik Preetz am Empfang. Er ist die erste Anlaufstelle für alle, die nachts Hilfe brauchen. Mitten in der Nacht ist die Anlaufpraxis nicht mehr besetzt, deshalb greift er zum Telefon und meldet die Patienten in der Zentralen Aufnahme an. So auch die Frau, die gerade mit ihrem Partner an den Empfang kommt und besorgt auf ihren geschwollenen Arm zeigt.

Außerdem achte er auf demente Patienten, die oft nachtaktiv seien. „Die Schwestern sagen Bescheid, wenn sie solche Patienten haben, dann schaue ich mehr darauf“, erklärt Dräger. Der 26-Jährige studiert Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitet nebenbei in der Klinik. Seine Schicht beginnt um 19.15 Uhr und endet um 5 Uhr. 

Runde durch die Zimmer nach der Übergabe

Auf Station 4 sind Romy Klodt (36) und Marina Lidell (63) seit 20.30 Uhr im Einsatz. Nach der Übergabe machen sie die erste Runde durch alle Zimmer. „Zwischendurch klingelt es oft, dann laufen wir von vorne nach hinten“, sagt Marina Lidell, die seit vier Jahren als Nachtschwester in der Klinik arbeitet und vorher schon 20 Jahre lang Nachtdienste in einem Rendsburger Pflegeheim gemacht hat.

Oft rufen Patienten nach den Schwestern, wenn sie Schmerzen haben, Hilfe beim Toilettengang benötigen, umgelagert werden wollen oder nicht schlafen können. „Dann bringe ich ihnen heiße Milch mit Honig“, verrät Marina Lidell ihr Rezept gegen Schlaflosigkeit.

Eine Patientin bedankt sich bei ihr: „Das ist ja hier wie im Hotel.“ Es mache Spaß zu arbeiten, wenn die Patienten zufrieden sind, meint sie. „Es ist ja nicht so riesig groß hier, sondern familiär und gemütlich“, erklärt sie, während sie den Wäschewagen auffüllt. 

Medikamente müssen bestellt werden

Romy Klodt stellt die Medikamente für den nächsten Tag zusammen. Tabletten für morgens, mittags, abends und nachts werden in die entsprechenden Fächer gefüllt, Infusionen vorbereitet, Röhrchen für die Blutentnahme mit Namen beschriftet. Und sie muss noch neue Medikamente in Neumünster und Material im hauseigenen Lager bestellen.

Außerdem schauen sie alle Schränke durch, um nach Verfalldaten zu sehen und Vorräte aufzufüllen. „Das sind Sachen, die schafft man tagsüber nicht.“ Dazu müssen nachts bei einigen Patienten Zuckerwerte kontrolliert, Temperatur und Blutdruck gemessen werden.

"Hier ist immer was los"

Ab und zu kommt ein Anruf von der Zentralen Aufnahme. „Heute sind schon zwei Patienten aufgenommen worden, da kommt bestimmt noch mehr“, vermutet sie. Die eine Patientin habe eine Entzündung nach einer Operation gehabt, ein anderer Drogen genommen. „In den letzten Wochen hatten wir so viele mit Alkohol und Drogen, die spucken über den Flur, pinkeln überall hin und gehen vormittags wieder nach Hause“, ärgert sie sich. Seit 2002 ist sie auf der Station. Früher habe man nachts nicht so viele Zugänge gehabt, stellt sie fest. „Jetzt ist hier immer was los.“

Jede Nacht kämen neue Patienten, berichten auch Kirsten Schloer (50) und Melanie Merkle (45) in der Zentralen Aufnahme, wo sie die Karten einlesen, Daten eingeben, nachfragen, was passiert ist, sich nach Vorerkrankungen erkundigen, bei Bedarf schon mal Blut abnehmen und Zugänge legen. An diesem Abend sei einer mit dem Rettungswagen eingeliefert worden, alle anderen seien selbst hergekommen.

Leider seien auch einige dabei, die schon tagelang Rückenschmerzen hätten und dann ausgerechnet eine halbe Stunde nach Schließung der Anlaufpraxis Hilfe suchten. „Das ist für eine Notaufnahme natürlich nicht so günstig“, kritisiert Kirsten Schloer.

Schon viele dramatische Situationen erlebt

Sie haben schon viele dramatische Situationen erlebt, so wie kürzlich, als eine Frau im Wartebereich plötzlich umkippte und reanimiert werden musste, erinnert sich Melanie Merkle. Über die Fälle, die einem nahegingen, rede man anschließend mit den Kollegen. Aber auch Kurioses haben sie mitbekommen. Wenn zum Beispiel Sexspielzeuge stecken bleiben. Bei einem jungen Mann vibrierte es im Darm, als ihn der Arzt untersuchte, erzählen sie lachend.

„Das Schlimmste sind Alkohol und Drogen“, klagt auch Kirsten Schloer. Diese Patienten seien oft aggressiv, da müsse man besonders auf den Eigenschutz achten. „Es kostet viel Arbeit und Nerven und hält auf – da müssen andere Patienten warten.“

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