Kloster Preetz: So werden alte Bücher restauriert
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Plön So werden alte Bücher restauriert
Lokales Plön So werden alte Bücher restauriert
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16:00 30.11.2019
Von Jonas Bickel
Anne-Katrin Haase restauriert Bücher. Für die Predigerbibliothek des Klosters Preetz stellte sie zwei mehr als 400 Jahre alte Bücher wieder her. Quelle: Jonas Bickel
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Preetz

Die Predigerbibliothek des Klosters Preetz wird künftig mit 750.000 Euro aus dem Bundeshaushalt gefördert. So können viele der rund 10.500 Bände in der Bibliothek umfassend restauriert werden. Schon bevor die Förderung feststand, bekam die Hamburger Buchrestauratorin Anne-Katrin Haase vom Kloster Preetz den Auftrag, zwei mehr als 400 Jahre alte Bücher zu restaurieren. Diese übergab sie dem Kloster anschließend in neuem Glanz. Im Interview erzählt Haase, woraus ihre Arbeit besteht und wie viele Stunden sie für die Restaurierung der beiden Bücher benötigte.

Frau Haase, was kann man sich unter dem Beruf der Buchrestauratorin vorstellen?Ich bekomme beschädigte Bücher in die Hand und analysiere sie darauf, woraus die Beschädigungen bestehen. Das Ziel ist, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten und das Buch lesbar zu machen. Von der Originalsubstanz soll so wenig wie möglich verloren gehen. Alles, was im Buch gefunden wird, sollte wiederverwendet werden. Ich brauche relativ wenig Material, weil ich alles zubereite, was vorhanden ist.

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Wie sind Sie Buchrestauratorin geworden?Ich habe früher in einem Antiquariat gearbeitet. Das hat mein Interesse geweckt. In Düsseldorf habe ich eine Lehrstelle bei Restaurator und Buchbinder Heinz Petersen gefunden und meine Gesellenprüfung als Buchbinderin absolviert. Danach war ich in etlichen Werkstätten und habe in der Schweiz viele Kurse und Fortbildungen besucht, denn das Berufsbild des Buchrestaurators gab es damals in der heutigen Form nicht. 1982 habe ich mich dann selbstständig gemacht.

Für das Kloster Preetz haben sie zuletzt zwei Bücher restauriert. Wie viel Zeit haben Sie dafür benötigt?Pro Buch etwa 25 Stunden. Diese Bücher waren nicht so sehr beschädigt. Es gibt Bücher, die in einem deutlich schlimmeren Zustand sind. Deswegen war der Aufwand verhältnismäßig gering.

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Die restaurierten Bücher sind mehr als 400 Jahre alt. Was müssen Sie bei so alten Büchern besonders beachten?Die  Temperatur, die  Luftfeuchtigkeit und das Bewahren vor Lichtstrahlung sind das Wichtigste für die Aufbewahrung der Bücher. Gute Bedingungen für solche Bücher sind 16 Grad Celsius und 52 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bei schlechten äußeren Umständen kommt es dagegen zu Schäden. Denn das Material reagiert auf Feuchtigkeit und Feuchtigkeit erhöht sich durch höhere Temperatur.  Schädigungen entstehen aber auch durch Tiere wie Mäuse, Anobienfraß oder Silberfische, die das Buchmaterial angreifen - vor allem Papier und Holz. Für den größten Schaden sorgt aber meistens der Mensch selbst durch falsche Handhabung der Bücher.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie bei der Restaurierung?Klebstoffe wie Weizenstärkekleister, Hautheißleim, oder Hausenblase, die schon immer verwendet wurden und reversibel sind. Material, das in 400 Jahren keine Schäden angerichtet hat, wird wahrscheinlich die nächsten 300 Jahre auch nicht schädigen. Natürlich verwende ich auch moderne Materialien. Papier wird mit verschiedenen Japanpapieren unterschiedlicher Grammaturen restauriert. Handgeschöpfte Büttenpapiere, Leder, Pergament, Holz und Gewebe sind weitere wichtige Materialien.

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Die Bücher für die Predigerbibliothek des Klosters Preetz gingen Ihnen relativ leicht von der Hand. Welches Buch war denn bisher ihre größte Herausforderung?Eine Herausforderung ist fragiles und abgebautes Material und Bücher, die man nicht auseinandernehmen darf, weil sonst zu viel Originalsubstanz verloren geht. Da muss man sich Schritte überlegen, die oft unorthodox sind. Damit meine ich etwa Techniken oder Werkzeuge zu benutzen, die aus anderen Berufszweigen stammen, wie etwa aus medizinischen, bildnerischen oder anderen restauratorischen Bereichen.

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