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Plön So arbeitet ein TÜV-Prüfer für Bäume
Lokales Plön So arbeitet ein TÜV-Prüfer für Bäume
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11:00 02.08.2019
Von Sibylle Haberstumpf
So arbeitet ein TÜV-Prüfer für Bäume: Arne Ingwersen (50) ist als Baumkontrolleur im Amt Schrevenborn unterwegs. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Heikendorf

Wer mit Arne Ingwersen auf dem Heikendorfer Friedhof unterwegs ist, dem werden die Augen für Bäume geöffnet. Bergahorn, Spitzahorn, Blutbuche, Kastanie, Sandbirke, Goldregen. Dazwischen eine tote Kiefer. Ingwersen (50) ist Baumkontrolleur bei der Firma Grünraum aus Rostock. Das Amt Schrevenborn hat ihn beauftragt. Seine Aufgabe besteht darin, in den kommenden Wochen die rund 5000 Bäume der Gemeinden Mönkeberg, Schönkirchen und Heikendorf auf Stand- und Bruchfestigkeit zu überprüfen.

Es geht um ihre Verkehrssicherheit - Ingwersen ist so eine Art TÜV-Prüfer für Bäume. Mit einem Blick sieht der gelernte Garten- und Landschaftsbauer ihr Alter, ihre Leiden, ihre Zipperlein. Von oben nach unten, vom Wipfel bis zum Stammfuß prüft er jeden Baum.

Ingwersen begutachtet einen Bergahorn, 21 Meter hoch, von der Altersstufe zwischen Jungbaum und Reifephase. Die Leiden des jungen Ahorns: Kritisch blickt ihm Ingwersen auf die Füße - beziehungsweise auf die Wurzeln. Sie sind verletzt durch einen Mähschaden. Offenbar wurde zu rabiat um den Baum herumgemäht. Die Verletzung kann ungebetene Gäste anlocken. "Das ist die Eintrittspforte für Pilze", sagt er. Das ist schlecht, denn: "Pilze sind die einzigen Lebewesen, die Holz zersetzen können." Wenn sie zu tief in den Baum eindringen, durch Schäden in der Rinde etwa, ist der Kampf für den Baum oft schwer. Direkt daneben steht noch ein Bergahorn, diesmal in roter Färbung. Ihn plagt eine Würgewurzel. Sie hat sich um den Stammfuß gelegt und könnte so manche wichtige Leitungsbahn einschnüren und einquetschen. Von dieser Schwachstelle könnte im Laufe der Zeit eine erhöhte Bruchgefahr ausgehen.

Alles kommt ins digitale Baumkataster

Problematisch sind auch sogenannte Druckzwiesel, also wenn sich zwei starke Äste im Dickenwachstum behindern und aufeinander drücken. Ihre Rinde kann sich an den Seiten zu "Ohren" auswachsen. Werde der Druck zu groß, könne einer der Äste abbrechen, erklärt der Kontrolleur, während er einen weiteren Ahorn untersucht.

Ingwersen ist gern in der Natur, mag Bäume und hat auch selber die Ausmaße eines Baumes - der Zwei-Meter-Mann war in seiner Heimat Hamburg bis vor wenigen Jahren noch auf Baumklettern mit Seiltechnik spezialisiert. Jetzt prüft er die Gehölze nur noch vom Boden aus. Das aber mit geübtem Scharfblick. "Qualifizierte Sichtkontrolle" nennt sich das.

Ausgestattet ist der 50-Jährige mit einem bruch- und wasserfesten "Touchpad" mit blendfreiem Outdoor-Display. Der robuste Klein-Computer hängt um seinen Hals. Hier tippt Ingwersen alle Daten in das digitale Baumkataster des Amtes Schrevenborn ein, Baum für Baum. Höhe und Kronenbreite etwa, die er per Augenmaß abschätzt. Den Umfang jedes Stammes misst er mit dem Maßband.

Bei manchen Stämmen sieht man schnell, dass sie hohl sind: Sie haben einen sogenannten Flaschenbauch. Manche muss Ingwersen aber auch mit einem Hammer abklopfen, der an seinem Gürtel hängt. Dort trägt er auch einen langen Sondierstab aus Metall. Damit prüft der Kontrolleur, wie groß ein Hohlraum in einem Stamm ist. Der Stab funktioniert ähnlich wie ein Ölmessstab im Auto.

Standfestigkeit, Pilzbefall, Baumpflegemaßnahmen

Auf die Vitalität der Krone achtet er genauso wie auf Morschungen, Totholz und "Unglücksbalken" - das sind tote Äste, die durch die eigene Last so belastet sind, dass sie bald zu brechen drohen. Alles notiert er. Standfestigkeit, eventueller Pilzbefall, nötige Baumpflegemaßnahmen. Langweilig wird ihm zwischen den Bäumen nicht und fit bleibt er bei seinem Job ohnehin - Ingwersen läuft jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuß.

Bei einer Birke, an der er vorbeikommt, bemerkt er Wurzelabrisse. Wohl bei der Grünpflege entstanden. Sehr destruktiv. Ingwersen verzieht das Gesicht. "Bäume schreien nicht, wenn es weh tut. Man kann sie nicht hören", bedauert er und kritisiert: "Leider gehen Bauarbeiter häufig sehr unsensibel mit Bäumen um."

Ein Problem, das gerade in Heikendorf bei vielen Kastanien zu beobachten ist, ist auch hier auf dem Friedhof präsent: das Pseudomonas-Bakterium. Auffälligstes Symptom sind "blutende" Flecken am Stamm; Leckstellen, die teilweise eintrocknen und eine schwarz-braune Kruste hinterlassen. Die Kastanie, die er am Rande eines alten Grabsteins entdeckt, ist todkrank. "Fällwürdig", sagt Ingwersen lapidar. Kommt natürlich alles in das Kataster.

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