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Plön "Die meisten Blühwiesen sind nutzlos"
Lokales Plön "Die meisten Blühwiesen sind nutzlos"
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11:36 02.08.2019
Von Frida Kammerer
Kritik von Naturschützern - "Die meisten Blühwiesen sind nutzlos": Matthias Hagelstein (rechts) hat sich bei Manfred Kamp Hilfe geholt, um eine richtige wilde Blühwiese anzulegen. Quelle: Frida Kammerer
Schönberg

Wo vorher Ponys und Schafe standen, stehen jetzt Disteln und Sonnenblumen in Hülle und Fülle. Nachdem die letzten Ponys verstorben sind, hat sich Matthias Hagelstein entschlossen, aus seiner Weide eine Blühwiese zu gestalten. "Erst hatte ich so Saatgut aus dem Baumarkt und das war nichts", erzählt der Bäcker. Enttäuscht hat er Wochenlang gewartet, dass auf der Weide etwas anderes wächst als Gras - doch Fehlanzeige, die Blumen ließen auf sich warten. Dann holte er sich Rat von einem Fachmann. Aus einem Zeitungsbericht erfuhr er von Manfred Kamp und dem Probsteier Naturverein.

Blühwiesen: Aufs richtige Saatgut kommt es an

Kamp hat beim Anlegen der Blühwiese gern geholfen. "Viele Blühwiesen sind ganz falsch angelegt. Falsch ist besser als nichts, aber immer noch falsch", erklärt der 73-jährige Rentner. Für die vielen Blühwiesen und -streifen kann sich der Naturfreund nicht begeistern. Völlig planlos kauften Menschen irgendwelche Mischungen im Super- oder Baumarkt, streuten sie aus und warteten vergebens auf Erfolg. "Die Pflanzen in diesen Mischungen sind weder regional-heimisch noch mehrjährig", sagt Kamp. "So sind die meisten Blühwiesen nutzlos"

Eine Firma, die spezielles Saatgut für Blühwiesen zusammenstellt, hat Deutschland in acht Regionen aufgeteilt. Das östliche Drittel von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Nordsachsen und Teile von Sachsen-Anhalt bilden eine Pflanzenregion. Dort werden die späteren Blüher eingesammelt und so Saatgut für die Region zusammengestellt. "Zu produzieren, was hier nicht herkommt, wird hier auch nichts", sagt Kamp. Der Boden sei mager und genauso mögen es die Pflanzen auch. Viele Gartenfreunde wollen den Pflanzen etwas gutes tun und mit Dünger nachhelfen. Doch das sei genau der Fehler: Der Boden wird verändert und die Blumen können damit nicht umgehen.

Blühwiese: Was die Biene nicht kennt, bestäubt sie nicht

Auch die Insekten seien auf heimische und regionale Pflanzen eingestellt. "Bienen mögen nicht alle Blumen gleich", erklärt Harald Christiansen, Vorsitzender des Nabu im Kreis Plön. "Insekten gehen vor allem an ihnen bekannte Pflanzen." Was die Biene oder die Larve nicht kenne, fresse sie schlicht nicht. Christiansen stimmt Kamp zu - eine schlecht angelegte Blühwiese sei zwar besser als ein Maisfeld, aber auch keine große Hilfe für die Natur. Die Pflanzen aus den regulären Mischungen seien oft einjährig und verschwänden im kommenden Jahr wieder.

Die Pflanzen aus den regionalen Saaten blühten teilweise überhaupt erst im kommenden Jahr. "Die müssen vom Frost einmal angeknackt werden, damit die im nächsten Jahr wachsen", erklärt Kamp. "Ein großer Staudengarten ist immer das Beste für die Natur", ergänzt Christiansen. Doch das "gute" Saatgut ist rar, in diesem Jahr wird noch gesammelt, erst ab 2020 können die Samen gesäht werden.

Schleswig-Holstein fördert Blühstreifen von Landwirten, "doch die sind zu klein und nicht nachhaltig", kritisiert Christiansen vom Nabu. Die Streifen seien zu schmal, oft seien die Pflanzen nur einjährig und im Herbst pflüge der Bauer sie mit dem restlichen Feld um. "Außerdem fehlt hier die Pflanzenvielfalt", beklagt Kamp und nennt diese Blühstreifen der Landwirte an den Hauptstraßen "Alibi-Blühstreifen".

Insekten ziehen Sonnenblumen dem Sonntagskuchen vor

Auch Matthias Hagelstein musste lernen, dass Blühwiese nicht gleich Blühwiese ist - und man nicht einfach nur ein paar Samenkörner ausstreuen kann. Dreimal musste er seine Weide hinter dem Haus fräsen, dann konnte er erst für 150 Euro Saatgut ausstreuen. "Meine Familie hat mich immer aufgezogen: Na, wächst schon was auf deinem Kohlfeld?", erzählt er lachend. Noch im Frühling war seine eigene geplante Wildwiese ein Acker. Jetzt freuen sich alle über die Blumenpracht - von Kohlfeld keine Spur mehr. Die Sonnenblumen und Disteln sind mannshoch.

Kamp und Hagelstein beraten schon über die nächsten Flächen, die demnächst zum Insektenparadies werden sollen. Auch wenn es in dem Garten summt und brummt, Probleme hatte Hagelstein noch nie: "Auch wenn die Blumen und Stauden nur zehn Meter von meiner Terrasse entfernt sind, ich hab noch keine Biene auf meinem Kuchen gefunden!"

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