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Plön Landwirte müssen exportieren
Lokales Plön Landwirte müssen exportieren
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14:40 16.04.2013
Von Hans-Jürgen Schekahn
Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Heiner Staggen (rechts) und der frühere Staatssekretär im Kieler Landwirtschaftsministerium Ernst-Wilhelm Rabius begleiten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zu einer Diskussionsveranstaltung in Blekendorf. Quelle: hjs
Blekendorf

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Murmann, Kreisbauernverband, Landfrauen und die Landjugend baten Aigner zum Gespräch in den Tomantentunnel des Obsterlebnisgartens. Landwirt Bert Riecken aus Großbarkau hielt ein flammendes Plädoyer für die Direktvermarktung. Er verkauft erfolgreich die Milch seiner 70 Kühe im Raum Kiel. „Wir sind glücklichere Menschen geworden.“ Die Akzeptanz bei der Kundschaft sei groß. Sie freuten sich auf die Produkte aus dem Hause Riecken. Kreisbauern-Chef Heiner Staggen, der selbst 160 Milchkühe im Stall stehen hat, lenkte den Blick auf andere Aspekte. „Ich wüsste nicht, wo ich meine Milch sonst lassen sollte“, sagte er vor rund 90 Zuhörern. Er liefert sie an eine Genossenschaftsmeierei ab. Bei einem Versorgungsgrad bei der Milch im Land von 260 Prozent bleibe den schleswig-holsteinischen Bauern keine andere Möglichkeit, als in andere Regionen zu exportieren. Er respektiere die erfolgreichen Selbstvermarkter, aber: „Wenn es alle machen würden, würde es nicht funktionieren.“

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner sah keinen Widerspruch zwischen „Wochenmarkt oder Weltmarkt“. Beides könne nebeneinander Bestehen bleiben. Den Begriff Regionalität der Produkte fasste sie teilweise sehr weit. Angesprochen darauf, dass das Fleisch von italienischem Parma-Schinken zum Teil von schleswig-holsteinischen Schweine stamme, fand sie daran nicht ehrenrühriges. Im Gegenteil: „Da würde ich dahinter stehen. Das ist doch ein Zeichen für gute Qualität.“

Bernd Steffen von der gleichnamigen Hofschlachterei in Muxall schoss sich auf die großen Discounter ein und gab ihnen die eigentliche Schuld an Lebensmittelskandalen. Unternehmen wie Aldi oder Lidl drückten die Erzeugerpreise dermaßen, dass einige Landwirte bei der Produktion unlautere Methoden anwendeten.

Heinrich von der Decken von Gut Panker mahnte bei der Bundesministerin an, sie müsse mehr und besser den Ruf der Landwirte schützen. Bei jeden Lebensmittelskandal, den nur wenige kriminelle Berufskollegen verursachten, gerate gleich der gesamte Berufsstand in Verruf. Der Gutsverwalter forderte mehr Kontrollen. Aigner hielt ihm allerdings entgegen, dass ihr Ministerium über keinen einzigen Kontrolleur verfüge. Das liege in der Verantwortung der Länder.