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Plön Der Facebook-Bürgermeister aus Plön
Lokales Plön Der Facebook-Bürgermeister aus Plön
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09:45 11.10.2019
Von Sebastian Ernst
Lars Winter (SPD) ist Bürgermeister in Plön und nutzt Facebook intensiver als die meisten Kollegen. Quelle: Sebastian Ernst
Plön

"Moin Moin Plön und dem Rest der Welt", so meldet sich Bürgermeister Lars Winter täglich bei Facebook. Danach folgt ein Tagesausblick: Interviewtermine, Sitzungen, manchmal auch Freizeitaktivitäten. "Ich nutze lieber Facebook als Twitter, weil mir die Zeichen dort nicht reichen, um das komplexe Geschehen in einer Kleinstadt wie Plön zu erläutern", sagt Winter. Täglich verbringt er geschätzt eine Stunde bei Facebook. Doch warum tut er das? Welche Vorteile bringt ihm Facebook? Welche Nachteile nimmt er in Kauf? Ein Interview mit dem Facebook-Bürgermeister.

Herr Winter, warum ist es für Politiker wichtig, auf Facebook aktiv zu sein?

Lars Winter: Man muss dort unterwegs sein, wo man seine Zielgruppe erreicht. Ich kann informieren und sehen, was andere schreiben und dann dazu Stellung nehmen. Ich habe den Eindruck, dass das ganz gut ankommt. Bei Facebook bin ich seit neun oder zehn Jahren. Zuerst interessehalber, ausgeprägter wurde das, als ich 2012 in den Landtag kam. Mein Wahlkreis war in Ostholstein und ich habe festgestellt, dass die Leute gar nicht wussten, was so ein Landtagsabgeordneter eigentlich macht. Deswegen habe ich angefangen, über meinen Tag zu berichten. Das habe ich dann weitergeführt, als ich Bürgermeister wurde.

Betrachten Sie Facebook als ein politisches Instrument?

Ich möchte anderen dabei nicht meine Meinung aufzwingen, indem ich andere Stimmen tot mache. Ich habe bei der jüngsten Debatte um das Tempolimit auf der B 76 geschrieben, dass man unterschiedliche Betrachtungsweisen haben kann. Für mich ist wichtig, was die Leute denken. Vielleicht komme ich dann ja auch zu einem anderen Schluss und sage, so Unrecht haben die anderen gar nicht. Von daher geht es darum, darzulegen, warum man zu welchem Entscheidungsprozess gekommen ist und dann zu hören, was die Leute dazu sagen, und dass man sie in seine Betrachtungsweise mit einbezieht. Man wird ja nicht dümmer dadurch. Facebook hilft, schnell Informationen weiterzugeben und es hilft, schnell Informationen zu bekommen.

Sehen Sie Fotos aus der Karriere von Lars Winter (SPD).

Wie passt diese politische Sicht dazu, dass Sie auf Ihrem Facebook-Account auch Urlaubsfotos posten oder Netflix-Dokumentationen empfehlen?

Ich bin nun mal Lars Winter! Ich bin Privatmann und ich bin Bürgermeister und da können alle dran teilhaben. Ich habe mich damals im Wahlkampf gefragt: Was willst du für ein Mensch sein für die Öffentlichkeit? Und ich habe mich damals in Rücksprache mit meiner Familie entschieden, die als Bedingung gemacht hat, nicht auf den Fotos zu erscheinen, dass man das in dem Rahmen lässt und dass ich ein öffentlicher Mensch bin.

Verschwimmen dabei nicht die Grenzen zwischen privat und beruflich?

Man kann in einer so kleinen Stadt nicht zwischen Privatperson und Bürgermeister unterscheiden. Deswegen ist ein Bürgermeister in einer so kleinen Stadt wie Plön rund um die Uhr im Dienst. Egal, wo man angetroffen wird, ob beim Bäcker oder an der Kasse, werde ich angesprochen. Das stört mich aber auch nicht. Wenn ich mich dem entziehen will, dann fahre ich woanders hin. Da bin ich Politiker, und weiß, dass das zu meinem Job dazugehört.

Jetzt wird’s ausländisch. Chapati mit Ndengu, gekocht von Töchterchen und ihrem Freund. Kenianisches Essen.

Gepostet von Lars Winter am Mittwoch, 2. Oktober 2019

Was sagt denn die Pressestelle des Rathauses zu Ihren Social-Media-Aktivitäten?

Erst einmal ist mein Account in privater Account. Als ich hier anfing, hatten wir überlegt, ob wir einen städtischen Account machen. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden, weil so etwas sehr zeitaufwändig ist. Ich sage außerdem nicht das, was die Pressestelle sagt, sondern die Pressestelle sagt, was ich sage. Von daher brauche ich mir meine Posts von niemandem autorisieren zu lassen und da es ein privater Account ist und die Menschen assoziieren, dass ich eben auch Bürgermeister bin, und das, was ich poste, eine Bürgermeistermeinung ist, lasse ich das auch nicht absegnen.

Mit „Moin Moin, Plön und dem Rest der Welt“ haben Sie mittlerweile eine Catchphrase etabliert. Wie viel Strategie steht hinter Ihrem Facebook-Auftritt?

Damals im Landtag gab es einen Workshop. Da hieß es, dass wenn man so etwas macht, dann muss man ein Erkennungsmerkmal haben. Dort wurde uns empfohlen, ein Bild zu prägen. Und ich habe mich dann für „Moin Moin, Plön“ entschieden. Ganz ehrlich, natürlich ist das eine Strategie. Ich bin Wahlbeamter. Nach der Wahl ist vor der Wahl und man wird ja nicht wieder gewählt, nur weil man graue Augenbrauen hat oder sonst etwas, sondern man muss ja was dafür leisten. Und das versuche ich auch über Facebook zu tun.

Antreten zur Abnahme „Roter Hahn“ Stufe 3 der Freiwiilgen Feuerwehr #Plön.

Gepostet von Lars Winter am Samstag, 14. September 2019

Das heißt, Ihr Facebook-Account hat Ihnen auch Wählerstimmen eingebracht?

Ob meine Facebook-Präsenz im Wahlkampf eine Rolle gespielt hat, weiß ich gar nicht. Ich sage es immer so: Man gewinnt mit Facebook keine Wahl, aber man verliert sie durchaus, wenn man die Sozialen Netzwerke vernachlässigt.

Sind Sie schon einmal in einen Shitstorm geraten?

In einen richtigen Shitstorm bin ich noch nicht geraten. Ich habe mal - jeder Mensch macht Fehler - als ich Landtagsabgeordneter war, zu einem Post eines jungen CDU-Stadtverordneten aus Eutin Stellung genommen, der Parteipolitik gepostet hat. Ich habe das dann mit "typisch CDU, die Lütten werden gleich mit Parteipolitik großgezogen" abgetan. Und da gab es dann schon Stress, weil das ein Landtagsabgeordneter gegenüber so einem jungen Kommunalpolitiker nicht tun sollte. Ich habe das dann mit ihm geklärt und mich auch öffentlich entschuldigt. Damit habe ich dann auch kein Problem, wenn man mal daneben liegt. Natürlich geht man aber immer die Gefahr ein, in einen Shitstorm zu gelangen und das muss man aushalten.

Werden Sie manchmal für Ihre politischen Posts angegangen? Der Ton bei Facebook ist ja mitunter etwas rauer.

Witzig ist, dass sich das in den zweieinhalb Jahren, in denen ich jetzt so regelmäßig bei Facebook unterwegs bin, so etabliert hat, dass ich, wenn mich mal einer angreift - passiert ja auch mal - ich von anderen ganz viel Unterstützung kriege. Dass die sagen: Das ist nicht in Ordnung, dass Du so etwas schreibst.

Würden Sie Ihren Kollegen in der Lokalpolitik raten, auf Facebook und Co. aktiver zu werden?

Ja und nein. Man muss der Typ dafür sein. Wenn man der Typ dafür ist - zum Beispiel der Bürgermeister aus Kaltenkirchen, Hanno Krause, der ist so ein Typ und postet auch viel. Aber wenn man gar keine Affinität dafür hat, dann sollte man es sein lassen, denn dann wirkt es aufgesetzt. Wenn man sowieso mit dem Medium lebt, dann sollte man dort tunlichst aktiv sein. Ich würde es nie von einem Team machen lassen, man muss es immer persönlich machen. Und dann auch nicht nur alle drei Wochen ein Post. Dann hat das auch keinen Zweck.

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