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Plön Der Abgang von Müller und Mihlan
Lokales Plön Der Abgang von Müller und Mihlan
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20:44 13.09.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Andreas Müller (hinten) bei seiner Rücktrittsrede im Schwentinentaler Rathaus. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Schwentinental

Sie sind zurückgetreten: Die Grünen-Politiker Andreas Müller und Dennis Mihlan haben wegen der Affäre um falsche Leserbriefe endgültig ihre Ämter in der Schwentinentaler Stadtvertretung niedergelegt. Ein Schritt, der für viele Bürger im übervollen Rathaussaal und für die Mehrzahl der 27 Stadtvertreter erstens zu spät kommt – und zweitens nicht weit genug reicht. Viele hätten sich von den beiden Grünen gewünscht, sie würden auch ihre Mandate als Stadtvertreter abgeben. Was beide aber rigoros ausschließen. Sie bleiben in der Fraktion.

Mit ihren Rücktritten kamen beide einer Abwahl zuvor, die die Fraktionen von CDU, SPD, SWG und FDP vorher beantragt hatten. Andreas Müller hatte eigentlich schon zu Beginn der Woche seinen Posten als Vorsitzender des Hauptausschusses offiziell räumen wollen – doch weil die vier anderen Fraktionen aus Protest der Sitzung ferngeblieben waren, entschied er sich spontan um. Nun der Rücktritt vor versammelter Stadtvertretung und rund 100 Besuchern. Eine große Bühne, die Müller für sich nutzte.

Mihlan: Thema wurde "extrem skandalisiert"

Zunächst legte aber der 38-jährige Bürgervorsteher Dennis Mihlan sein Amt nieder – stellvertretend für ihn als bisherigen Leiter der Stadtvertretung war SPD-Frau Monika Vogt bemüht, anhaltendes lautes Klatschen oder Buh-Rufe im Saal zu unterbinden. Mihlan hatte unter dem erfundenen Namen „Walter Stängel“ viermal einen Leserbrief an die Redaktion der Kieler Nachrichten geschickt und war durch Recherche der Redaktion genauso wie Müller aufgeflogen. Müller hatte als „Bernd Seiler“ einen falschen Brief verfasst.

Mihlan, vor 15 Monaten ins Amt des Bürgervorstehers gewählt, entschuldigte sich bei Bürgern und Stadtvertretern. Er habe Fehler gemacht und Integrität vermissen lassen. Er bat aber auch darum, „den Menschen Dennis Mihlan“ und sein Engagement für die Stadt zu sehen und gab einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Für seine Familie und ihn sei die derzeitige Situation eine Belastung. Schuld daran: Nicht nur er selbst, sondern vor allem „die Medien“, die bundesweit über die Leserbrief-Affäre berichteten, nachdem die Kieler Nachrichten den Fall zuerst öffentlich gemacht hatten. Mihlan warf den Medien vor: „Das Thema wurde extrem gepuscht, extrem skandalisiert. Es ging darum, es so gut wie möglich auszuschlachten. Meine gesamte Privatsphäre wurde mehrmals umgekrempelt.“ Belege dafür? Fehlanzeige. Auf Einzelheiten ging er nicht ein. „Es geht hier um menschliche Schicksale“, betonte er stattdessen. Aus seinen unbestreitbar gemachten Fehlern wolle er übrigens lernen, so Mihlan. „Ich habe noch lange nicht ausgelernt.“ Hier und da gab es bei dieser Aussage ein Schmunzeln im Saal.

Müller spricht von "gnadenloser Choreografie" der anderen Stadtvertreter

Auftritt Müller. Rücktritt als Hauptausschussvorsitzender und grüner Fraktionschef – Sarah Lossau hat den Fraktionsvorsitz übernommen. Entschuldigende Worte: Die Kritik an ihm sei berechtigt. Er habe einen großen Fehler gemacht. Dann die Opferrolle: Die vergangenen Wochen seien schwierig gewesen. Er und Mihlan seien nach der Berichterstattung im Internet als „Maden“ und „Abschaum“ beschimpft worden. „Ich möchte wieder unbelastet durch Schwentinental gehen können“, so Müller. Dann der Angriffs-Modus: Beschuldigungen. Anderen Stadtvertretern warf er vor, sich „mithilfe der KN“ zu inszenieren. Pressemitteilungen der anderen Fraktionen aus den vergangenen Tagen bezeichnete er mitunter als „fein abgestimmte, gnadenlose Choreografie“, um ihn und Mihlan loszuwerden. Vorwürfe gab es auch wieder gegen Bürgermeister Michael Stremlau (parteilos). „Ich denke an Informationen, die wir nicht erhalten haben“, sagt Müller.

Bemerkenswert kühl fiel da eine Reaktion aus den eigenen Reihen aus: Stefan Wiese, neuer stellvertretender Fraktionschef der Grünen, meldete sich zu Wort. Müller habe die Rede nicht in seiner Funktion als Fraktionsmitglied gehalten, sondern als Privatperson. Er habe nicht im Namen der Fraktion gesprochen.

Kein Zurück zur normalen Zusammenarbeit

Dass beide ihre Mandate behalten, missbilligen alle anderen Fraktionen bis auf die WIR. „Erwartet hätten wir einen sofortigen Rücktritt“, sagt Herbert Steenbock (SWG) stellvertretend für CDU, SPD, SWG und FDP klar. Das „unverzichtbare Vertrauen“ der Bürger in die politische Arbeit sei vorsätzlich und nachhaltig beschädigt worden – Mihlan und Müller hätten durch die gefälschten Leserbriefe für sich als Grünen-Politiker Kapital schlagen wollen. „Es wird lange dauern, bis hier wieder Vertrauen einziehen kann“, so Steenbock.

Im nichtöffentlichen Teil wurde der Ton nach KN-Informationen noch schärfer. Zurück zu einer normalen Zusammenarbeit, zu normaler Sachpolitik? „Eigentlich nicht möglich, solange die beiden als Stadtvertreter weiter Einfluss nehmen“, sagt ein Mitglied der Stadtvertretung hinter vorgehaltener Hand. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

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