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Plön Das Eiszeitmuseum ein Überlebenskünstler
Lokales Plön Das Eiszeitmuseum ein Überlebenskünstler
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06:03 29.05.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Stefan Leyk ist seit 2011 Vorsitzender des Trägervereins des Eiszeitmuseums. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Lütjenburg

Am Anfang ist die Euphorie enorm. Auf dem Gelände des Öko-Unternehmens Re-Natur in Stolpe eröffnet 1999 eine Privatinitiative das Eiszeitmuseum. Die Besucherzahlen schnellen hoch auf 30.000 pro Jahr. Kaum jemand glaubte an einen so großen Erfolg. Doch ausgerechnet der ist der Anfang vom Ende des Museums in Stolpe. Der Trägerverein und der Eigentümer des Geländes kriegen sich über die Erweiterung des Museums und die Verlängerung des Pachtvertrags in die Haare. Das Ergebnis: Das Eiszeitmuseum will weg. Stolpes Bürgermeister Holger Bajorat bietet dem Verein noch einen Ausweichplatz im Gewerbegebiet an. Der Plan scheitert. Die Stolper müssen ihr heiß geliebtes Eiszeitmuseum endgültig ziehen lassen.

Bürgerentscheid geht mit 1467 zu 1467 Stimmen aus

Es gehen viele Angebote ein. Das Museum ist begehrt. Das Rennen macht 2003 die Gemeinde Bordesholm. Die SPD-Mehrheit im Ort verspricht einen Neubau für 1,75 Millionen Euro und damit eine goldene Zukunft. So etwas lockt. Im Januar 2003 bezieht das Eiszeitmuseum ein Provisorium in Bordesholm und wartete auf den Baubeginn. Doch schon im April gibt es in der Gemeindevertretung eine neue Mehrheit von CDU und FDP. Und die kippt den Neubaubeschluss. Eine Sanierung des Ortszentrums und der Realschule sind ihnen wichtiger. Eine Bürgerinitiative startet einen Bürgerentscheid, um den Bau doch noch durchzuboxen. In einer denkwürdigen Abstimmung entscheiden sich 1467 Bordesholmer für den Neubau und exakt 1467 dagegen. Eine Auszählung Tage später ändert an der Stimmengleichheit nichts. Der Bürgerentscheid ist durchgefallen. Das Projekt Bordesholm ist damit endgültig gestorben, zumal auch die Besucherzahlen im Provisorium drastisch einbrechen.

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Erneut sucht das Eiszeitmuseum nach einer neuen Heimat. Der Tierpark in Neumünster zeigt Interesse. Insgesamt 35 Standorte stehen zur Wahl. Die Entscheidung fällt schließlich für Lütjenburg. Das Nienthal, wo das Museum heute in einer ehemaligen Scheune untergebracht ist, steht beispielhaft für eine von der Eiszeit geprägten Landschaft. Dahin passt das Museum, findet der Trägerverein. 2006 ist der Umzug.

2011 ist von Auflösung die Rede

Es folgen ruhige Jahre. Bis 2011. Die Posten des Geschäftsführers und des Vorsitzenden des Museumsvereins sind vakant. Von Auflösung ist schon die Rede. Der Lütjenburger Stadtreferent Stefan Leyk und Mitstreiter wie Stefan Lansberg und Dietrich Petter übernehmen das Ruder. Sie werben 120.000 Euro an Fördermitteln ein. Die Ausstellungsfläche erhält ein neues Konzept und neuen Glanz. Die Besucherzahlen pendeln sich zwischen 11.000 und 14.000 pro Jahr ein. Mit 250 Quadratmetern ist die Fläche, die das Museum zur Verfügung hat, sehr klein. Dem begegnet der Verein mit zwei Strategien.

Die Ausstellung wächst zum einen in das Außengelände. Dort ist ein Eiszeitgarten aus  Steinen entstanden, der wie ein Stück Tundra wirkt. Zum anderen pflegt das Museum seine „Satelliten“, wie Stefan Leyk es ausdrückt. In Behrensdorf, Hohwacht, Hohenfelde, Sehlendorfer Strand und Weißenhäuser Strand bietet das Museum Exkursionen auf der Spur der letzten Eiszeit an.

Einen Wunsch hat Leyk zum 20. Geburtstag der Einrichtung. Er möchte den Titel „Geopark“ für das Nienthal und das Eiszeitmuseum. Mit dieser offiziellen Bezeichnung schmücken sich Landschaften, die die Erdgeschichte erlebbar machen.

Das Eiszeitmuseum feiert seinen Geburtstag am Himmelfahrtstag, 30. Mai. Von 11 bis 18 Uhr gibt es Bogenschießen, Führungen, Eiszeitwerkstatt und Spiele für Kinder und als Spezialität für den Gaumen: Feuerlachs.

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